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Mehr Nachwuchs an Landärzten ist das Ziel

Mehr Nachwuchs an Landärzten ist das Ziel

Alexander Schweitzer ist um kühne Worte selten verlegen. "Wir vollziehen eine kleine Revolution in der Versorgungslandschaft", verkündet der rheinland-pfälzische Sozial- und Gesundheitsminister jetzt in Mainz. Mit vielen "Mikrorevolutionen" will der Sozialdemokrat eine Antwort auf den demografischen Wandel, die zunehmende Überalterung der Rheinland-Pfälzer finden.

Mainz. Das Zukunftsprogramm "Gesundheit und Pflege 2020" zeigt, wo der rheinland-pfälzische Sozial- und Gesundheitsminister Schweitzer und seine Mitstreiter im Ministerium und der Fachwelt für eine bessere Versorgung mit Hausärzten ansetzen wollen.Aderlass an Hausärzten


Eine Projektion der Landesregierung zeigt, dass die ländlichen Räume bis 2020 einen massiven Aderlass an niedergelassenen Ärzten befürchten müssen. "Der klassische Hausarzt, der mit seinen vielen Kindern in den oberen Etagen seiner Gründerzeitvilla lebt und unten die Praxis hat, wird es so nicht mehr geben", sagt Alexander Schweitzer. Zahlreiche Landärzte wollten heute nicht mehr vor Ort wohnen und auch nicht mehr rund um die Uhr verfügbar sein. 60 Prozent der Medizinstudenten sind weiblich, womit der Wunsch nach Teilzeitmodellen wächst.
Zugleich möchten mehr alte Menschen in Rheinland-Pfalz, so alle einschlägigen Experten, länger in ihren eigenen vier Wänden leben und dort versorgt werden. Daher will das Land neue Wege gehen. Angehende Mediziner, die am Ende ihres Studiums stehen, sollen künftig ein Stipendium für Allgemeinmedizin in Rheinland-Pfalz erhalten können. Dotiert ist es mit 600 Euro im Monat. Unter dem Motto "Probier doch Hausarzt" setzen die Ärzte in spe ihre Ausbildung in einer Allgemeinarztpraxis fort. Damit will das Land dem Trend entgegenwirken, dass die überwiegende Zahl der Studienabgänger erst einmal eine Facharztausbildung macht.
Zugleich wird bis Ende 2014 ein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Universität Mainz eingerichtet. Auch dieser soll für mehr Nachwuchs an Allgemeinmedizinern, vor allem an Landärzten sorgen. Parallel dazu weitet das Gesundheitsministerium sein Förderprogramm für Ärzte in ländlichen Regionen auch auf Fachärzte auf dem Land aus. Hier fließen insgesamt 400 000 Euro.
Im Bereich Pflege arbeitet die Landesregierung vor allem daran, dass die Arbeitsplätze attraktiver werden.Aufbau einer Pflegekammer


Die im Aufbau befindliche Pflegekammer soll den vielen Akteuren in Sozialdiensten und Heimeinrichtungen mehr Selbstbewusstsein verleihen und zugleich als zentrale Lobby dienen. Das Projekt "Attraktive Arbeitsbedingungen Altenpflege Rheinland-Pfalz" hilft Unternehmen, mit Befragungen herauszufinden, wo ihren Mitarbeitern der Schuh drückt. "Mittlerweile konkurrieren Firmen ja um gute Kräfte", erläuterte Christa Larsen vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (WAK).
Eine externe Analyse für Akteure in der Pflege bietet auch der "Democheck Altenpflege Rheinland-Pfalz". Hier können Einrichtungen überprüfen lassen, ob sie genug Weiterbildung anbieten, Optimierungsbedarf im Gesundheitsmanagement haben oder ob ihre Führungskultur stimmt. Zugleich unterstützt das Sozialministerium Schulungen von Führungskräften in der Altenpflege. Das Land Rheinland-Pfalz trägt 50 Prozent der Kosten.
Und dann gibt es noch das Modell "Gesundheitszentrum Glantal". "In Meisenheim entsteht eine Blaupause für ganz Rheinland-Pfalz", ist Gesundheitsminister Schweitzer überzeugt. Der 42 Millionen Euro teure Klinikbau (das Land bringt 28 Millionen Euro auf) vereint ambulante und stationäre Ärzte unter einem Dach - zum Teil in Doppelfunktion.
Die Klinik im ländlichen Raum funktioniert als Filialarztzentrum. "Externe Fachärzte bieten ihre Dienste tageweise an", wie Gerald Gaß, Geschäftsführer des Landeskrankenhauses, erläuterte - ein Pilotprojekt fürs Land. Entfernte Kompetenzen werden per Telemedizin integriert, also über das Internet. Das ist etwa bei radiologischen Befunden (Röntgenbildern) der Fall. Das Gesundheitszentrum Glantal soll Anfang 2015 die Arbeit aufnehmen.