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Mehr Ältere auf den Straßen sind kein Risiko

Mehr Ältere auf den Straßen sind kein Risiko

An mehr als jedem zehnten Unfall auf den Straßen der Region sind Senioren beteiligt. Seit Jahren ist die Zahl dieser Unfälle aber rückläufig. Die Polizei sieht daher kein besonderes Risiko durch ältere Autofahrer.

Trier. Mitte März auf der A 60 zwischen Wittlich-West und der Ausfahrt Spangdahlem: Ein Falschfahrer ist unterwegs. Der 30-jährige Fahrer eines Geländewagens muss dem entgegenkommenden Auto ausweichen und kommt mit seinem Fahrzeug, in dem auch seine neun Jahre alte Tochter sitzt, nach rechts von der Fahrbahn ab.
Der Wagen überschlägt sich und bleibt auf dem Dach liegen. Der Falschfahrer, ein 84-Jähriger aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich, setzt unbeirrt seine Fahrt fort. Anfang August ist er nun verurteilt worden: Seinen Führerschein muss er für immer abgeben - und eine Strafe von 2400 Euro zahlen.
Im Juni hat in Trier ein 87-jähriger Autofahrer eine Frau und ihre im Kinderwagen sitzende Zweijährige auf einem Fußgängerüberweg erfasst. Mutter und Kind werden verletzt. Eine 73-jährige Autofahrerin ist im Juni in Salmtal beim Abfahren von einem Parkplatz unaufmerksam und gerät auf die Gegenfahrbahn. Als ihr ein Auto entgegenkommt, erschreckt sich die Fahrerin so sehr, dass sie Brems- und Gaspedal verwechselt, stark beschleunigt, das Lenkrad herumreißt und ungebremst in ein parkendes Auto stößt, in dem ein 70-Jähriger sitzt. Bilanz: vier Verletzte.
Drei Beispiele aus den vergangenen Wochen für Unfälle, die von älteren Autofahrern verursacht worden sind.
Laut Polizei stellen sie aber eher die Ausnahme dar. Es gebe keine Auffälligkeiten bei Autofahrern ab 65, sagt Karl-Peter Jochem, Sprecher des Polizeipräsidiums in Trier.
2475 sogenannter Seniorenunfälle wurden laut Jochem im vergangenen Jahr in der Region registriert. Dies entspreche 11,7 Prozent aller registrierten Verkehrsunfälle. 2010 waren es 2541 Unfälle (12,1 Prozent). Seit fünf Jahren seien die Unfälle mit älteren Verkehrsteilnehmern rückläufig. Und das vor dem Hintergrund, dass aufgrund der demografischen Entwicklung immer mehr Ältere am Straßenverkehr teilnähmen, aber an weniger Verkehrsunfällen beteiligt seien. Dies gilt auch für Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten und Getöteten.
Es gebe keinen Grund, Senioren, die einen Unfall gehabt hätten, das Autofahren zu verbieten, sagt Ursula Siwczyk, Geschäftsführerin einer verkehrspsychologischen Praxis in Trier. "Ich habe den Eindruck, dass wir unsere Ängste beruhigen, wenn wir Verbote aussprechen und Gesetze erlassen. Regelungen nützen nichts, wenn sie nicht auch kontrolliert werden", macht Siwczyk klar. Alter sei kein Kriterium. Respekt vor und die Selbstachtung der älteren Person müssten bei jeder Regelung höchste Priorität haben, sagt Siwczyk.
Bei der Polizei setzt man daher eher auf Vorbeugung statt auf Sanktionen. Zusammen mit der Verkehrswacht und örtlichen Fahrschulen werden Verkehrssicherheitsveranstaltungen für Senioren veranstaltet. Dort würden Senioren unter anderem ermutigt, regelmäßig ihre Sehstärke und ihr Reaktionsvermögen zu kontrollieren, sagt Polizeisprecher Jochem. Darüber hinaus setze das Polizeipräsidium Trier bei zahlreichen Veranstaltungen das Verkehrssicherheitsmobil ein, in dem auch Senioren von Verkehrssicherheitsberatern informiert würden und ihre Reaktion am Fahrsimulator kontrollieren könnten.
Verkehrspsychologin Siwczyk rät zudem dazu, dass Senioren ihr Wissen in einer freiwilligen Fahrstunde auffrischen sollten.Extra

"Der Autofahrer büßt mit zunehmendem Alter an Beweglichkeit ein. Mobilität wird aber hoch geschätzt. Aus meiner Erfahrung sind Frauen (selbst)kritischer", sagt die Verkehrspsychologin Ursula Siwczyk aus Trier. Sie rät, ältere Autofahrer sollten eine Fahrstunde bei einer Fahrschule nehmen und dabei die neueren Verkehrsregeln lernen. Eine Überprüfung der körperlichen und geistigen Leistungen könne anonym gemacht werden, etwa bei Gesundheitsämtern. wie