Mieter sparen, Vermieter feilschen, Makler verdienen dennoch: Wie sich das Bestellerprinzip auf die Immobilienbranche in der Region auswirkt

Mieter sparen, Vermieter feilschen, Makler verdienen dennoch: Wie sich das Bestellerprinzip auf die Immobilienbranche in der Region auswirkt

Heute vor drei Monaten wurde das Bestellerprinzip eingeführt - doch die befürchteten Folgen blieben aus. Mieter freuen sich, keine Provision mehr zahlen zu müssen, und Makler haben weiter gut zu tun. Im September soll in Trier die Mietpreisbremse greifen.

Trier. Wer in Trier und Umgebung vor dem 1. Juni 2015 eine schöne Wohnung ergattern wollte, musste das Glück haben, einen Privatanbieter zu finden - oder genügend Geld für den Makler. Provisionen von bis zu 2,38 Kaltmieten waren normal. Unter 1000 oder 2000 Euro kamen Wohnungssuchende selten davon.

Das hat sich am 1. Juni 2015 radikal geändert, als das Bestellerprinzip eingeführt wurde. Seitdem gilt: Es zahlt, wer bestellt. Meist ist das nun der Vermieter. Befürchtungen waren damit viele verbunden. Doch nun - drei Monate später - erweisen sie sich als unbegründet. "Das neue System wirkt sich für die Mieter sehr positiv aus", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Die Sorge, Makler würden versuchen, Hintertüren zu finden, um den Mieter doch noch zur Kasse zu bitten, waren offenbar unangebracht. Makler hatten befürchtet, ihr Umsatz würde einbrechen, weil Vermieter Wohnungen vermehrt privat anbieten oder um die Höhe der Provision feilschen. Zwar wird nun tatsächlich eifrig verhandelt - doch das Ende des Maklergeschäfts bedeutet das Bestellerprinzip keineswegs.

Ralf Schlapp vom gleichnamigen Immobilienbüro ist optimistisch. Zwar hätten sich die Provisionen halbiert, doch seien Wohnungen auch schneller zu vermieten, da es mehr Interessenten gebe. Stephan Franzen, Chef von Der Vermietungs-Profi, sagt, der Bedarf sei ungebrochen: Einkommensprüfung, Schufa-Prüfung, wasserdichte Mietverträge und das Wissen, welche Miete möglich wäre - auf diese Leistungen und Sicherheiten wollten Vermieter nicht verzichten.

Selbst Haus und Grund, die Interessenvertretung der Vermieter, findet es in Ordnung, dass der Besteller bezahlt. Zahlen dazu fehlen bisher, doch eine langfristige Folge könnte sein, dass die Mieten steigen, weil Vermieter die Maklergebühren umlegen.

Das Schlimmste verhindern soll eine Mietpreisbremse. Dem Mainzer Finanzministerium zufolge wird diese in Trier, Mainz und Landau im Laufe des September eingeführt. Demnach dürfen Vermieter bei einer Wiedervermietung maximal zehn Prozent über der örtlichen Vergleichsmiete liegen. Wie hoch die ist, soll für Trier ein neuer Mietspiegel zeigen, der jedoch erst im kommenden Jahr vorliegt.

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