Luxemburger Erzbischof erhält Besuch vom Gerichtsvollzieher

Luxemburger Erzbischof erhält Besuch vom Gerichtsvollzieher

Als schmerzlich hat der Erzbischof von Luxemburg, Jean-Claude Hollerich, die Eskalation eines Streits um Eigentumsfragen bei Kirchengebäuden bezeichnet. Die Krönung des Konflikts: Ein Besuch des Gerichtsvollziehers beim Luxemburger Kirchenoberhaupt.

Luxemburg. "Wenn der Bischof wenige Tage vor Weihnachten Besuch von einem Gerichtsvollzieher bekommt und vor Gericht zitiert werden soll, dann ist dies keine schöne Angelegenheit", sagte Hollerich dem Luxemburger Wort. Er verbinde andere Dinge mit Weihnachten: "Das Ganze tut mir weh." Hollerich war vom Syndikat der Kirchenfabriken (Syfel) ver klagt worden.
Diozesanfonds erregt Gemüter


Die Vertretung von rund 285 lokalen Gremien zur kirchlichen Vermögensverwaltung wehrt sich gegen die Überführung des lokalen Kirchenbesitzes in einen neu zu gründenden Fonds auf diözesaner Ebene. Hollerich betonte, er verstehe zwar die Sorgen der Menschen vor einer Neuordnung der Eigentumsverhältnisse, könne aber das Gerede von einer Enteignung nicht verstehen: "Der Besitz wird auch in Zukunft lokal verwaltet, und dies in aller Transparenz." Spenden von Gläubigen, auf die die Kirche angewiesen sei, würden nicht "in einer Dunkelkammer" verschwinden. Die Arbeiten an den Statuten des Fonds seien fast abgeschlossen, sagte Hollerich. In 80 Gemeinden seien die Verhandlungen zwischen den Kirchenräten und kommunalen Gremien bereits abgeschlossen.
Seit Monaten eskaliert der Streit des Syfel mit Erzbistum und Regierung. Im Sommer legte Innenminister Dan Kersch einen Gesetzentwurf vor, wonach die rund 500 Kirchen und Kapellen des Großherzogtums künftig nicht mehr von den Kirchenfabriken, sondern von einem neuen Fonds verwaltet oder den Kommunen zugesprochen werden sollen. Dies wäre mit einer Entmachtung der Kirchenfabriken verbunden, denn der Fonds soll dem Erzbistum unterstellt werden. Mit politischem Druck und den Klagen wehrt sich das Syndikat gegen die Neuordnung der Eigentumsverhältnisse.
Im Januar 2015 hatten sich die Luxemburger Regierung und die Religionsgemeinschaften des Landes auf mehrere Abkommen geeinigt, nach denen das Staat-Kirche-Verhältnis neu geregelt wurde. Religions- und Ethikunterricht wurden durch das Fach "Leben und Gesellschaft" ersetzt. Zudem erhalten die Kultusgemeinschaften weniger finanzielle Unterstützung vom Staat. In dem traditionell katholischen Großherzogtum bekennen sich 40 Prozent der Bürger zur katholischen Kirche. KNA