Mehr als Kinderkarte und Hochstuhl

Mehr als Kinderkarte und Hochstuhl

DAUN. Die Gastronomie entdeckt die Familien: Immer mehr Betriebe stellen sich auf Eltern mit Kindern ein. Doch es besteht noch Nachholbedarf. Erst wenige Hotels bieten spezielle Angebote an.

Malstifte, ein kleines Malbuch, ein Teddybär, ein Kinderklub mit Programm und ausgebildeten Betreuern für die Kleinen, Westerndorf, ein Abenteuerspielplatz, familienfreundliche Unterkünfte, ein Schwimmbad - klingt wie ein Familienhotel in Österreich oder ein Ferienpark in den Niederlanden. Stimmt aber nicht. Es handelt sich um das "Dorint Resort" in Daun. Bislang brachte man derartige Hotels eher weniger mit Familienurlaub in Verbindung.Jedes Jahr 30 000 Kinder zu Gast

Man hatte in solchen Hotels bislang eher den Tagungstourismus und Urlauber, die Ruhe suchten, im Auge. Doch das über 30 Jahre alte Feriendorf mit Apartmenthotel in der Nähe des Gemündener Maares setzt seit einiger Zeit auf Familien - und das mit Erfolg, wie Hotel-Chef Jürgen Jablonowski freudestrahlend schildert: 30 000 Kinder bis zu zwölf Jahren übernachteten jedes Jahr in seinen 135 Apartements und Ferienhäusern. Natürlich gebe es hin und wieder mal Probleme mit Ruhe suchenden Gästen, vor allem im Schwimmbad. Doch daran müssten sich die anderen Urlauber gewöhnen, sagt Jablonowski, der sich entsprechend der Firmenphilosophie als Gastgeber bezeichnet.

"Familien haben bei uns Vorrang", verspricht er. Das ist in der Gastronomie aber immer noch die Ausnahme. Man habe vor allem in den Hotels noch Nachholbedarf etwa bei Familienzimmern, sagt Dieter Kettermann, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Bernkastel-Wittlich. In den oft engen Zimmern finden größere Familien meist keinen Platz, für mehr als ein Zustellbett reicht es nicht. Nur die wenigsten Hotels haben eine eigene Kinderbetreuung, vom Babysitter ganz zu schweigen.

Es habe sich aber bereits viel getan, Familien mit Kindern würden im Restaurant kaum noch schief angeschaut: "Die meisten Gaststätten haben sich auf Kinder eingestellt, es gibt Kinderteller, Spielzeug oder Malsachen", sagt Kettermann, der auch im Dehoga-Landesvorstand ist. Doch oft scheitere die Familienfreundlichkeit einfach am mangelnden Platz. Für einen Wickeltisch im Sanitärbereich fehlten oft die entsprechenden Räumlichkeiten - genauso wie für eine Spielecke im Restaurant. "Da müssen wir sicherlich noch was tun."

Sicherlich auch in Bezug auf die Akzeptanz der Familien bei anderen Gästen: "Ältere Touristen, die eher Ruhe suchen, vertragen sich nicht so sehr mit Familien mit Kindern", gesteht Kettermann.

Daher suchen junge Familien oft spezielle Angebote. Eine Marktlücke. Bislang haben sich nur wenige Hotels in der Region ausschließlich auf Familien spezialisiert. Wie etwa das Familienhotel in Horath (Kreis Bernkastel-Wittlich). Das 160-Betten-Haus wurde vor drei Jahren für seine Familienfreundlichkeit sogar vom Bundesfamilienministerium und dem Deutschen Tourismusverband ausgezeichnet. Doch bis zu einer echten familienfreundlichen Gastronomie ist es noch weit. Die Gastwirte im Land können sich dabei ein Beispiel an den Nachbarn in Baden-Württemberg nehmen. Dort wird seit einiger Zeit bereits Familienfreundlichkeit als Marketingmethode eingesetzt.

Fachkommission vergibt Prädikat

Eine Fachkommission vergibt regelmäßig das Prädikat "Familienrestaurant" an entsprechend engagierte Betriebe. Bewertet werden dabei nicht nur Selbstverständlichkeiten wie Hochstuhl und Kindergerichte, sondern auch, ob zwischen den Tischen im Restaurant Kinderwagen durchpassen, ob es eigene Kindertische, Kinderklos und Wickeltische gibt. Auch ein separates Spielzimmer und eine Kindergaderobe gibt Pluspunkte.

Das Ganze ist ein Erfolg, wie der baden-württembergische Dehoga-Landesverband berichtet. Kein Wunder: Etwa 60 Prozent der Eltern nehmen nach einer Befragung des Verbandes immer ihre Kinder mit zum Essen. Kinderstuhl und Spielzeugauto seien daher die beste Geldanlage der Gastronome, heißt es in einer Bewertung der Familienfreundlichkeit von Hotels und Gaststätten in Baden-Württemberg. Auf einer eigenen Homepage (kind-als-gast.de) sind die besonders familienfreundlichen Betriebe aufgelistet.

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