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"Mendig ist unser Feld der Träume"

"Mendig ist unser Feld der Träume"

Rock-am-Ring-Veranstalter Marek Lieberberg im TV-Interview über neue Dimensionen am Flugplatz Mendig, jahrzehntelange Kompromisse und den Ärger mit der "Festival-Laienspielschar"

24 Stunden nach Bekanntgabe der ersten Bands für Rock am Ring waren bereits 15000 Tickets für das Festival verkauft: ein Rekord, wie Veranstalter Marek Lieberberg sagt. TV-Redakteur Andreas Feichtner sprach mit dem 68-Jährigen über neue Möglichkeiten am Flugplatz Mendig und den seit Monaten schwelenden Ärger mit den neuen Nürburgring-Pächtern.

Herr Lieberberg, Sie haben den ersten Schwung an Bands für Rock am Ring bekanntgegeben, mit dabei sind als Headliner Foo Fighters, Slipknot und die Toten Hosen. Gibt's zum 30. Jahrestag von Rock am Ring ein besonders ambitioniertes Programm?

Marek Lieberberg: Wir versuchen immer, das Beste an den Start zu bringen, was am Markt verfügbar ist. Dazu kommt eine geschmackliche Ausrichtung, die von meinem Sohn Andre definiert wird. Für 2015 scheint die Mischung besonders geglückt zu sein. Das wirkt schon jetzt stimmig und entspricht den Wünschen vieler Fans. Wir haben damit ein deutliches Zeichen gesetzt.

Die Nürburgring-Pächter hatten zuvor mitgeteilt, dass das konkurrierende Grüne-Hölle-Festival eine Woche vorher über die Bühne gehen wird. Damit fällt die Terminkollision zwischen Rock am Ring in Mendig und Grüne Hölle aus. Eine gute Entscheidung der Veranstalter?

Lieberberg: Deren angebliche, vorgeschobene Argumentation können wir wirklich außer Acht lassen. Mir reichen die Winkelzüge und unerträglichen Versuche, sich an ein Festival heranzuwanzen und sich auf eine Tradition zu beziehen, mit der man gar nichts zu tun hat. Wegen dieses durchschaubaren Manövers und der Polemik gegen Rock am Ring in Mendig musste ich einiges klarstellen.

Die Verlegung hat Sie nicht überrascht?

Lieberberg: Ich will keine prophetischen Fähigkeiten beanspruchen, aber ich habe bereits am 26. September in einem Interview vorausgesagt, dass der Termin am Nürburgring seit geraumer Zeit verschoben wurde. Das hat statt angeblichem Fan-Interesse nur einen realen Hintergrund: Die Tatsache, dass man mit Rockavaria in München ein Parallel-Festival plant. Weil das Olympiastadion am ersten Juni-Wochenende anderweitig belegt war, musste man auf Mai ausweichen. Ich habe bei unserem letzten Kapitel am Nürburgring angekündigt, unsere Vergangenheit mitzunehmen. Das ist meine Historie, meine Geschichte, die ich beanspruche. Jetzt habe ich nur das zu vertreten, was in Mendig passiert. Und da haben wir absolut transparent gearbeitet.

Wie bewerten Sie den Ärger zwischen den neuen Nürburgring-Betreibern und Ihnen? Hat Sie das persönlich getroffen?

Lieberberg: Ich kann meine Abscheu nicht verleugnen, aber ich bin froh, dass ich mit den dort handelnden Personen nichts mehr zu tun habe. Ich gehe meinen Weg gradlinig und dabei bleibt es. Was am Nürburgring passiert, weiß derzeit niemand. Meine ganze Entschlossenheit und Kraft richtet sich auf Mendig. Ich werde mich ganz bestimmt nicht an einer Festival-Laienspielschar ausrichten.

Was ändert sich für die Fans durch den Umzug nach Mendig?

