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Luther sei Dank: Ein geschenkter Feiertag - Veranstaltungen des Evangelischen Kirchenkreises in der Region Trier

Luther sei Dank: Ein geschenkter Feiertag - Veranstaltungen des Evangelischen Kirchenkreises in der Region Trier

Die Protestanten feiern 500 Jahre Reformation. Einmalig ist der Gedenktag am kommenden Dienstag in ganz Deutschland arbeitsfrei. Kirchenobere sehen Chance für die Ökumene.

Die einen freuen sich am Dienstag einfach über einen zusätzlichen Feiertag, der ihnen, falls sie nicht in Luxemburg arbeiten müssen, mit Allerheiligen am Mittwoch einen zweiten arbeits- und schulfreien Tag in dieser Woche beschert. Für die anderen - vor allem für Kinder und Jugendliche - ist der 31. Oktober Halloween mit Gruselparties und Süßigkeitensammeln an Haustüren.

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Evangelischer Kirchenkreis Trier: Veranstaltungen am Reformationstag

Für die Protestanten in Deutschland ist es aber einer der höchsten Feiertage: der Reformationstag, mit dem daran erinnert wird, dass der Mönch und Theologe Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg geschlagen und damit die Reformation der Kirche eingeleitet haben soll. Nur in den ostdeutschen Bundesländern und in Baden-Württemberg ist der Reformationstag jedes Jahr ein gesetzlicher Feiertag. Weil sich in diesem Jahr der Beginn der Reformation zum 500. Mal jährt, ist der Reformationstag einmalig in ganz Deutschland ein gesetzlicher Feiertag, mit dem offiziell das vor einem Jahr begonnene Reformationsjahr endet. Einer Umfrage zufolge sind 72 Prozent der Deutschen allerdings dafür, dass der Tag auch künftig deutschlandweit arbeitsfrei ist.


Die bleibende Erkenntnis von Luther sei, sagt der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Trier, Jörg Weber, dass der Mensch nicht die Summe seiner Leistungen ist. "Das heißt: Ich werde als Mensch nicht durch meine Leistung, mein Geld oder meine Erfolge definiert. Ich bin als Mensch einfach so wichtig und werde von Gott geliebt, wie ich bin, mit allen Stärken und Schwächen."

Im Kirchenkreis Trier leben rund 55.500 Protestanten. Allerdings sind weniger als 16 Prozent der Bevölkerung in der Region Mitglieder der evangelischen Kirche. Besonders niedrig ist der Anteil laut Statistischem Landesamt im Eifelkreis Bitburg-Prüm mit sieben Prozent und in Trier-Saarburg mit acht Prozent. Die Mehrheit der Gläubigen in der Region sind Katholiken. In Rheinland-Pfalz liegt der Anteil der Protestanten bei 28 Prozent der Bevölkerung. Seit 2006 ist die Zahl der Mitglieder der evangelischen Kirche im Land von 1,28 Millionen um elf Prozent auf 1,14 Millionen zurückgegangen. Auch die evangelische Kirche muss sich daher verändern.

"Reformation bedeutet, die Kirche braucht weiter und ständig Erneuerung und Veränderung. Auch in den nächsten 500 Jahren", sagt Jörg Weber. Das Jubiläumsjahr werde weit über dieses Jahr hinaus wirken, sagt auch Gerhard Robbers. Der ehemalige rheinland-pfälzische Justizminister und Juraprofessor an der Uni Trier ist Beauftragter der Landesregierung für das Reformationsjahr. In dieser Funktion hat er die Regierung bei der Planung von Aktivitäten zum Jubiläum vertreten und unterstützt. "Reformation und Religion sind neu und intensiv in die öffentliche Aufmerksamkeit getreten." Vielen sei bewusst geworden, wie viele Stätten der Reformation es auch in Rheinland-Pfalz gebe. "Das stärkt auch den Kulturtourismus", sagt Robbers.

Kein Reformationsjubiläum sei so ökumenisch begangen worden wie dieses, sagt der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Noch nie sei ein Trierer Bischof so oft zu Reformationsgottesdiensten und -veranstaltungen eingeladen worden. Dadurch sei "eine Form von Vertrautheit" gewachsen, die sich auch auf den ökumenischen Dialog zwischen den beiden Kirchen auswirken werde, sagte Ackermann unserer Zeitung. Bei den gemeinsamen Begegnungen seien aber auch die Grenzen und Unterschiede zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche spürbar gewesen.

Ackermann, der nach eigenem Bekunden seit einem Jahr einen Playmobil-Luther auf seinem Schreibtisch stehen hat, spricht von einem Schmerz der Trennung. "Es war und bleibt ein heilsamer Schmerz, denn wir brauchen, um in der Ökumene nicht nachzulassen."

Das Thema Ökumene spielt auch bei den zahlreichen Veranstaltungen im Kirchenkreis Trier anlässlich des Reformationstags eine zentrale Rolle. So wird es unter anderem in Bitburg, Gerolstein, Konz und Trier ökumenische Gottesdienste geben. In Trier wird es rund um die Konstantinbasilika ein Fest geben, in dessen Rahmen der Vorplatz der Kirche als Martin-Luther-Platz eingeweiht werden soll.