Mehr Inhalt als erlaubt

Jedes fünfte kontrollierte Lebensmittel wird vom Landesuntersuchungsamt beanstandet. Bei leicht verderblicher Ware werden die Kontrolleure genauso fündig wie bei in Mode gekommenen Nahrungsergänzungsmitteln. Da gezielt überprüft wird, sind die Zahlen jedoch nicht repräsentativ.

Mainz. Die Kanüle in der Wurst, Metallsplitter in der Pizza oder Bakterien im Lachs: Neben den bundesweiten Gammelfleisch-Skandalen schlagen bei den Kontrolleuren des Landesuntersuchungsamtes (LUA) auch noch aufsehenerregende Einzelfälle zu Buche. Mehr als 24 000 Proben von Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen bis hin zu Tattoo-Farben und Spielwaren wurden 2006 überprüft. In jedem fünften Fall gab es Verstöße von falschen Bezeichnungen über Verunreinigungen bis zu nicht zugelassenen Zusatzstoffen. In 28 Fällen lauerten ernste Gesundheitsrisiken durch Salmonellen oder gefährliche Stoffe auf den Verbraucher, wie der aktuelle Bericht des Amtes zeigt.Die hohe Zahl der Beanstandungen ist nach Angaben von Verbraucherministerin Margit Conrad auf die gezielten Kontrollen zurückzuführen. Rund 80 Prozent der Proben werden nach einem internen Fahrplan in Risikobereichen vorgenommen, 20 Prozent sind gezielte Verdachtsproben. Besonders hoch ist die Kritik-Rate bei Nahrungsergänzungsmitteln, sprich: Vitaminkapseln oder Mineralstofftabletten. Bei 567 von 717 Proben war die Werbung irreführend oder es wurden illegale Zusatzstoffe gefunden. Damit entzauberte das LUA-Labor zwei von drei vermeintlichen Wundermitteln.Erschütternd war für die Kontrolleure auch eine Überprüfung von Mittagessen in sieben Kindertagesstätten und einer Schule. Alle acht Essen wiesen Mängel auf: Zu wenig Vitamingehalt, zu viel Fett oder schlicht zu kleine Portionen. In Holzpuzzles für Kinder wurde krebsverdächtiges Formaldehyd entdeckt, in Tätowierstudios entpuppte sich jede dritte Tattoo-Farbe als zu stark mit Keimen belastet. "Rebsortenbetrug" und gemauscheltem Wein kamen die Kontrolleure auf die Spur. Während Geflügel- und Schweinepest das LUA seit vielen Jahren umtreiben, kommt nun die Blauzungenkrankheit dazu. Aktuell sind 2500 Betriebe, vor allem Schaf- und Rinderzüchter, betroffen. In diesem Bereich gibt es keine Entwarnung, so Conrad.