Lieberberg: Mendig ist für Fans und Veranstalter gleichermaßen ein Quantensprung. Das Festivalerlebnis wird in vielerlei Hinsicht verbessert. Befreit von der räumlichen Enge eines glorifizierten Parkplatzes können sich Rock am Ring und Besucher ganz anders entfalten. Gleichzeitig werden Bands, Line-up, Bühnen, Technik - das Gesamtpaket - weiter aufgewertet. Die Ringrocker wissen, dass sie sich auf uns verlassen können. Sie verstehen es, zwischen Inhalt und bloßen Luftblasen zu unterscheiden.

Sie haben 30 Jahre lang auf dem Nürburgring Rock am Ring ausgerichtet. Auf dem Flugplatz Mendig fanden dagegen noch keine Festivals dieser Größe statt…

Lieberberg: Dennoch ist dieser einzigartige Schauplatz in der Vulkaneifel für uns ein Feld der Träume. Und das ist keine Fiktion. Fast drei Jahrzehnte haben wir mit Kompromissen gelebt. In Mendig muss man keine Kompromisse machen! Das Arbeiten wird für uns erheblich einfacher. Man muss nur die verfügbaren Flächen vergleichen. Vor den Bühnen hätten 200.000 Menschen Platz. Aber wir beschränken uns auf eine machbare Kapazität von 85.000 und diese 85.000 campen alle auf dem Flugplatz. Man muss also nach einem langen Festivaltag nicht noch in der Dunkelheit kilometerweit zu den Campingplätzen zurücklaufen. Mendig liegt verkehrsgünstig nur fünf Minuten von der Autobahn-Abfahrt entfernt. Es gibt sogar einen Bahnhof in der Nähe. Ich kenne kein optimaleres Festivalgelände.

Wird das vom Konkurrenten DEAG beauftragte Gutachten zum Standort Mendig Auswirkungen auf Rock am Ring haben? Dem Gutachten zufolge ist der Flugplatz ungeeignet für ein Großereignis wie Rock am Ring.

Lieberberg: Das ist reine Propaganda. Die Giftpfeile der DEAG zielen ins Leere. Das Gutachten wird überhaupt keine Auswirkungen auf Rock am Ring in Mendig haben. Das wurde auch schon von der Verbandsgemeinde Mendig, dem Landkreis Mayen-Koblenz und der Stuktur- und Genehmigungsdirektion Nord bestätigt.

Wie sehen Sie die Entwicklungen in der Festival-Landschaft. Einige kleinere und mittlere Open Airs sind in den vergangenen Jahren verschwunden, bei großen Open Airs gibt es eher eine Zunahme. Ist auch dort die Schmerzgrenze bald erreicht?

Lieberberg: Das Publikum entscheidet, wie es die einzelnen Festivals bewertet. Insgesamt ist das Angebot in den letzten Jahren ungeheuer gewachsen. Da muss man sich behaupten. Es gibt nur wenige Festivals, die ein Alleinstellungsmerkmal haben - und dies muss man sich konsequent mit Kompetenz und Inhalten erwerben.
EXTRA

Marek Lieberberg, Jahrgang 1946, veranstaltete 1985 zum ersten Mal Rock am Ring am Nürburgring. Nach Differenzen mit dem neuen Nürburgring-Pächter Capricorn kündigte er 2014 einen neuen Standort für das Traditionsfestival an. Seit September steht fest, dass RaR vom 5. bis 7. Juni im 23 Kilometer Luftlinie vom Nürburgring entfernten Mendig ausgetragen wird. Bisher wurden 19 Bands bekanntgegeben, darunter die Foo Fighters, Slipknot, Die Toten Hosen, Motörhead, Broilers, Kraftklub und Beatsteaks. In Mendig soll es neben zwei Open-Air-Bühnen auch zwei Zeltbühnen geben. In den vergangenen Jahren gab es am Nürburgring jeweils drei Bühnen. AF

Internet: rock-am-ring.com