Lösnich unter Schock

LÖSNICH. Die Staatsanwaltschaft muss ermitteln, ob es Schuldige für das tragische Geschehen am Vorabend des 1. Mai in Lösnich gibt. Dort war ein Mann von einem umfallenden Maibaum erschlagen worden. Eines steht fest: Die Traktorfahrer, die den Baum aufrichten sollten, hatten keinen Alkohol im Blut.

Nichts erinnert am Sonntagmorgen am Lösnicher Gestade an das tragische Geschehen des Vorabends. Niemand ist trotz schönsten Wetters unterwegs. Der Maibaum, der aus ungeklärter Ursache beim Aufstellen umgefallen ist, einen 43-jährigen Mann vor seiner Garage am Kopf getroffen und getötet hat, ist weggeräumt. Die Halterung, in der das 24 Meter lange Gehölz den Mai zieren sollte, ragt einsam aus dem Boden.Kaum jemand ist zur Stellungnahme fähig

Zum Feiern ist an diesem Tag niemandem zumute. "Wir sind alle geschockt", sagt Ortsbürgermeister Norbert Franz. Er hat das Geschehen am Vorabend nicht unmittelbar miterlebt, eilt aber sofort vor Ort, als der Notarztwagen an seinem Haus, das ebenfalls am Gestade steht, vorbei braust und ihn gleichzeitig sein Bruder verständigt. Jürgen Wilfer, Vorsitzender des Karnevalsvereins, ist vor Ort, bekommt die Szene, als der Baum zu Boden stürzt, aber nicht mit. "Wir sind alle betroffen, wir wollten doch nur das Brauchtum hoch halten. Wir werden alles tun, um der Familie zu helfen." Mehr kann er nicht sagen - seine Stimme versagt. Kaum jemand ist zu einer Stellungnahme fähig. "Wir können im Moment nichts sagen", heißt es. Niemand kann die Situation richtig einschätzen. Die Menschen sind gekommen, um in den 1. Mai zu feiern, stattdessen müssen sie erleben, wie ein zweifacher Familienvater, der mit der Aktion nichts zu tun hat, stirbt. Eine Unglücks-Ursache kann ausgeschlossen werden. "Beide Traktorfahrer hatten 0,0 Promille", teilt Helmut Kaspar, Leiter der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues, das Ergebnis des Alkoholtests mit. Dies ist auch für Ortsbürgermeister Norbert Franz eine kleine Beruhigung. Ursachenforschung betreibt niemand - zumindest nicht öffentlich. Kripobeamte sind vor Ort. Die Ergebnisse ihrer Arbeit gehen an die Staatsanwaltschaft, die klären muss, ob Fahrlässigkeit oder grobe Fahrlässigkeit vorliegen und ob es einen Schuldigen gibt. "Eine Sicherheitszone war nicht ausgewiesen. Das ist aber beim Aufstellen von Maibäumen nicht unüblich", sagt Helmut Kaspar. Die Zuschauer seien darauf hingewiesen worden, einen Sicherheitsabstand zu wahren, sagt Norbert Burbach, stellvertretender Wehrleiter der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Das hätten ihm Feuerwehrleute erzählt. Burbach selbst kommt zufällig am Ort des Geschehens vorbei und hilft bei den Reanimationsversuchen der Notärzte. "Die Leute waren geschockt, einige weinten", erzählt er. Auch der Sonntags-Gottesdienst steht im Zeichen des tragischen Geschehens. Norbert Franz: "Wir haben für den Mann und seine Angehörigen gebetet." Ob die Gemeinde in irgendeiner Weise helfen wird, kann Franz noch nicht sagen. Er weiß aber schon, dass der Karnevalsverein haftungsrechtlich abgesichert ist. "Und in der Satzung steht, das die Pflege und Erhalt des Brauchtums, und dazu gehört das Aufstellen des Maibaums, eine der Aufgaben des Vereins ist", sagt er. Das ist eine Beruhigung für den Verein, ändert aber nichts an der Trauer.