Malu Dreyer will Frankreich zum Abschalten von Cattenom bewegen - Energiegipfel in Trier geplant

Malu Dreyer will Frankreich zum Abschalten von Cattenom bewegen - Energiegipfel in Trier geplant

Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat in Paris erstmals direkt bei der französischen Regierung den Wunsch vorgetragen, das Atomkraftwerk Cattenom abzuschalten. Rheinland-Pfalz bietet im Gegenzug Wissenstransfer bei erneuerbaren Energien an.

Wie gefährlich ist das französische Atomkraftwerk Cattenom? Zahlreiche Störfälle verunsichern die Menschen in der Region. TV-Archiv-Foto: Friedemann Vetter.

Frankreich interessiert sich stark für den Ausbau von Wind- und Solarenergie, setzt jedoch vorerst weiter auf Atomstrom: Diese Erkenntnis hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei ihrer ersten offiziellen Auslandsreise in Gesprächen mit dem französischen Premierminister Jean-Marc Ayrault und Vize-Senatspräsidentin Bariza Khiari gewonnen. Dreyers Schlussfolgerung: "Wir müssen unablässig im Dialog bleiben."

Rheinland-Pfalz verfolgt eine Doppelstrategie: Man bietet dem Nachbarn das eigene Know-how an, um etwa im Grenzgebiet gemeinsame Standorte für Windräder zu finden - und die Franzosen dadurch zum Umdenken in der Energiepolitik und zum Abschalten pannenbehafteter Reaktoren wie Cattenom zu bewegen.

Am 17. März sollen bei einem Energiegipfel der Großregion in Trier die Pläne konkretisiert werden. Regierungschefin Dreyer hat in Paris auch darauf gedrungen, dass Rheinland-Pfalz seinen Beobachterstatus in Cattenom zurückerhält. Das Atomkraftwerk muss sich wie alle anderen einem EU-Stresstest unterziehen. Das Land will den Prozess begleiten, wie Maßnahmen definiert und umgesetzt werden.

Da Frankreich zentral regiert wird, fallen die politischen Entscheidungen in Paris. Dreyer erhofft sich durch den Kontakt zu Premier Ayrault, den sie nach Trier eingeladen hat, ein größeres Verständnis für die Interessen der Großregion.

Die Pannenserie in Cattenom findet derweil kein Ende. Sonntag meldeten die Betreiber den Defekt einer Pumpe im nuklearen Bereich (der TV berichtete). Dieter Majer, der im Auftrag von Rheinland-Pfalz, Saarland und Luxemburg nach der Fukushima-Katastrophe als Beobachter den Stresstest in Cattenom begleitet hat, bewertet dies als ernsten Zwischenfall. Der ehemalige Leiter der Unterabteilung Sicherheit kerntechnischer Anlagen im Bundesumweltministerium fordert die Abschaltung der vier Reaktorblöcke von Cattenom.

Kommentar: Ein Signal in die Heimat

Doppelstrategie für atomkraftfreie Großregion

"Das ist, als würden sie nicht die Bremsen, sondern den Airbag kontrollieren" - Der ehemalige offizielle Stresstest-Beobachter für Cattenom, Dieter Majer, bleibt bei seiner Forderung: Schaltet das Kernkraftwerk sofort ab!

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