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Meinung zum CDU-Parteitag in Rheinland-Pfalz: Baldaufs Befreiungsschlag

Rheinland-Pfalz : Kommentar zum CDU-Landesparteitag: Baldaufs Befreiungsschlag

Der CDU-Spitzenkandidat schwört die eigene Basis mit einer kämpferischen Rede auf die zweite Halbzeit bis zur Landtagswahl 2021 ein. Das war nötig, weil die bisherige Leistung kein Glanzstück war. Im Kampf um die Mainzer Staatskanzlei darf der Pfälzer nun kein Tempo rausnehmen und muss eine Taktik fürs Land entwerfen.

Christian Baldauf wollte die CDU-Basis auf dem Parteitag auf die zweite Halbzeit zur Landtagswahl 2021 einschwören. Die wichtigste Erkenntnis für den Spitzenkandidaten: Mit seiner Rede ist er selber gut aus der Kabine gekommen und hat einen Befreiungsschlag geschafft. Mit seinem Wunsch nach Vorschulen mit verpflichtenden Deutschtests im letzten Kindergartenjahr landete er bei den eigenen Delegierten einen inhaltlichen Treffer, mit seinen Plänen zu Innovationsministerium und Bioökonomie erzeugte er ansatzweise technologischen Aufbruch, gegen die rot-gelb-grüne Ampel setzte er harte Grätschen.

Vielleicht schon wahlentscheidend war es für Baldauf, seine Basis mitzureißen, weil die erste Halbzeit auf dem Weg zur Landtagswahl kein Glanzstück war. In Umfragen hängt Malu Dreyer den Pfälzer im direkten Duell sogar unter CDU-Anhängern ab, womit sie das Faustpfand einer inhaltlich ausgelaugt und oft ideenlos wirkenden SPD-geführten Landesregierung ist. Echte Visionen, die Rheinland-Pfalz nach 2021 voranbringen, fehlten bis zum Parteitag aber auch von Baldauf. Dazu kamen  Rückschläge wie als von SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer geouteter „Fehlstundenkönig“ im Haushalts- und Finanzausschuss oder der längst verworfene Gedanke, Schulen in Trägerschaft des Landes zu stellen. Selbst die eigenen Reihen im Landtag wirken da oft so feurig begeistert für ihren Spitzenmann wie ein Eisberg in der Arktis.
Immerhin: Mit dem Ergebnis von 98,6 Prozent startet Baldauf mit Elan in die zweite Halbzeit. In der muss es ihm gelingen, die bessere Taktik für das Land zu entwerfen, um die in der Corona-Krise omnipräsente und doch unter dem SPD-Bundestrend leidende Dreyer zu besiegen. Nimmt Baldauf jetzt aber Tempo raus oder leistet sich Eigentore, droht die Wahl für die CDU krachend verloren zu gehen.
f.schlecht@volksfreund.de