Moralisches Niemandsland
Der Trierer Bischof Reinhard Marx hat sich erneut vehement gegen Sterbehilfe ausgesprochen. Es sei "schrecklich", wenn Organisationen mit materiellen Interessen Menschen zur Selbsttötung verhelfen wollten, sagte Marx im "Wort zum Sonntag" des SWR-Hörfunks.
Trier. (dpa ) Marx sagte, die Kirche werde nie einverstanden sein können mit Verhaltensweisen oder Gesetzen, die die Tötung menschlichen Lebens in Kauf nähmen. Dies gelte für das ungeborene ebenso wie für das kranke und schwache Leben. Eine Zivilisation dürfe die Ehrfurcht vor dem Leben nicht verlieren. "Das Leben jedes Menschen zu schützen und dazu beizutragen, dass es sich entfalten und entwickeln kann, ist die wesentliche Grundlage des Miteinanders in unserer Gesellschaft", sagte der Bischof. Marx wird Anfang Februar Erzbischof von München und Freising. Es sei "schrecklich", wenn Organisationen mit materiellen Interessen Menschen zur Selbsttötung verhelfen wollten. "Dann würden wir in ein moralisches Niemandsland kommen." Das Leben sei ein Geschenk — "und deshalb kann es auch kein absolutes Verfügungsrecht über das menschliche Leben geben, weder über das eigene, noch über das Leben anderer", sagte Marx. Der Sterbehilfe-Verein "Dignitate" hatte im November mit der Ankündigung, einem Schwerkranken beim Freitod zu helfen, eine erneute Diskussion über Sterbehilfe ausgelöst.