Machtprobe: Wer führt die CDU in den Landtagswahlkampf?

CDU-Spitzenkandidatur 2021 : Machtkampf um CDU-Spitzenkandidatur

Parteikreise rechnen damit, dass Hunsrück-Landrat Bröhr gegen Christian Baldauf antritt.

Marlon Bröhr steht davor, Christian Baldauf im Rennen um die CDU-Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2021 herauszufordern. Der 45-jährige Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises hat für den kommenden Dienstag zu einer Pressekonferenz nach Simmern eingeladen, in der er sich zu einer Bewerbung äußern will. CDU-Kreise gehen fest davon aus, dass Bröhr dort seine Kandidatur bekannt gibt. Die CDU stimmt am 16. November beim Parteitag in Neustadt an der Weinstraße darüber ab, wer 2021 gegen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ins Rennen gehen soll.

Insider sehen keine Chance für Bröhr, Baldauf im direkten Duell zu schlagen, der um die Rückendeckung der rheinland-pfälzischen CDU-Chefin Julia Klöckner, dem Landesvorstand, der Jungen Union und der kommunalpolitischen Vereinigung weiß und auf eine breite Machtbasis vertraut. Anhänger von Bröhr verweisen wiederum darauf, dass dieser ein unverbrauchter, charismatischer Typ sei, mit dem die Union bessere Chancen als mit Baldauf habe, erstmals seit 1991 wieder stärkste Partei in Rheinland-Pfalz zu werden.

Den ersten Showdown zwischen beiden Kandidaten könnte es bei der Wahl des neuen Trierer CDU-Bezirksvorstands in Dreis (Kreis Bernkastel-Wittlich) am 31. Oktober geben, zu dem Christian Baldauf bereits eingeladen ist. Nach TV-Informationen hat der Vorstand beschlossen, dass sich dort auch weitere Bewerber vorstellen dürfen, wenn sie ihre Kandidatur bis dahin bekannt gegeben haben.Ohnehin schaut die Landes-CDU mit Argusaugen in die Region. Pikant, so finden Beobachter: Für den 30. Oktober – also einen Tag nach der Pressekonferenz von Bröhr und einen Tag vor der Wahl im Bezirk – hat die kommunalpolitische Vereinigung der CDU im Bezirk Trier, deren Vorsitzender Moritz Petry ist, Bröhr als Gastredner nach Wittlich geladen. CDU-Kreise halten das für ein Indiz, dass Petry Bröhr näher steht als Baldauf. Petry, der mit dem Trier-Saarburger Bundestagsabgeordneten Andreas Steier um die Nachfolge von CDU-Bezirkschef Bernhard Henter streitet, spricht sich für keinen Favoriten aus: „Ich würde es begrüßen, wenn das Rennen zwischen zwei Kandidaten entschieden wird und die Partei eine lebendige Diskussion darüber führt, wer die Landtagswahl 2021 gewinnen kann“, sagt er. Steier zählt sich dagegen zum Baldauf-Lager. Daran werde sich auch bei einer möglichen Bröhr-Kandidatur nichts ändern, sagte er. Der neue Trierer CDU-Vorsitzende Thorsten Wollscheid will Fraktionschef Baldauf unterstützen. „Christian Baldauf ist der richtige Kandidat“, sagte Wollscheid. Einer möglichen Kandidatur Bröhrs sieht der 32-Jährige gelassen entgegen. Zuletzt habe es bei allen CDU-Wahlen auf kommunaler Ebene Gegenkandidaturen gegeben, sagte Wollscheid. Der Eifeler CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen glaubt nicht an eine mögliche Kandidatur des Landrats. „Wenn Bröhr nur 15 Prozent der Intelligenz hat, die ein Politiker braucht, wird er nicht kandidieren“, sagte Billen unserer Zeitung.

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