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Moderne Tafeln, aber keine Tablets

Moderne Tafeln, aber keine Tablets

Wie die Schulen die digitale Herausforderung meistern. Das Land sieht sich trotz Kritik in einer Vorreiterrolle - und gibt Grundschulen mehr Geld.

Michael Schillo ist zufrieden. Die digitale Ausstattung seiner Schule sei "prinzipiell sehr gut". Schillo ist am Gymnasium Hermeskeil unter anderem für den Informatikunterricht zuständig. Die Schule verfüge über vier Räume mit jeweils 16 Computern für die Schüler, durch einen Notebookwagen mit 16 Notebooks könne etwa jeder Schüler der siebten und achten Klassen im Medienunterricht am eigenen Rechner arbeiten.

Digitalisierung, sagt Schillo, spiele am Hermeskeiler Gymnasium eine "wichtige Rolle". Computer kämen unter anderem in den Fächern Musik und Bildende Kunst, aber auch in Mathematik zum Einsatz. In Französisch, Englisch oder Latein dürften die Schüler auch mal ihre eigenen Smartphones benutzen, ebenso zur Internetrecherche in Erdkunde und Geschichte, sagt Schillo.
Doch längst nicht in allen Schulen in der Region ist die Digitalisierung so weit vorangeschritten wie in Hermeskeil. Dabei ist fast überall der Wille da, Computer, Laptops oder Tablets einzusetzen. Doch oftmals scheitert es an der mangelhaften Ausstattung.

Digitalisierung spiele schon eine Rolle an der Schule, sagt Marianne Schönhofen, Leiterin der Kurfürst-Balduin-Realschule plus in Wittlich. Aufgrund der Ausstattung sei aber nicht "alles überall im Schulgebäude möglich". Es gebe nicht überall einen kabellosen Internetzugang, und der mobile Laptop-Wagen sei sehr wartungsintensiv. "Das frustriert die Benutzer", sagt Schönhofen. Der Schulträger, der Landkreis Bernkastel-Wittlich, sei aber sehr engagiert.

Zusammen mit den Schulen entwickle er zurzeit ein Multimedia-Konzept. Auch an der gleichnamigen Realschule plus in Trier setzt man, so weit wie möglich, auf digitale Medien im Unterricht. Zunehmend stellten auch die Schulbuchverlage entsprechendes Material zur Verfügung, sagt Schulleiter Eugen Lang. Auch das Land Rheinland-Pfalz biete auf einem eigenen Bildungsserver multimediale Unterrichtshilfen wie Filme und Themenpakete an, die ebenfalls zum Einsatz kämen.

"Die Digitalisierung spielt zunehmend eine größere Rolle", sagt Jürgen Scholz. Der Schulleiter der berufsbildenden Schule in Saarburg bezeichnet die digitale Ausstattung dort als "zufriedenstellend, aber durchaus noch ausbaubar". Zum Einsatz kämen Computer, Laptop, Beamer, Filmkamera und Whiteboard. Whiteboards sind interaktive, digitale Tafeln, die mit einem Computer verbunden und als Bildschirm benutzt werden können. Mittlerweile gehören diese Tafeln fast schon zur Standardausstattung in Schulen. Doch meist nicht in allen Klassen.

Für 820 Schüler in 23 Klassen stünden sechs Whiteboards zur Verfügung, von denen aber nur drei mit dem Internet verbunden werden könnten, sagt Patrick Lohberg, Er ist Medienbeauftragter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Daun. Zum großen Teil arbeiteten er und seine Kollegen mit alten Geräten, "die dringend ersetzt werden müssten". Sowohl der Schulträger als auch das Land stellten nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung, um den Erhalt der bestehenden Ausstattung und die Anschaffung von neuen Geräten zu gewährleisten, kritisiert Lohberg. Viele Neuanschaffungen würden durch den Förderverein der Schule finanziert.

Viele Schulen sind in Trägerschaft der Kommunen. Diese sehen klar das Land in der Pflicht, mehr Geld für die Digitalisierung zur Verfügung zu stellen.

Nicht alleine die Schulen und deren Träger seien für die Sicherstellung der Medienbildung verantwortlich, heißt es beim rheinland-pfälzischen Gemeinde- und Städtebund. Voraussetzung sei zunächst einmal, wie im Koalitionsvertrag versprochen, dass es flächendeckend im Land ein schnelles Internet gebe. Nur dann könnten die Inhalte der Medienbildung und die Nutzung der digitalen Medien im Unterricht auch sichergestellt werden, so der kommunale Spitzenverband. "Es fehlt deutlich am politischen Willen, digitale Medien in den Schulalltag einzuführen", sagt auch Jim Preuß, Vorstandsmitglied der Landesschülervertretung.

Das Land hingegen sieht sich als Vorreiter in Sachen digitaler Bildung. "Lehren und Lernen mit digitalen Medien ist fester Bestandteil des Unterrichts in Rheinland-Pfalz", sagt Sabine Schmitt, Sprecherin des Bildungsministeriums. Digitale Kompetenz werde zum verpflichtenden Bestandteil der Lehreraus-, -fort- und -weiterbildung. Auch werde man die technische Ausstattung der Grundschulen verbessern, sagt Schmitt. In den kommenden beiden Schuljahren würden bis zu 250 Grundschulen in das Landesprogramm "Medienkompetenz macht Schule" aufgenommen und entsprechend gefördert.DIGITALSTRATEGIE DER BUNDESLäNDER

Die Bildungsminister der Bundesländer haben sich im vergangenen Jahr auf eine Digitalstrategie verständigt. Damit sollen Schüler und Lehrer rasch für computerbasierten Unterricht fit gemacht werden. Dabei geht es etwa um das Suchen, aber auch um das Bewerten von Informationen, um Verhaltensregeln bei der Online-Kommunikation und um digitale Lernmöglichkeiten für jedes einzelne Schulfach. In unserer Serie Schöne neue Welt?! beschäftigen wir uns mit den Auswirkungen der Digitalisierung. In vorangegangenen Teilen haben wir uns mit dem Stand der Digitalisierung in der Verwaltung und der Arbeitswelt beschäftigt. Demnächst wird es um die Digitalisierung des Gesundheitswesens gehen - und um Vor-, aber auch Nachteile, die diese den Patienten bringen kann. Und darum, wie die Klinik der Zukunft aussehen wird.