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Mehr Menschen, mehr Delikte

Mehr Menschen, mehr Delikte

Werden die Kriminalitätszahlen des vergangenen Jahres bewusst erst nach der Landtagswahl veröffentlicht? Nein, sagt der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz. Gut vorstellbar, sagen die Kritiker. Dabei sind viele Zahlen schon jetzt bekannt.

Mainz. Anfang Dezember zog das Trierer Landgericht einen Schlussstrich unter eine siebenmonatige Einbruchsserie in der Vulkaneifel. Die drei Angeklagten im Alter zwischen 15 und 24 Jahren wurden zu Gefängnisstrafen zwischen zwei und knapp fünf Jahren verurteilt. Über 20 Taten wurden mit der Festnahme des Trios geklärt.Erfolge dieser Art gab es im Zuständigkeitsbereich des Trierer Polizeipräsidiums gleich mehrfach im vergangenen Jahr. Mehr als einmal wurden Bandenmitglieder geschnappt - und damit gleich eine ganze Reihe von Einbruchsdiebstählen geklärt. Dennoch: Abschreckend wirkten die Festnahmen offenbar nicht. Denn die Zahl der sogenannten Wohnungseinbruchsdiebstähle ist in der Region Trier auch im vergangenen Jahr angestiegen. Darauf deuten zumindest die unserer Zeitung vorliegenden Zahlen der ersten drei Quartale hin.

Demnach gab es in der Region Trier zwischen Januar und September 679 Einbrüche und Einbruchsversuche, etwa 25 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Im Mainzer Beritt stieg die Zahl sogar um 35 Prozent, im Bereich des Polizeipräsidiums Westpfalz nur um 3,4 Prozent.Region liegt unter Landesschnitt


Interessant ist ein Blick auf die sogenannte Häufigkeitszahl. Sie weist aus, wie viele Einbruchsdiebstähle es in einer Region je 100 000 Einwohner gegeben hat, drückt also die durch Kriminalität verursachte Gefährdung aus. In diesem Punkt lag die Region Trier im vergangenen Jahr mit einem Wert von 110 deutlich unter dem Landesschnitt (130) und stand auch weitaus besser da als die übrigen Polizeipräsidien im Land. Heißt: Zwischen Eifel, Mosel, Hunsrück lebt es sich vergleichsweise sicher.
Allerdings geben die Zahlen nur den Stand der ersten neun Monate wieder. Möglich, dass sich im letzten Quartal noch etwas verändert hat. Ob das so ist, werden die Rheinland-Pfälzer erst Anfang April erfahren, wenn der Mainzer Innenminister Roger Lewentz die Kriminalstatistik 2015 vorstellt. CDU-Innenexperte Matthias Lammert sagt, dass die Statistik in den meisten Vorjahren deutlich früher veröffentlicht worden sei. Wegen der Landtagswahl und den wenig berauschenden Zahlen passe ein früherer Termin wohl nicht, ist Lammerts Vermutung, die der Innenminister zurückweist.
Die Tendenz der Kriminalitätsentwicklung sei bekannt, sagt Roger Lewentz, in einigen Deliktbereichen gebe es Steigerungen, in anderen gingen die Zahlen zurück. Drastische Verschiebungen, so das Ministerium, seien in der Kriminalstatistik nicht zu erwarten.
Drastische Verschiebungen vielleicht nicht, aber Entwicklungen, die zumindest auffallen. So sind etwa die Straftaten von Asylbewerbern zwischen Januar und Oktober 2014 und dem gleichen Zeitraum 2015 um fast das Doppelte gestiegen - auf 4160 Fälle. In allein einem Drittel der Fälle ging es um Ladendiebstahl.
Ministeriumssprecher Marco Pecht hat für den Anstieg eine plausibel klingende Erklärung: Die Zahl der Asylbegehrenden hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Und mehr Menschen bedeuteten eben auch mehr Straftaten.