Ministerin fordert bundesweites Meldeportal für Ekel-Restaurants

Lebensmittelkontrollen : Ministerin fordert bundesweites Meldeportal für Ekel-Restaurants

Lebensmittelkontrolleure im Land stoßen auf hygienische Verstöße. Kunden finden aber kaum heraus, welche Betriebe sauber arbeiten. Verbraucherschützer sind für ein Smiley-System.

Kita-Kinder erkrankten an verdorbenen Käsespätzle, Eier waren mit Salmonellen behaftet, in der Schokoladencremetorte eines Hotels steckte eine Katzenkralle: Lebensmittelkontrolleure in Rheinland-Pfalz sind im vergangenen Jahr erneut auf Ekel-Zustände in Betrieben gestoßen. Wollen Verbraucher aber herausfinden, wo genau es hygienische Mängel gibt, fischen sie auf der Suche allzu oft im Trüben.

Die rheinland-pfälzische Ernährungsministerin Ulrike Höfken (Grüne) fordert nun ein bundesweites Portal, auf dem Verbraucher einsehen können, in welchen Betrieben es Ekel-Meldungen gab. Rheinland-Pfalz, das in diesem Jahr den Vorsitz der Verbraucherschutzministerkonferenz hat, soll dabei voranschreiten. Bis November solle eine Analyse vorliegen, wie die einzelnen Bundesländer die Meldungen handhabten. „Ziel ist danach eine gemeinsame, einheitliche Plattform, die Transparenz für den Verbraucher schafft“, sagte die Eifelerin bei der Bilanz der Lebensmitteluntersuchungen in Koblenz.

Damit gehen die Länder auf die Kritik von Verbraucherschützern ein. Die rheinland-pfälzische Verbraucherzentrale kritisiert, dass zu wenige Verstöße veröffentlicht werden. Die Organisation Foodwatch fordert, ein dänisches Modell mit Lach- und Weingesichtern zu schaffen.

Verbraucher in Dänemark erfahren im Internet oder an Ladentüren durch Smileys, wie es um die Sauberkeit von Lebensmittelbetrieben steht. Die Beanstandungen von Kontrolleuren sei mit dem System um die Hälfte zurückgegangen, sagt Sprecher Dario Sarmadi. Foodwatch bietet seit Januar unter anderem die Internet-Plattform „Topf Secret“ an, auf der Bürger die Veröffentlichung von Hygienekontrollen in Gastronomiebetrieben beantragen können. 1260 Anfragen seien bislang alleine aus Rheinland-Pfalz eingegangen, in denen Menschen sich nach der Sauberkeit von Restaurants, Hotels oder Metzgereien erkundigt haben. Bundesweit gab es dabei schwere Hygiene-Mängel wie den stark verschmutzten Lagerbereich in einem Fastfood-Restaurant in Baden-Württemberg, „schimmelähnliche Beläge“ in den Kühlräumen eines Leipziger Hotels und Schaben in einem Karlsruher Schnellimbiss.

Nicht alle Behörden in den Ländern liefern aber zuverlässig Daten, kritisiert Foodwatch. Der Grund sind rechtliche Bedenken. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga kritisiert, das Portal gefährde die Existenzen von Betrieben. Hunderte Lebensmittelbetriebe verklagen die Behörden. Laut Angaben von Verwaltungen liegen in der Region Trier bislang keine Klagen vor.

Ulrike Höfken sieht Versäumnisse beim Bund. Dieser wolle kein einheitliches Meldesystem schaffen, sagt die Eifelerin. Das von der CDU-Landeschefin Julia Klöckner geführte Bundesernährungsministerin sieht wiederum die Länder in der Pflicht, eigene Regelungen zu treffen. Seit dem 30. April sei ein Gesetz in Kraft, das Verbraucher sechs Monate lang über Lebensmittel-Verstöße informiere.

Ein großer Lebensmittel-Skandal blieb in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr aus. Dennoch beanstandeten die Kontrolleure im Land 11,5 Prozent von fast 20 000 Proben.

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