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Mit Daten aus dem Polizeicomputer auf Jagd nach Betrügern

Mit Daten aus dem Polizeicomputer auf Jagd nach Betrügern

Ein Trierer Detektiv soll mit illegal aus Polizeicomputern beschafften Daten im Auftrag von Versicherungen Personen beschattet haben. Vor dem Landgericht Aschaffenburg müssen sich derzeit vier Polizisten und ein Detektiv aus dem bayrischen Marktheidenfeld, der die Daten an den Trierer Kollegen weitergeben haben soll, für den Datenklau verantworten.

Trier/Aschaffenburg. Es ist kein Geheimnis: Immer öfter setzen Versicherungen Detektive ein, um Versicherungsbetrug aufdecken zu lassen. Sie wollen herausfinden, ob ein Versicherter vielleicht zu Unrecht Krankentagegeld kassiert oder ob er, während er krankengeschrieben ist, schwarzarbeitet. "Haben auch Sie den Bedarf, jemanden beschatten zu lassen, um dadurch die Wahrheit ans Tageslicht zu fördern oder Beweise zu erlangen? Dann sprechen Sie gerne mit einem Detektiv unseres operativen Teams, der Sie gerne beraten wird!", wirbt eine bundesweit tätige Detektei auf ihrer Internetseite.

Versicherungsbetrügern auf der Spur



Doch nicht immer kommen die "Schnüffler" legal an die Daten derjenigen, die sie beschatten sollen. Derzeit wird vor dem Landgericht Aschaffenburg ein solcher Fall verhandelt. Vier Polizisten wird vorgeworfen, einem ehemaligen Kollegen, der nun als Detektiv tätig ist, Daten aus dem Polizeicomputer beschafft zu haben. Auch von Einwohnermeldeämtern sollen sich die Beamten die gewünschten Informationen beschafft haben.

Vier Jahre lang, von 2001 bis 2005, sollen die Beamten Daten zu Autobesitzern abgefragt und an den 55-jährigen pensionierten Polizisten weitergegeben haben. Die Polizisten müssen sich wegen Bestechlichkeit und des Verrats von Dienstgeheimnissen vor Gericht verantworten. Ihr Ex-Kollege, der Marktheidenfelder Detektiv, ist wegen Bestechung angeklagt.

Zwischen 25 und 50 Euro pro Auskunft sollen die Polizisten aus dem bayrischen Alzenau von dem Privatdetektiv erhalten haben. Einmal, so heißt es in Medienberichten, sollen sogar über 300 Euro geflossen sein.

380 Fälle sind angeklagt. Allerdings konnten den angeklagten Beamten von der Staatsanwaltschaft bisher nur 150 Fälle nachgewiesen werden. Der Detektiv aus Makrtheidenfeld in Bayern nutzte die Daten jedoch nicht selbst. Ein Sprecher des Landgerichts Aschaffenburg bestätigte dem TV, dass er sie an eine Detektei in Trier weitergab. Diese observierte im Auftrag von privaten Krankenversicherungen bundesweit Versicherte. Sie sollen Krankentagegeld bezogen haben, obwohl sie nicht krank gewesen waren. Der Sprecher des Landgerichts bezeichnete das Vorgehen als nicht unüblich, es komme häufiger vor, dass Versicherungen Detektive einschalten.

Laut Gericht hat der pensionierte Polizist irgendwann die Zusammenarbeit mit dem Trie-rer Detektiv gekündigt. Laut der 46-seitigen Anklageschrift soll dieser dann die Ermittlungen ins Rollen gebracht haben. Er soll zunächst anonym bei der Polizeiinspektion, in der die vier angeklagten Polizisten arbeiten, auf den Datenklau und die Verwicklung des Marktheidenfelder Detektivs hingewiesen haben. Vermutlich wollte er sich an dem Kollegen rächen, weil er keine Aufträge mehr von ihm bekommen hat. Der Trierer, gegen den wohl auch ermittelt wurde, soll in dem Prozess vor dem Aschaffenburger Landgericht als Zeuge vernommen werden. Die vier Polizisten haben sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.