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Mehr Fahnder: Rheinland-Pfalz erhöht Druck auf Steuerbetrüger

Mehr Fahnder: Rheinland-Pfalz erhöht Druck auf Steuerbetrüger

Panama Papers, Football Leaks: 2016 war das Jahr, in dem Medien weltweite Steueroasen von Unternehmern und Fußballern offenlegten. Auch in der Region Trier kämpfen Fahnder gegen Tricks. Das rheinland-pfälzische Finanzministerium plant, das Personal bis 2020 aufzustocken.

Der Schriftzug „Steuerfahndung“ an einer Klingelanlage. Foto: Uli Deck/Archiv

Eine anonyme Anzeige brachte die Steuerfahnder auf die Spur. Als sie dann ermittelten, stießen sie auf ein System. Mehrere Moselwinzer in Rheinland-Pfalz haben über Jahre Korken und Verschlüsse bei Zulieferbetrieben gekauft, aber nur einen Teil davon in ihren Büchern vermerkt. Verschlüsse, die nicht vermerkt waren, bezahlten sie in bar und verkauften mit der Ware Wein am Fiskus vorbei. Ein Fall von Steuerhinterziehung.

Alleine das Finanzamt Trier verbucht bislang 157 solcher Fälle. 50 davon sind bereits verarbeitet, die 5,1 Millionen Euro an hinterzogenen Steuern einbrachten, teilt das rheinland-pfälzische Finanzministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit.
Mit der Arbeit der Trierer Ermittler ist Finanzministerin Doris Ahnen (SPD) zufrieden - und nicht nur mit dieser: 129 Millionen Euro hat die Arbeit der Fahnder in der Region Trier von 2010 bis 2015 insgesamt an zusätzlichen Steuereinnahmen gebracht, in ganz Rheinland-Pfalz waren es 829 Millionen Euro. Egal, ob es um Moselwinzer, Scheinfirmen im Ausland oder oder andere Formen des Steuerbetrugs geht.

Ahnen sagt, nirgends sonst in Deutschland decke ein Fahnder im Schnitt so viele Betrugsfälle auf wie in Rheinland-Pfalz. Die Arbeit lobt auch der rheinland-pfälzische Bund der Steuerzahler. "Die Steuerfahnder sind die Stellen im Landesdienst, die mehr Geld einbringen als sie kosten", sagt Geschäftsführer René Quante. Der Steuerzahler-Bund fordert daher, noch mehr Fahnder einzustellen. "Damit kann das Land Steuerkriminellen weiter den Kampf ansagen", findet Quante.

Ahnen plant, die Zahl der Fahnder im Land von nun 134 Kräften bis 2020 auf 148 ausbauen - darunter sind auch Informatiker. Die sind unter anderem bei manipulierten Kassen im Gastgewerbe gefragt, die das Land jährlich Hunderte Millionen Euro kosten sollen. Auch 230 sogenannte Reichsbürger, die ihre Steuern nicht zahlen wollen, bereiten dem Land Ärger. Das Problem kenne sie aber schon, seit sie 2014 Finanzministerin sei, sagt Ahnen. In den Fällen gelte es für die Fahnder, hartnäckig zu bleiben. "Dann kommen sie auch ans Geld."