Mehr Strom

TRIER/SAARBRÜCKEN. Der Energiekonzern RWE übernimmt möglicherweise demnächst einen Großteil der Trierer Stadtwerke (SWT). Hintergrund: Das Essener Unternehmen will den saarländischen Gasversorger Saar Ferngas kaufen, der wiederum ist zu einem Viertel an den SWT beteiligt.

Zunächst klingt die Nachricht für die Strom- und Gaskunden in der Region bedeutungslos: Der Essener Energieriese RWE will den saarländischen Gasversorger Saar Ferngas kaufen. 400 Millionen Euro soll der Konzern für 76,9 Prozent der Anteile auf den Tisch gelegt haben - das Neunfache des Gewinns der Saar Ferngas. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz bei dem Gasversorger, der 155 Mitarbeiter beschäftigt, 1,1 Milliarden Euro. Er beliefert 50 regionale Energieversorger, darunter auch die Trierer Stadtwerke. Das Bundeskartellamt muss dem Kauf noch zustimmen. Eine Sprecherin der Behörde sagte unserer Zeitung, die Entscheidung werde frühestens Ende Dezember fallen. Man wolle den Verkauf genau prüfen, weil dadurch eventuell eine marktbeherrschende Stellung entstehen oder verstärkt werden könnte. Und genau da kommen auch die Trierer Stadtwerke ins Spiel. Denn RWE könnte durch den Kauf der Saar Ferngas seine Anteile an den SWT mehr als verdoppeln. Bislang hält der Essener Konzern 18,7 Prozent an dem Trierer Unternehmen, Saar Ferngas ist mit 24,9 Prozent beteiligt. Genehmigt das Kartellamt den Kauf, würden die RWE fast 44 Prozent der Anteile der Trierer Stadtwerke halten. Auch das könnte ein Fall für das Kartellamt werden. Zumal RWE über die saarländische Telekommunikationsgesellschaft VSE Net auch an der SWT-Tochter und Netzbetreiberin Trilan beteiligt ist. Zwar gibt man sich bei den Stadtwerken nach außen hin gelassen: Erst einmal die Entscheidung des Kartellamtes abwarten - und außerdem ändere sich durch den Kauf ja nichts; Saar Ferngas bleibe weiter am Markt tätig. "In der Zusammensetzung des Aufsichtsrates der SWT-Versorgungs-GmbH sind daher keine Änderungen zu erwarten", sagt Vertriebsleiter Thomas Waßmuth. Doch hinter den Kulissen ist man offensichtlich bereits dabei, Szenarien zu entwerfen, für den Fall, dass die größer werdende RWE-Beteiligung an den Stadtwerken die Kartellwächter auf den Plan ruft. Bislang versorgen die SWT nur die Stadt Trier mit Strom. Es gibt anscheinend Überlegungen, diesen Versorgungsbereich über das Stadtgebiet auszudehnen - wie bei der Gasversorgung. Vor sechs Jahren haben die SWT das Versorgungsgebiet der Erdgasversorgung Eifel-Westpfalz, einer 100-prozentigen Tochter der Saar Ferngas, in der Region übernommen. Knapp 28 000 Gas-Kunden haben die Stadtwerke seitdem. Beim Strom ist jedoch RWE der regionale Platzhirsch. Es ist denkbar, dass man sich mit RWE arrangiert: Steigt der Energieriese bei Saar Ferngas ein und erhöht damit seine Anteile bei den Stadtwerken, könnte man zumindest Teile des Versorgungsgebietes der Essener in der Region übernehmen, um so eine marktbeherrschende Stellung von RWE zu verhindern und die Position der SWT zu stärken.