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Mordanklage gegen Hunsrücker Soldat: Prozess im April - Motiv für Gewaltverbrechen weiter unklar

Mordanklage gegen Hunsrücker Soldat: Prozess im April - Motiv für Gewaltverbrechen weiter unklar

Er soll einen Rentner erstochen und eine Jugendliche schwer verletzt haben: Ab Mitte April muss sich deshalb ein 20-jähriger Soldat aus der Hunsrückgemeinde Morbach in Bayern vor Gericht verantworten. Über das Motiv des Mannes wird weiter gerätselt.

 Ermittler am Tatort in Bad Reichenhall. Foto: TV-Archiv/Gabriele Hassin
Ermittler am Tatort in Bad Reichenhall. Foto: TV-Archiv/Gabriele Hassin

Wird der mutmaßliche Gewaltverbrecher am Ende nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden? Das ist für den Rosenheimer Verteidiger Harald Baumgärtl eine der entscheidenden Fragen in dem demnächst am Landgericht Traunstein (Oberbayern) beginnenden Prozess gegen seinen 20-jährigen Mandanten. Unter anderem von der Antwort auf diese Frage hängt ab, für wie viele Jahre der ehemalige Gebirgsjäger bei einer Verurteilung im Gefängnis landen wird. Beim Jugendstrafrecht steht die Erziehung im Mittelpunkt, die Strafe fällt daher meist deutlich geringer aus als beim Erwachsenenstrafrecht.

Polizei: Rentner war Zufallsopfer

Der in Bad Reichenhall stationierte Soldat soll nach dem Fußball-WM-Endspiel im vergangenen Juli einen 72-jährigen Rentner auf offener Straße ermordet haben. Nur eine Viertelstunde später soll der Gebirgsjäger eine 17-jährige Auszubildende überfallen und schwer verletzt haben.

"Zufallsopfer", meinte seinerzeit der leitende Ermittler. "Der Rentner und die junge Frau waren zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie hatten keine Chance."

Es dauerte fast drei Wochen, bis die auf 60 Kripobeamte aufgestockte Sonderkommission nach einem Hinweis aus der Bad Reichenhaller Kaserne auf die Spur des Soldaten kam. An Kleidungsstücken aus seinem Spind wurden Blutspuren gefunden, die von den beiden Opfern stammen, wie die kriminaltechnische Untersuchung ergab.

Flucht über Morbach

Der mutmaßliche Täter war zunächst noch dienstlich in Unterfranken, bevor er mit der Bahn nach Morbach fuhr. Einen Tag später, das ergaben die Ermittlungen, flog der 20-Jährige dann von Frankfurt aus nach Norwegen, wo er Anfang August verhaftet wurde. Er war in der Nähe von Trondheim zu Fuß unterwegs und leistete bei seiner Festnahme keinen Widerstand.

Seit seiner Auslieferung im Oktober sitzt der Gebirgsjäger in der Justizvollzugsanstalt Traunstein in Untersuchungshaft. Das Gericht hat ihm den Rosenheimer Anwalt Harald Baumgärtl als Pflichtverteidiger zugewiesen, der laut bayerischen Medien zu den renommiertesten Strafverteidigern dort zählt. "Wir haben ein offenes und gutes Verhältnis", sagt Baumgärtl unserer Zeitung über die Beziehung zu seinem Mandanten, der sich bislang zu den Hintergründen der ihm vorgeworfenen Taten nicht geäußert habe. Ob und in welcher Form er dies tun werde, müsse man sehen, sagt sein Verteidiger.

Der Prozess gegen den früher bereits wegen Körperverletzung und Ladendiebstahls polizeilich in Erscheinung getretenen Morbacher soll Mitte April beginnen und voraussichtlich mindestens fünf Verhandlungstage dauern.