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Michael Billen ist tot - ein Nachruf für den CDU-Rebellen

Nachruf : Die kräftigste Stimme der Eifel ist verstummt – Trauer um Michael Billen

Geradlinig, direkt und bei Bedarf auch gerne unbequem. Typen wie ihn gab es in der Politik nicht viele. Michael Billen (CDU) ist am Dienstag gestorben. Nachruf auf einen Eifeler, den viele vermissen werden.

Die Eifel hat eine ihrer kräftigsten Stimmen verloren. Einen ihrer glühendsten Fürsprecher. Ihren vielleicht geradlinigsten, unbequemsten, kämpferischsten Politiker. Die Eifel trauert um Michael Billen. Und auch in Mainz und Trier werden viele seinen rauen Bass und seine klaren Ansagen vermissen.

Im Alter von 66 Jahren ist der CDU-Politiker am frühen Dienstagmorgen in seinem Heimatort Kaschenbach an Leukämie gestorben. Er hinterlässt eine Frau, vier Kinder und zahlreiche Enkelkinder. Nach Auskunft seines langjährigen politischen Wegbegleiters Michael Ludwig (CDU) ist Billen friedlich eingeschlafen. „Er war zu Hause und das war der Ort, wo er sterben wollte“, sagt Ludwig, der Billens Nachfolger im rheinland-pfälzischen Landtag ist und mit dem Kaschenbacher befreundet ist, seit die beiden gemeinsam in der Jungen Union waren.

„Michael Billen hat die Politik im Eifelkreis maßgeblich gestaltet“, sagt Ludwig. Als Kreispolitiker ebenso wie durch seine intensiven Kontakte nach Mainz und Berlin. Über allem habe für Billen die Frage gestanden, wie es für die Menschen in der Eifel weitergeht, für seine Heimat. Die Eifel sei seine Spielwiese gewesen.

Nicht nur Billens politische Freunde, auch seine Kontrahenten schätzen die hemdsärmelige Geradlinigkeit, mit der der passionierte Landwirt, Jäger, Schnapsbrenner und Motorradfahrer Dinge anging. „Für ihn war ein Wort ein Wort“, sagen sowohl Ludwig als auch Joachim Streit, der als ehemaliger Landrat des Eifelkreises intensiv mit Billen zusammengearbeitet hat. Lange Zeit war Billen Erster Beigeordneter des Kreises.

„Er war verbissen, hat gekämpft bis zum letzten, um sich für Dinge einzusetzen, die er für richtig hielt“, sagt Ludwig. Dabei habe Billen einen ausgezeichneten Sinn für das politisch Machbare gehabt, sagt Streit. „Er wusste Menschen genau einzuschätzen“ – und nicht selten sei es ihm gelungen, dass sie ihren Standpunkt verlassen. Seine größten Erfolge und Niederlagen erlebte der Eifeler wohl am Flugplatz Bitburg, der anders als von Billen erhofft, nicht zum internationalen Drehkreuz wurde, sich aber auch dank seines Einsatzes zu einem der erfolgreichsten Konversionsprojekte Deutschlands entwickelte. Vieles von dem, was Billen bewirkte, wurde vielleicht aber auch gar nicht so offensichtlich. Beschreiben ihn Wegbegleiter doch auch als „den großen Strippenzieher im Hintergrund“. Mit wem ein Erfolg nach Hause ging, das habe Billen weit weniger interessiert, als etwas für die Eifel zu bewirken, betont Ludwig.

