1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Meinung: Jetzt bitte schnell handeln! - Zum Umweltskandal um belastete Gewässer in der Eifel

Meinung: Jetzt bitte schnell handeln! - Zum Umweltskandal um belastete Gewässer in der Eifel

Man kann nur ungläubig den Kopf darüber schütteln, dass so etwas in Deutschland möglich ist. In einem Land, das für alles und jedes Verordnungen erlässt, das alles lieber dreifach prüft und zudem als Vorreiter im Umweltschutz gilt.

Jahrzehntelang waren in Deutschland Löschschäume im Einsatz, die große Mengen krebserregender Fluorverbindungen, sogenannte perfluorierter Tenside (PFT), enthielten. Besonders exzessiv kamen diese Schäume bis 2011 auf Militärflugplätzen zum Einsatz, wo regelmäßig der Ernstfall geprobt wurde. Die Schadstoffe versickerten im Erdreich oder landeten über die Kanalisation in Fließgewässern. Südeifeler sind mit schäumenden Bächen daher bestens vertraut.
Das Ausmaß dieses Umweltskandals lässt sich noch gar nicht abschätzen. Fest steht: Rings um die Flugplätze Spangdahlem und Bitburg sind Seen, Bäche, Flüsse, Böden und das Grundwasser mit hohen Konzentrationen der krebserregenden Stoffe belastet. Da ist es nicht weiter erstaunlich, dass sich auch im Trinkwasser des Kylltalwerks erste Spuren nachweisen lassen. Ein klassisches Beispiel dafür, wie der Mensch seine eigene Lebensgrundlage gefährdet. Es ist absolut unverständlich, dass diese Substanzen so lange legal waren und nicht besser auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft wurden. Es ist ärgerlich, dass nicht die Hersteller zur Verantwortung gezogen werden, sondern die Grundstückseigentümer für den entstandenen Schaden aufkommen müssen. Um welche Beträge es hierbei geht, lässt sich noch nicht abschätzen. In Düsseldorf kostet die Sanierung viele Millionen Euro. Und auch Landwirte klagen dort auf Schadensersatz.
Angesichts all dessen, ist auch nicht nachzuvollziehen, warum es bisher keine verbindlichen Grenzwerte (sondern nur Richt- oder Orientierungswerte) für PFT gibt. Eine Untersuchung des Trinkwassers auf die Schadstoffe ist bisher nicht verpflichtend. Das muss sich dringend ändern.
Zu überprüfen und sicherzustellen, dass nirgends in der Region (auch nicht auf der Air Base) belastetes Trinkwasser aus dem Hahn kommt, ist der erste und wichtigste Schritt. Man muss herausfinden, wo die Schadstoffe herkommen, die Quelle abstellen, herausfinden, wie groß das Umweltproblem ist und es, so gut es geht, beheben. Und zwar schnell, ehe sich die krebserregenden Tenside noch weiter verbreiten können.

Jetzt bitte schnell handeln! k.hammermann@volksfreund.deMehr zum Thema

Eifeler Flüsse und Grundwasser mit krebserregendem Stoff belastet