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Mann darf seine eigene Totenasche nicht im Wald verstreuen lassen

Mann darf seine eigene Totenasche nicht im Wald verstreuen lassen

Ein Mann aus Temmels (Trier-Saarburg) darf nach seinem Tod seine Asche nicht auf seinem Privatgrundstück verstreuen lassen. Das entschied das Trierer Verwaltungsgericht. Es ist zum ersten Mal, dass ein solches Urteil in Trier verkündet worden ist.

Trier. Er hatte das gemacht, was viele Senioren tun: Sich zu Lebzeiten überlegen, was nach dem Tod mit den sterblichen Überresten geschieht. Der Mann aus Temmels wollte seine Asche auf einem Waldgrundstück, das ihm gehört, verstreuen lassen. Er wolle seine sterblichen Überreste nicht an einem bestimmten Ort aufbewahrt wissen, sondern der Natur zuführen, begründete er seinen Antrag auf Genehmigung bei der zuständigen Kreisverwaltung Trier-Saarburg. Die Verwaltung lehnte den Antrag ab: Es gebe einen Friedhofszwang. Dieser besagt, dass es verboten ist, einen Sarg oder eine Urne mit den sterblichen Überresten eines Menschen an einem anderen Ort als auf einem Friedhof aufzubewahren. Bei einer Einäscherung ist auch eine Seebestattung möglich.
Rücksicht auf Wertvorstellungen


Der Mann zog gegen die Ablehnung vor Gericht. Doch das Trie rer Verwaltungsgericht entschied nun, dass seine Asche nicht auf einem privaten Grundstück verstreut werden darf.
Das Bestattungsgesetz untersage, nach Ansicht der Richter der Ersten Kammer des Gerichts zu Recht, die Bestattung außerhalb von Friedhöfen. Damit werde Rücksicht auf die allgemeinen Grund- und Wertvorstellungen der Bevölkerung genommen. Außerdem sei das Verstreuen von Totenasche auf einem Privatgrundstück auch deshalb verboten, weil dies keiner im Gesetz vorgesehenen Bestattungsformen entspreche, urteilten die Richter. Damit soll verhindert werden, dass Totenasche in Gewässer gelange. Das widerspreche nämlich dem sittlichen Empfinden des Großteils der Bevölkerung.
Der Zwang, die Asche in einer Urne zu begraben, diene auch dazu, etwa bei späteren polizeilichen Ermittlungen, die Aschenreste untersuchen zu lassen. Nur in besonderen Härtefällen komme die Genehmigung eines privaten Bestattungsplatzes infrage, heißt es in dem Urteil. Ein solcher Härtefall liege aber nicht vor, wenn jemand "eine besondere Verbundenheit zu einem Grundstück oder zur Natur verspüre". Die Richter ließen in ihrem Urteil (Az.: 1 K 990/11.TR) aber ausdrücklich offen, ob das Verstreuen der Asche in einem geschützten Bereich von öffentlichen Friedhöfen erlaubt ist.
Nach Angaben einer Gerichtssprecherin war es das erste Mal, dass sich das Gericht mit dem Verstreuen von Totenasche beschäftigte. In ähnlichen, früheren Urteilen ging es bislang immer darum, ob die Urne mit der Totenasche im eigenen Garten begraben werden darf. Vor zwei Jahren unterlag ein Mann aus Saarburg mit diesem Begehren vor dem Verwaltungsgericht. Er wollte, dass die Urne mit seiner Asche unter einer alten Buche hinter seinem Haus begraben werden sollte. Das Gericht lehnte das ab mit dem Hinweis auf den Friedhofszwang. wie