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Mit Grönemeyer auf dem Weg zum Wahlsieg

Mit Grönemeyer auf dem Weg zum Wahlsieg

Mit einem Traumergebnis hat die rheinland-pfälzische CDU am Samstag ihre Chefin Julia Klöckner als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl nominiert. Die 42-Jährige präsentierte ihr Wahlprogramm und übte sich schon ein wenig als Landesmutter; die Abteilung Attacke überließ sie ihrem General Patrick Schnieder.

Auf den Tischen liegen Armutszeugnisse für die Landesregierung und Bauarbeiterhandschuhe mit der Aufschrift "Im Land gibt es jetzt viel zu tun", aus den Boxen ertönt laut Grönemeyers "Zeit, dass sich was dreht", während sich aus dem hinteren Teil des Saals eine winkende und lächelnde Julia Klöckner mit ihrer Entourage Richtung Bühne in Bewegung setzt.

Verändertes Image

Die 340 Delegierten - gemeldet waren deutlich mehr - stehen auf und klatschen rhythmisch; wer will, kann den schwarzen Triumphmarsch auch auf einer großen Übertragungsleinwand mitverfolgen. Es ist das Warmup, das Aufwärmprogramm für die folgenden fünf Stunden, an deren Ende sich die rheinland-pfälzischen Christdemokraten sicher sein werden, mit Julia Klöckner eine "hervorragende Spitzenkandidatin" zu haben, wie alle Redner betonen, und es im nächsten Jahr in Mainz endlich zurück in die Regierungsverantwortung zu schaffen

Julia Klöckner erinnert an die großen CDU-Ministerpräsidenten Helmut Kohl, Bernhard Vogel und den Trierer Carl-Ludwig Wagner und sagt, dass sie daran gerne anknüpfen möchte im März nächsten Jahres. Die 42-Jährige zählt schon die Tage bis dahin - 176 sind es an diesem Samstag noch - und sagt, dass sie bereit sei. Um das zu untermauern, sagt Klöckner, was sie als Erstes tun wird, wenn sie denn ab nächstem Frühjahr auf dem Ministerpräsidentinnensessel in der Staatskanzlei thront, auf dem jetzt noch Malu Dreyer sitzt. Die SPD-Frau schneidet bei den in Umfragen erhobenen Sympathiewerten deutlich besser ab als ihre Herausforderin. Wer Klöckner kennt, weiß, wie sehr sie das wurmt, auch wenn sie es nie zugeben würde.

Sie hat deshalb schon vor einiger Zeit damit begonnen, ihr Image zu verändern. Klöckner ist politisch längst nicht mehr so auf Krawall gebürstet wie früher, sie lächelt viel häufiger, wirkt freundlicher, einnehmender. Die CDU-Vorsitzende weiß um die große Stärke ihrer Trierer Konkurrentin.

Auf dem Frankenthaler Parteitag sind Klöckners verbale Attacken auf den politischen Gegner denn auch eher Giftpfeilchen. Für die Schläge in die rot-grüne Magengrube ist zuvor der mit nahe 100 Prozent wiedergewählte Generalsekretär Patrick Schnieder zuständig.

Minutenlange Ovationen

Die Spitzenkandidatin dagegen sagt, was sie ändern will, wenn die CDU in Rheinland-Pfalz zurück an der Macht ist: etwa mehr Geld für Straßen und Breitbandausbau, mehr Lehrer und mehr Polizisten, Schülerforschungszentren und Familiengeld, dafür weniger Gutachten, Hochglanzbroschüren und keine "überflüssige Energieagentur" mehr, mit der Rot-Grün seine Klientel pflege.

Am Ende ihrer gut 70-minütigen Rede springen die Delegierten auf, auch das zuvor artig am Bühnenrand sitzende und der Vorsitzenden lauschende Dutzend JUler. Es gibt minutenlange Ovationen, auch viele "Julia"-Rufe sind zu hören. Sie sei "ein Glücksfall für Rheinland-Pfalz und die CDU", sagt der ehemalige Parteichef Johannes Gerster, den viele jüngere Delegierte schon gar nicht mehr kennen.

Bei der Landtagswahl vor 19 Jahren trat der heute 74-jährige Gerster selbst als temperamentvoller Ministerpräsidenten-Kandidat gegen den SPD-Mann Kurt Beck an - und unterlag. "Dieses Mal", sagt Gerster selbstsicher, "werden wir gewinnen und regieren." Drei Fragen an Patrick Schnieder

Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe in der Zeit bis zu Landtagswahl?

Schnieder: Wir Christdemokraten werden klar machen, dass Julia Klöckner und die CDU mit frischem Schwung und neuer Kraft das Land aus dem rot-grünen Stillstand befreien können.

Was könnte verhindern, dass die CDU am 13. März nicht stärkste Partei wird?

Schnieder: Ich besitze keine hellseherischen Fähigkeiten, aber seit 2011 ist die CDU bei Bundestags-, Europa- und Kommunalwahlen der Wahlsieger in Rheinland-Pfalz. Seit geraumer Zeit liegt die Union in sämtlichen Umfragen bei rund 42% und deutlich vor der SPD - das ist die derzeitige Ausgangslage. Warten wir den Wahltag ab und dann sehen wir weiter.

Wer wird bei einem Regierungswechsel in Mainz Ihr Nachfolger als CDU-Bundestagsabgeordneter?

Schnieder: Nach der Landtagswahl ist vor der Bundestagswahl. Ich bin Bundestagsabgeordneter mit Leib und Seele. Eine Landtagswahl hat auf Bundestagsmandate keine Auswirkungen.


Meinung

Warum sich die Landes-SPD vor der CDU in Acht nehmen muss

Von Rolf Seydewitz

Geschlossenheit und Entschlossenheit - an beidem hat es der rheinland-pfälzischen CDU in der Vergangenheit gemangelt. Das sind die Hauptgründe, warum die Einst so sieggewohnten Christdemokraten im Land der Reben und Rüben fast ein Vierteljahrhundert auf den unbequem,ein Oppositionsbänken sitzen und mit Regieren nichts mehr am Hut haben. Im März nächsten Jahres soll sich dies ändern. Ein Ziel, dem sich alles und alle in der Landespartei unterordnen. Das ist auch und vor allem der Verdienst der CDU-Vorsitzenden und Spitzenkandidatin Julia Klöckner. Sie hat die Partei nicht nur programmatisch und personell neu aufgestellt, sondern bei den gefrusteten und unmotivierten Mitgliedern und Funktionären auch Selbstbewusstsein und Siegeswillen neu entfacht. Dass dies am Ende nur von Erfolg gekrönt sei kann, wenn alle in der Partei zusammenhalten und der Angriffsfokus auf den politischen Gegner gerichtet ist, ist inzwischen allen in der CDU klar. Das macht die Landes-CDU, auch abseits der aktuellen Umfragewerte und der Jubelstimmung auf dem Frankenthaler Parteitag, zu einem gefürchteten und ernstzunehmenden Kontrahenten einer oftmals träge und ausgelaugt wirkenden SPD. So viel ist sicher: Die Klöckner-CDU hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. r.seydewitz@volksfreund.de