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Malu Dreyer: Chancen in China noch stärker nutzen

Malu Dreyer: Chancen in China noch stärker nutzen

Eine Woche hat Regierungschefin Malu Dreyer mit einer 30-köpfigen Delegation im Reich der Mitte verbracht. Im Interview rät Dreyer Unternehmen dazu, sich noch stärker in die chinesischen Märkte einzuklinken.

Peking/Mainz. Millionenstädte entstehen innerhalb weniger Jahre, die Wirtschaft boomt, die schnell wachsende Mittelschicht entwickelt gewaltige Konsumbedürfnisse: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) glaubt, dass Deutschland und Rheinland-Pfalz nur noch ein begrenztes Zeitfenster bleibt, um sich noch stärker in die chinesischen Märkte einzuklinken. Danach dürfte das Reich der Mitte auch technologisch auf Augenhöhe mit dem Westen sein. Im Interview mit unserem Mitarbeiter Dietmar Brück zieht die Regierungschefin nach einer einwöchigen China-Reise Bilanz.Sie waren zum ersten Mal in China. Was waren Ihre stärksten Eindrücke während dieser Reise?Malu Dreyer: Das waren die extremen Kontraste. In Peking stehen uralte Tempel neben modernen Wolkenkratzern, oder man sieht sehr wohlhabende Chinesen in Cayenne-Porsches durch die Straßen fahren neben Bussen mit erschöpften Wanderarbeitern, die fast nichts zum Leben haben. Gegensätzlich fand ich auch die sehr höfliche, aber auch sehr kontrollierte Art der Chinesen bei offiziellen Anlässen und daneben die ausgelassen tanzenden und singenden Chinesen, die man in den Parks erleben kann. Welche Impulse nehmen Sie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten mit nach Rheinland-Pfalz?Dreyer: Hier in China ist eine große technologische Dynamik zu beobachten. Zugleich wird der Konsumentenmarkt schnell größer. Da die rheinland-pfälzische Wirtschaft sehr exportabhängig ist, geht es nun darum, dass kleine und mittlere Unternehmen noch stärker erkennen, welche Chancen sie auf dem chinesischen Wachstumsmarkt haben. Wirtschaftsministerin Eveline Lemke wird deswegen im Herbst mit einer Delegation aus der Wirtschaft nach China reisen. Zudem werden wir in der Landesregierung noch einmal intensiv darüber beraten, wie wir diesen Prozess weiter unterstützen können. Die Frage, der wir uns stellen, heißt: Reichen unsere Kümmererstrukturen oder müssen wir hier nachsteuern? Darüber werde ich auch mit den Kammern reden.Sind in China zusätzliche Vermarktungsplattformen für den Mittelstand notwendig, wie sie jetzt den rheinland-pfälzischen Winzern geboten wird?Dreyer: In diesem Fall wurde ein chinesischer Investor mit Weingütern in Rheinland-Pfalz zusammengebracht. Eine solche Begegnung möglich zu machen, eine Vertrauensbasis zu schaffen, Kontakte zu vermitteln - das kann durchaus Aufgabe von Politik sein gemeinsam mit anderen Akteuren wie Kammern und Verbänden. Jetzt - hier und heute - eine neue Struktur zu entwerfen, ist sicher verfrüht. Ich nehme das Thema mit.In China scheinen Großinvestitionen mühelos finanzierbar. Bei uns wird jeder Cent zweimal herumgedreht, weil die öffentlichen Kassen klamm sind. Geraten die Deutschen perspektivisch immer stärker ins Hintertreffen?Dreyer: In China ist tatsächlich eine gigantische Dynamik zu beobachten. Hier wird sehr viel Geld in die Hand genommen, aber nicht nur vom Staat, auch von privaten Investoren. Man kann schon neidvoll darauf blicken, wie gut hier die Ausstattung in manchen Firmen oder wissenschaftlichen Einrichtungen ist. In Deutschland wird ebenfalls viel investiert, auch wenn zweifelsfrei gespart werden muss. Aber um erfolgreich zu bleiben, werden wir immer wieder kräftig in unsere Strukturen investieren müssen.China holt technologisch stark auf. Schließt sich hier ein Zeitfenster für den Einstieg in diese Dynamik?Dreyer: In der Tat: Jetzt sind die deutschen Unternehmen und Universitäten für China noch interessant. Wir müssen daran arbeiten, das dies auch so bleibt. Denn in fünf bis zehn Jahren kann es schon anders sein. Deswegen ist Kooperation mit China wichtig. db