Missbrauchsopfer kritisieren Trierer Bischof wegen mangelndem Aufklärungswillen

Missbrauchsopfer kritisieren Trierer Bischof wegen mangelndem Aufklärungswillen

Rund vier Jahre nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche fällt die Bilanz bei den Opferverbänden nüchtern aus: Sie werfen dem Trierer Bischof Stephan Ackermann sogar Vertuschung vor.

Mit 18.000 Euro war Claudia Adams (41) entschädigt worden, weil ein Priester sie im Kindergartenalter sexuell missbraucht hatte - die höchste Entschädigung bei insgesamt 280.000 Euro, die Opfer im Bistum Trier erhalten haben sollen. Bischof Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der katholischen Kirche in Deutschland, hält den Skandal für aufgearbeitet.

Opferverbände jedoch sind empört. "Der Missbrauchsbeauftragte hat im eigenen Bistum Vertuschungen sowie erneute Verletzungen der Opfer möglich gemacht", sagt Thomas Schnitzler, Sprecher der Opferinitiative Missbit. Er selbst war mit einer Unterlassungsklage "seines Täters", wie er sagt, bedroht worden. 17 Opfer des einstigen Kaplans sind bekannt, elf hat das Bistum entschädigt.

Ackermann habe auch sein Versprechen, sich für die Aufhebung der Verjährung einzusetzen, nicht gehalten, sagt Schnitzler. Hermann Schell von der Opferinitiative Schafsbrief spricht von mangelnder Konsequenz. So gebe es Priester, die kein Führungszeugnis vorgelegt haben - wie in den überarbeiteten Leitlinien der katholischen Kirche vorgesehen.

Bistumssprecherin Judith Rupp bestätigte das Fehlen einzelner Zeugnisse. Diese würden fristgerecht bis zur Mitte dieses Jahres vorliegen. Laut Bistumssprecher André Uzulis wird das Bistum Trier Ende Januar außerdem aktuelle Zahlen zu den Missbrauchsfällen veröffentlichen.

Novum im Bistum Trier: Kürzlich verteilte ein des Missbrauchs beschuldigter Priester in einer Kirche Flugblätter, in denen er seine Unschuld beteuert. Auch der Geistliche prangert in seinem öffentlichen Brief Aufarbeitung der Missbrauchsfälle an.

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