Meinung zum Verkauf des Traben-Trarbacher Cyber-Bunkers

Meinung : Da ist einiges schief gelaufen!

Zweifellos ist den Ermittlern in Traben-Trarbach ein toller Schlag gegen die Cyberkriminalität geglückt. Ein Schlag, der hoffentlich weitreichende Folgen nicht nur für die Server-Betreiber hat, sondern auch für diejenigen, die da im Darknet mit Drogen, Waffen oder Kinderpornografie handelten.

Dennoch ist es nötig, ein paar kritische Fragen zu stellen.

Erstens: Warum hat der deutsche Staat den Bunker so leichtfertig an jemanden verkauft, gegen den es bereits damals erhebliche Bedenken gab? Jeder, der auch nur ein bisschen niederländisch versteht, konnte 2013 im Internet Artikel lesen, die den Käufer mit einem Drogenlabor, mit Hackerangriffen und dubiosen Internetgeschäften in Verbindung brachten. Wieso verkauft man so jemandem für nur schlappe 350 000 Euro ein riesiges Bunker-Gelände?

Wieso schlug die Bima alle Warnungen in den Wind? Ging es nur ums schnelle Geschäft? Oder lag es daran, dass die Politik den Verkauf so dringend wollte?  Schnell und „warm“  – also voll einsatzbereit – sollte der Schutzbau dem Nachnutzer übergeben werden. Na, herzlichen Glückwunsch! Das hat ja super geklappt. Und so konnten über den Cyber-Bunker seit 2013 unter anderem Drogengeschäfte im Wert von 41 Millionen Euro abgewickelt werden.

Das wirft aber auch eine zweite Frage auf: Warum haben die Ermittlungsbehörden den Kriminellen so viel Zeit gelassen, ihre dreckigen Geschäfte zu machen? 2013 gab es die ersten Hinweise. 2015 starteten die Ermittlungen. Und erst 2019 erfolgte der Zugriff. Das sind sieben Jahre! Natürlich handelt es sich um besonders schwierige Ermittlungen, natürlich muss alles gerichtsverwertbar sein. Dennoch ist es mit dem gesunden Menschenverstand schwer zu begreifen, dass Fahnder jahrelang tatenlos dabei zusehen, wie Drogen verkauft oder Bilder von missbrauchten Kindern in Umlauf gebracht werden.

Da gibt es noch einiges aufzuarbeiten.

k.demos@volksfreund.de

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