Unterkriegen ließ der Eifel-Rebell sich nie. Nicht von der Polizeidatenaffäre, die wohl das Ende vieler anderer politischer Karrieren bedeutet hätte. Billen hatte sich über seine Tochter, eine Polizistin, 2009 geheime Polizeidaten über Geschäftspartner der damaligen Landesregierung beim Ausbau des Nürburgrings beschafft und an Medien weitergegeben. Ein Fehler, für den er nicht nur eine Geldstrafe berappen musste, sondern auch persönlich einen hohen Preis zahlte. Seine Tochter wurde verurteilt. Zu Beginn der Affäre habe er ihretwegen daran gedacht, hinzuschmeißen, sagte er einst im Interview. Doch der Familienrat habe ihm empfohlen, weiterzukämpfen. Er kämpfte und ließ sich auch nicht unterkriegen, als CDU-Landeschefin Julia Klöckner verhindern wollte, dass Billen bei der Landtagswahl 2011 als Spitzenkandidat der Eifel-CDU ins Rennen ging. In einer Kampfkandidatur holte er sich trotzdem sein Ticket nach Mainz. Seine Eifeler standen hinter ihm.

„Eifeler Überlebenskünstler“, titelte der TV damals. 2016 verlor Billen dann zwar überraschend gegen Nico Steinbach (SPD), zog aber über die Landesliste erneut in den Landtag ein.

  Michael Billen ist verstorben. Das Archivbild zeigt ihn bei einem früheren Auftritt im Eifelkreis. 
Michael Billen ist verstorben. Das Archivbild zeigt ihn bei einem früheren Auftritt im Eifelkreis.  Foto: Fritz-Peter Linden
 Michael Billen ist nach langer schwerer Krankheit gestorben. Das bestätigten die Partei und Fraktion in Mainz.
Michael Billen ist nach langer schwerer Krankheit gestorben. Das bestätigten die Partei und Fraktion in Mainz. Foto: dpa/Harald Tittel

Deutlich ruhiger wurde es um Billen nach einer Lungenkrebs-Erkrankung, die er 2018 besiegte und den Zigaretten danach abschwor. Auch nach diesem Tiefschlag rappelte er sich wieder auf: Im August 2021 übernahm er als Erster Beigeordneter die Leitung des Bitburger Kreishauses, das nach Streits Weggang zunächst keinen neuen Landrat hatte. „Das war ihm sehr wichtig“, sagt Ludwig und Rudolf Rinnen, der mit Billen jahrelang Kreisbeigeordneter war, sagt: „Er hat die Verantwortung gelebt.“

Nach Billens Rückkehr machte Rinnen sich Sorgen um dessen Gesundheit, denn: „Er hat weiter Gas gegeben. Er konnte auch nicht anders. Weniger als 100 Prozent ging nicht. So war der einfach.“

So sehr es in Mainzer Parlament und im Kreistag auch mal polterte, wenn Billen jemandem bescheinigte, mit dem „Klammersack gepudert zu sein“ oder „den Koffer freckt“ zu haben. Wer ihn im Jugendhilfeausschuss des Eifelkreises beobachtete, erlebte einen Politiker, der sich leise, ernsthaft und bis ins Detail um das kümmerte, was ihm wirklich wichtig war: Die Menschen in seiner Eifel.

Als ein Journalist der FAZ, die den rebellischen Politiker in einem Porträt einst „Billen, the kid“ getauft hatte, 2020 fragte: „Herr Billen, Ihr Abschied aus dem rheinland-pfälzischen Landtag ist wegen Corona leise ausgefallen. Tut Ihnen das leid?“

Da antwortete Michael Billen: „Nein. Ich werde die, die es wert sind, zu mir auf den Hof nach Kaschenbach einladen. Dann werden wir zusammen einen Guten saufen. Bei Abschieden gibt es sowieso viel Scheinheiligkeit. Dabei ist es in der Politik doch so: Wenn du weg bist, bist du weg.“

Ist das wirklich so, Herr Billen? Zumindest in der Eifel, in Mainz und Trier werden Menschen noch manches Bitburger Pils und manchen Kaschenbacher Schnaps auf ihn trinken – und noch lange an diesen kantigen Politiker denken.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Traueranzeigen für den verstorbenen CDU-Politiker Michael Billen