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Müssen sich Hausbesitzer bald gegen Unwetter versichern? Land will Police zur Pflicht machen

Müssen sich Hausbesitzer bald gegen Unwetter versichern? Land will Police zur Pflicht machen

Müssen sich Hausbesitzer bald gegen Hochwasserschäden pflichtversichern? Die rheinland-pfälzische Landesregierung ist nach den Unwettern in diesem Sommer dafür. Doch Versicherer lehnen den Vorschlag ab.

Das alte Bauernhaus im Eifelort Lasel stammt aus dem Jahr 1876. Monatelang werkelt Klaus Hinterlang daran, um es als Ferienwohnung zu vermieten. Als er fertig ist, regnet es. So heftig, dass der nahe gelegene Bach über das Ufer tritt, Wasser in das Haus fließt und 1,50 Meter hoch steht. Die Räume, die Möbel - zerstört. Das Unwetter tobte im Juni und kostet Hinterlang fast 30.000 Euro. Er war gegen Hochwasserschäden nicht versichert.

Ein Fall, wie es ihn nach dem Wunsch der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) nicht noch einmal geben soll. Sie setzt sich dafür ein, die sogenannte Elementarschadenversicherung zur Pflicht für alle Hausbesitzer in Deutschland zu machen; diese sichert gegen Naturgefahren wie Hochwasser, Sturm und Erdbenen ab.

Bislang greift nur jede vierte Hausbesitzer in Rheinland-Pfalz (24 Prozent) zu einer Elementarschadenversicherung. Der rheinland-pfälzische Verbraucherschutz führt das auf die Preise zurück. In Risikozonen, wo es häufig und stark regnet, könne der jährliche Betrag in die Tausende Euro gehen, schätzt Versicherungsexperte Michael Wortberg. "Je mehr Menschen versichert sind, desto günstiger wird es", sagt er.

Die Versicherer sträuben sich gegen die Pflichtidee. Kommunen und Hausbesitzer verlieren durch eine Versicherung für jedermann den Anreiz, gegen Hochwasser vorzubeugen, sagt ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV). Und: Wer bislang auf den Schutz verzichte, weil er nicht am Fluss wohnt, zahle danach deutlich mehr. Die Justizminister der Bundesländer beraten im September über den Vorstoß der Umweltminister.

Alleine die Unwetter in diesem Jahr kosten Versicherer 1,2 Milliarden Euro, schätzt der GdV. Das Land Rheinland-Pfalz arbeitet nach den Erfahrungen etlicher Überschwemmungen nun enger mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zusammen, um Risikogebiete von Unwettern besser enttarnen zu können. Der DWD teilt mit, er arbeite an präzisen Starkregenkarten, die er Kommunen zur Verfügung stellen wolle. Diese sollen helfen, sich gegen Hochwasser zu schützen.Mehr zum Thema

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