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Machtkampf bei der AfD: Luckes letzte Alternative

Machtkampf bei der AfD: Luckes letzte Alternative

Wird es ab Dezember einen homosexuellen deutsch-türkischen Generalsekretär bei der Alternative für Deutschland (AfD) geben? Das schlägt Parteigründer Bernd Lucke vor. Am Wochenende wählt die AfD zwei neue Vorsitzende. Sollte Luckes Erzrivalin, die sächsische Fraktionschefin Frauke Petry, gewählt werden, könnte das sein Aus bedeuten.

Berlin. Kleinlaut sind sie in der Partei nicht, trotz des bitterbösen, internen Machtkampfes. Bernd Lucke, AfD-Gründer und einer ihrer drei Vorsitzenden, forderte gestern den Rücktritt der Bundesregierung und Neuwahlen. Wegen der gescheiterten Griechenland-Rettungspolitik. Dazu wird es nicht kommen. Gleichwohl kann es sein, dass er selber am nächsten Wochenende beim mit Spannung erwarteten Mitgliederparteitag in Essen den Hut nehmen muss. Damit das nicht passiert, präsentierte er am Montag zwei Gefolgsleute - Luckes personelle Offensive.
4200 Mitglieder wollen am Parteitag teilnehmen, so viele Anmeldungen liegen vor. Es dürfte, wie so oft in der Vergangenheit, bei der eurokritischen AfD chaotisch werden. Denn auf dem Konvent soll die neue Führungsspitze gewählt werden. Im Moment bildet Lucke gemeinsam mit seiner Erzfeindin, der sächsischen Fraktionschefin Frauke Petry, und dem Rechtskonservativen Konrad Adam das Führungstrio der Partei. Vor allem zwischen Lucke und Petry tobt ein erbitterter Streit. Petry will die AfD nach rechts abbiegen lassen, Lucke möchte sie als konservative, wirtschaftsliberale Partei etablieren. Das Verhältnis der beiden ist zerrüttet, manch einer spricht von offener Feindschaft. Der Führungskonflikt sorgt auch dafür, dass ausgerechnet die AfD in der Griechenlandkrise nicht punkten kann.
Das ist die Gemengelage. Auf dem Parteitag sollen zwei neue Vorsitzende gewählt werden - der mit dem besseren Ergebnis wird dann ab Dezember erster Vorsitzender werden. Wird Petry gewählt, wäre das das Aus für Lucke, so deutete er es gestern an. Er werde dann mit dem von ihm initiierten "Weckruf 2015", dem schon 4400 Anhänger beigetreten sein sollen, beraten, wie es weitergehen könne. "Ich gehe davon aus, dass wir die Streitigkeiten auf dem Parteitag entscheiden", meinte Lucke. Es müsse künftig einen "harmonischen Bundesvorstand" geben.
Deswegen will Lucke, dass Ulrike Trebesius, AfD-Chefin von Schleswig-Holstein und Vorsitzende des "Weckruf", mit ihm die Partei führt. Sie vertritt dieselben Prinzipien wie der Gründer. "Ich bin verblüfft, wie einige im Bundesvorstand ihren Egotrip nach außen ausleben", schoss sie gestern gleich bei ihrer Vorstellung eine Breitseite ab.
Als besonderen Personalcoup dürfte Lucke jedoch André Yorulmaz verstehen, der Generalsekretär werden soll. Bislang ist er Sprecher des AfD-Kreisverbandes Recklinghausen. Der selbstständige Finanz- und Versicherungsfachmann ist Deutschtürke und lebt in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, wie er selbst betonte. Er plädiere aber für das "traditionelle Familienbild", schob der 32-Jährige nach. Er wolle Brückenbauer sein. Nach dem Willen Luckes soll er zugleich die Programmarbeit leisten. Doch dafür muss Yorulmaz erst einmal gewählt werden - was alles andere als sicher ist. Auch wenn Lucke gestern bei der Begrüßung schon von der "Vorstellung des Generalsekretärs" sprach.