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Linke verdoppeln Vorstandsspitze

Linke verdoppeln Vorstandsspitze

Die rheinland-pfälzischen Linken haben eine neue Führungsmannschaft: Künftig wird die Partei von einem vierköpfigen Sprecherrat geleitet. Mit Wolfgang Ferner und Katrin Werner gehören ihm zwei Politiker aus der Region Trier an.

Landstuhl/Trier. So heftig wie die Auseinandersetzungen der Vorstandsbewerber teilweise im Vorfeld des Parteitags geführt wurden, so schiedlich, friedlich gaben sich die Protagonisten am gestrigen Sonntag nach der Wahl. "Wir müssen für die anstehenden Wahlen jetzt gemeinsam die Ärmel hochkrempeln", meinte etwa die Trierer Linken-Bundestagsabgeordnete Katrin Werner (39), "wir wollen jetzt zwei Jahre in die gleiche Richtung fahren", kommentierte der im Altkreis Prüm wohnende Linken-Landesvorsitzende Wolfgang Ferner (60).
Mit jeweils einem weiteren Linken-Politiker an der Seite wollten sie auf dem Parteitag am Wochenende ursprünglich gegeneinander kandidieren. Nun sitzt das Quartett, dem außer Werner und Ferner noch der Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich und Alexandra Erikson (Kreisverband Rhein-Hunsrück) angehören, für die nächsten Jahre gemeinsam auf der Vorstandsbank.
Um eine Kampfkandidatur zu vermeiden, hatte sich der Parteitag mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass die rheinland-pfälzischen Linken statt von zwei künftig von vier gleichberechtigten Vorsitzenden geführt werden. Ein Modell, für das sich zuvor indirekt auch die beiden nach Landstuhl angereisten Bundesvorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger eingesetzt hatten - auch, um eine Eskalation der angespannten Situation zu verhindern.
Der amtierende Linken-Chef Wolfgang Ferner musste dennoch zittern. Ebenso wie Alexandra Erikson wurde er erst im zweiten Wahlgang gewählt. "Ein Denkzettel aus den eigenen Reihen, weil ich nicht gegen das Vierermodell war", mutmaßt Ferner, der zuversichtlich ist, dass die Aufstockung des Linkenvorstands funktionieren wird: "Ich erwarte keine Blockadesitzungen, wir werden gemeinsame Positionen finden", sagte er am Sonntag dem TV.
Ähnlich zuversichtlich äußerte sich auch Neu-Vorsitzende Katrin Werner. "Die verschiedenen Gruppen sind jetzt im Sprecherrat vertreten. Wir sind damit auf einem guten Weg", sagte die Triererin im Gespräch mit unserer Zeitung.Meinung

Fragiles Zweckbündnis
Auf einem ihrer letzten Parteitage haben die rheinland-pfälzischen Linken die Trennung von Amt und Mandat beschlossen. Heißt: Wer für die Partei in einem Parlament sitzt, kann nicht gleichzeitig auch ein Parteiamt innehaben. Wie ernst die Funktionäre dies nehmen, zeigt der Landstuhler Parteitag. Mit Katrin Werner und Alexander Ulrich wurden gleich zwei Bundestagsabgeordnete neu in den Vorstand gewählt, die ihr Mandat aber nicht zurückgeben wollen. Angeblich gibt es unterschiedliche Auffassungen, ob die Satzung überhaupt rechtmäßig ist. Und wenn schon: Wer so mit bis dato nicht außer Kraft gesetzten Mehrheitsbeschlüssen von Delegierten umgeht, hat an einer Parteispitze nichts verloren. Dass diese bei den Linken jetzt sogar auf vier Köpfe aufgestockt wurde, um einen innerparteilichen Streit nicht eskalieren zu lassen, ist ein weiterer kardinaler Fehler. Man kann jetzt schon Wetten abschließen, wie lange das fragile Zweckbündnis hält. r.seydewitz@volksfreund.de