Lokführerstreik: Zugausfälle auch am Hauptbahnhof Trier

Trier · „Zug fällt aus“. Der Streik der Gewerkschaft der Lokführer (GdL) am Samstag hatte auch in Trier Auswirkungen. Zwischen 6 und 9 Uhr mussten mehrere Abfahrten vom Trierer Hauptbahnhof aus gestrichen werden. Trotzdem erreichten etliche der Reisenden ihr Ziel, weil verbeamtete Lokführer nicht streiken dürfen.

Kurz vor 6 Uhr. Auf dem Bahnsteig 12 macht sich bei einigen jungen Männern Unmut breit. Sie wollen nach Wittlich-Wengerohr. Soeben kam per Lautsprecher die Meldung, dass der Zug ausgefallen ist. "Jetzt warten wir seit 90 Minuten hier", beklagen sich David und Kevin Krüger. "Erst hieß es, der Zug hat Verspätung. Dann kam die Meldung, dass er ausgefallen ist."

Die beiden jungen Männer haben noch Glück. Denn der Regionalexpress nach Koblenz, Abfahrt 06:13 Uhr, läuft termingerecht in den Bahnsteig ein. Auf dem Nachbargleich soll um 06:15 Uhr eine Regionalbahn nach Koblenz abfahren. Doch dieser Zug fällt streikbedingt aus. Will die GdL Fernreisenden die Möglichkeit geben, in Koblenz ihren Anschlusszug zu erreichen? Frank Lerch von der GdL-Ortsgruppe Trier/Gerolstein winkt ab. "Zum einen hat Trier leider so gut wie keinen Fernverkehr mehr. Dass jetzt die Regionalbahn nach Koblenz bestreikt, der Regionalexpress dagegen nicht bestreikt wird, hängt mit dem jeweiligen Lokführer zusammen. Auf dem Express nach Koblenz sitzt ein verbeamteter Kollege und der darf nicht streiken." Lerchs Ausführungen zufolge liegt das Verhältnis von Angestellten zu Beamten bei 60 zu 40. "Tendenz steigend, da in diesem Jahr wieder viele verbeamtete Kollegen in den Ruhestand gegangen sind und es situationsbedingt hier keine neuen Beamten mehr geben kann."

Noch während er das erklärt, wendet sich eine Hilfe suchende Reisende an ihn. Sie ist über die Informationspolitik der Bahn verärgert. Es reiche doch nicht aus mitzuteilen, dass ein Zug streikbedingt ausfalle. Warum die Bahn keine Hinweise gebe, wann denn der nächste Zug fahre, will sie wissen. Dann könne man sich daran orientieren und gegebenenfalls auf das Auto ausweichen. Frank Lerch, selbst Lokführer, gibt ihr recht. Das sei eigentlich Aufgabe des Servicecenters, sagt er. Schließlich sei die Bahn tags zuvor über den Warnstreik informiert worden. Doch der Blick auf das Servicecenter zeigt nur gähnende Leere. Dabei hatte die Bahn angekündigt, in den Zügen und auf Bahnhöfen mehrere hundert Mitarbeiter zur Verstärkung einzusetzen, vor allem beim Service-Personal, den Betriebszentralen und Transportleitungen und bei der Reisendeninformation.

Doch worum geht es nun in dem Streik? Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Dazu nochmals Frank Lerch: "Wir haben schon seit Jahren die Situation, dass jeder Lokführer im Schnitt mehrere hundert Überstunden vor sich herschiebt. Das kann kein Dauerzustand sein." Unterstützt wird Lerch an diesem Morgen von etwa zehn bis zwölf Lokführern und Zugbegleitern. Mehr als zehn Verbindungen sind an diesem Morgen ausgefallen. Punkt neun Uhr wollten Lokführer und Zugbegleiter ihre Arbeit wieder aufnehmen. Dies in der Hoffnung, dass sich die Bahn bei den folgenden Tarifgesprächen bewegen und die Verhandlungen so zu einem guten Ende bringen wird. Die Bereitschaft dazu hat Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber bereits zum Ausdruck gebracht: "Wir sind jederzeit bereit, über alles für unsere Lokführer zu verhandeln, über Löhne, über Arbeitsbedingungen und über neue Spielregeln für Tarifverhandlungen."

-----Nachtrag 12:10 Uhr-----
Der Warnstreik hatte am Mittag noch einzelne Auswirkungen: So wurde nach Angaben der Internetseite der Bahn (www.bahn.de) ein Regionalexpress aus Euskirchen (der eigentlich von Köln starten sollte) mit 55-minütiger Verspätung in Trier erwartet. Eine Regionalbahn nach Koblenz, reguläre Abfahrt 11.20 Uhr, hat streikbedingt 19 Minuten Verspätung. Die Bahn informiert zum Warnstreik auf dieser Webseite , Bahnreisende können mit diesem Formular prüfen, ob ihr Zug pünktlich ist . (red)

Mehr zum Thema finden Sie in unserem Dossier zum Bahn-Warnstreik