Magie der gezähmten Wildheit

Magie der gezähmten Wildheit

TRIER. Zu Gast in einer bezaubernden Pferdewelt: Zweieinhalb Stunden lang ließen Reiter und Artisten die Zuschauer in der nicht ausverkauften Arena Trier staunen, die Luft anhalten und lachen. Knapp 3000 Besucher kamen zur den Veranstaltungen am Nachmittag und am Abend.

Angstvoll zittern die Zuchauer um Jolly Sera. Sein Pferd prescht in Schwindel erregendem Tempo durch die Arena. Der Reiter hängt kopfüber am Steigbügel, seine Hände zeichnen Spuren in den hellen Quarzsand, der den Boden bedeckt. Kraftvoll schwingt er sich wieder auf den Rücken seines galoppierenden Pferdes "Intiziano". Jolly ist Trickreiter. Er stand schon mit Pierre Brice auf der Bühne und wird bald in dem neuen Kinostreifen "Eragon" zu sehen sein. Der Ungar ist einer der 40 Reiter und Artisten, die mit 30 Pferden die Zuschauer - überwiegend Mädchen in Begleitung ihrer Eltern - in eine zirzensische Pferdewelt entführten. Artistik, Clownerie und atemberaubende Reitkünste wurden präsentiert. Eingebunden in "Julias Zauberreise", eine Geschichte, die von einem 13-jährigen trotzköpfigen Mädchen (Anna Harutunyan) erzählt, das mit dem Magier Equidemus ( Knut Gambusch) eine Zauberreise antritt. "Equi Magic" erzählt von der magischen Verbundenheit zwischen Mensch und Pferd, die die Zuschauer immer wieder spüren. Ob Darbietungen der klassischen Dressur, traditionelle Quadrillen oder Freiheitsdressuren, sie lassen die Facetten der Pferde, von ihrer Unbändigkeit bis hin zum duldsamen Wesen, erahnen. Die Magie, oder wie man es auch immer bezeichnen mag, die Reiter und Tiere verbinden muss, um diese Leistungen vollbringen zu können, wird erlebbar. Auch für Julia. Sie erkennt am Ende, dass Liebe und Respekt vor den Geschöpfen der Erde das Wichtigste im Leben sind. Doch bis zu dieser Erkenntnis darf sie vieles erleben. So weht für Minuten der Hauch des fernen Orients durch die Arena, wenn geheimnisvolle Bauchtänzerinnen zu orientalischen Klängen ihre Körper tanzen lassen, fünf schneeweiße Araberpferde zur Freiheitsdressur einlaufen und Klaudia Brommund mit ihrer zwei Meter langen Würgeschlange "Ranuk" tanzt. Viel mehr noch: Greifvögel fliegen durch die Arena, Pferde küssen ihr "Herrchen", tanzen und legen sich mit einem Schnuller ins Bett. Streifzug durch 1000 und eine Nacht

Denn der Streifzug führt vom Reich aus "1000 und einer Nacht" auf einen idyllischen Bauernhof, über England und das kalte Russland in den feurigen Wilden Westen - bis hin zur Stadt der tausend Masken, nach Venedig. Bilder, die auf eine Riesenleinwand projiziert werden, und Melodien eines venezianischen Flötenspielers untermalen dort den Auftritt der am langen Zügel gerittenen andalusischen Pferde. Musik begleitet auch die Europameisterschafts- und Olympiasiegerin Heike Kemmer. Zu Liedern von Popstars wie Robbie Williams bewegt sich "Albano" mit kraftvoller Eleganz im Takt der Musik. "Hier bei ,Equi Magic' mitzumachen, ist eine schöne Abwechslung gegenüber dem Turnierleben", sagt Heike Kemmer, während sie ihr Pferd nach der Veranstaltung in den beheizten Stall bringt, wo die Vierbeiner an den vier Tagen vor Ort 180 Ballen Heu und Stroh sowie 720 Kilo Kraftfutter verspeisen. "Albano" reise gerne mit, er genieße den Applaus. Und den bekommen Künstler und Tiere reichlich. Auch Christine Tietmann aus Bleialf erntet in der Nachmittagsveranstaltung viel Beifall. Die 12-Jährige läuft gegen eine vierspännige Kutsche an. Der Fahrer ist kein Geringerer als Fahrweltmeister Michael Freund. Christine siegt. Das gelingt Anna Düpre (11) aus Malborn am Abend allerdings nicht. Einzige Störung des zweieinhalbstündigen Programms: Das Dauerblitzlichtgewitter der Hobbyfotografen. Einen der Höhepunkte der Show - zwei Reiter präsentieren Pferde nur mit einer Lichterkette beleuchtet in der eigentlich stockdunklen Halle - vermasseln die Schnappschussjäger.

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