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"Muss denn erst ein Kind sterben?" - Hilferuf einer Mutter: Sohn wegen gefährlicher Kräutermischung auf Intensivstation

"Muss denn erst ein Kind sterben?" - Hilferuf einer Mutter: Sohn wegen gefährlicher Kräutermischung auf Intensivstation

Noch immer kursieren die gefährlichen Kräutermischungen, die mit künstlich hergestellten Drogen vermischt sind, in der Region. Der TV sprach mit der Mutter eines 18-Jährigen, der deswegen eine Nacht auf der Intensivstation behandelt worden ist.

Die Mutter ist aufgebracht. "Schreiben Sie nur, dass die Polizei sagt, sie kann nichts machen, weil das Zeug legal sei", sagt die 42-Jährige aus einem Dorf im Kreis Trier-Saarburg. Mit dem Zeug meint sie die Kräutermischungen, die sogenannten Legal Highs, der derzeit in der Region kursieren (der TV berichtete).

Ihr Sohn, gerade 18 geworden, hat die gefährliche Mischung, die mit künstlich hergestelltem Cannabis oder anderen schnell wirkenden Drogen versetzt sind, geraucht und musste vor drei Tagen eine Nacht auf der Intensivstation des Trierer Mutterhauses verbringen. Genau wie schon mindestens sechs weitere Jugendliche aus der Region in den vergangenen Wochen. Auch sie haben die Kräutermischungen geraucht und landeten dann mehr oder weniger bewusstlos in der Klinik. Wie ihr Sohn an die Mischung gekommen sei, wisse sie nicht, sagt die Mutter des 18-Jährigen. Dass er überhaupt Legal Highs konsumiere, habe sie erst Dienstagnachmittag erfahren, als ihr Sohn bewusstlos und mit schwachem Puls in seinem Zimmer lag. Während sie Polizei und Krankenwagen angerufen hat, habe sie kleine schwarze Plastiktütchen in seinem Zimmer gefunden.

Erst normal, dann nur gelallt

Zuvor habe sie keinen Verdacht gehabt, dass er Drogen nehme, sagt die 42-Jährige und schildert, was sie in den vergangen Tagen mit ihrem Sohn erlebt hat. Am Samstagabend sei der dann noch 17-Jährige von einer Party gekommen, "noch ganz normal". Doch am Sonntag sei er den ganzen Tag in seinem Zimmer gewesen und habe die ganze Zeit den Eindruck gemacht, er sei "voll besoffen". Er habe nur noch gelallt, sei aber ansprechbar gewesen.

Auch am Montagmorgen sei er noch arg benommen gewesen, habe getorkelt, zur Arbeit habe der Auszubildende nicht gehen können. Es sei ihr zwar komisch vorgekommen, dass ihr Sohn solange besoffen sein soll, aber es sei noch nicht so schlimm gewesen, dass sie ihn ins Krankenhaus bringen wollte. Erst am Dienstag, als er immer noch die ganze Zeit in seinem Zimmer gewesen sei und sich am Nachmittag sein Zustand so verschlechtert habe, dass er das Bewusstsein verloren und fast keinen Puls mehr gehabt habe, habe sie den Krankenwagen gerufen.

Die Polizei habe ihr dann gesagt, dass sie nichts machen könne. Die Mischungen seien legal. Weil sie nicht unter das Arzneimittelgesetz fallen, ist es nicht verboten, sie zu verkaufen oder eben zu rauchen. "Das kann doch nicht sein, dass die Polizei nichts machen kann. Die Leute, die unseren Kindern so etwas andrehen, müssen doch bestraft werden", ereifert sich die Mutter.

Die Polizei und Wolfgang Thomas, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Trierer Mutterhaus bestätigen, dass der 17-Jährige am Dienstag in das Krankenhaus eingeliefert worden ist. Erst am vergangenen Montag wurden eine 18-Jährige und ein 17-Jähriger mit Bewusstseinsstörungen, nachdem sie Kräutermischungen geraucht hatten, ins Mutterhaus gebracht. Mitte September waren es gleich vier Jugendliche an einem Tag, die deswegen auf der Intensivstation behandelt werden mussten.

Laut Thomas besteht bei einem vergangene Woche eingelieferten Abiturienten ebenfalls der Verdacht auf den Konsum von Legal Highs. Der Jugendmediziner ist ratlos, warum sich die Fälle derzeit derart häufen.

Und die Mutter des mittlerweile 18-Jährigen ist wütend. Sie fühlt sich alleine gelassen. Niemand helfe den betroffenen Eltern. Weder Polizei noch Drogenberatung. Sie vermutet, dass ihr Sohn direkt, nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen worden ist, wieder das Zeug geraucht hat. "Muss denn erst ein Kind sterben, bevor etwas geschieht?" sagt sie verzweifelt.