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Mutmaßlicher islamistischer Terrorist: Plädoyers im Prozess

Koblenz. Im Koblenzer Prozess gegen einen mutmaßlichen islamistischen Terroristen hat die Generalstaatsanwaltschaft am Dienstag eine Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren Haft gefordert. Nach Einschätzung der Verteidigung dagegen wäre eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren angemessen - diese könnte zur Bewährung ausgesetzt werden. dpa

Das teilte die Sprecherin des Oberlandesgerichts (OLG), Petra Zimmermann, mit.

Der 24-jährige angeklagte Syrer schloss sich laut der Generalstaatsanwaltschaft 2013 als Heranwachsender in der syrischen Stadt Deir ez-Zor der Terrororganisation Ahrar al-Scham an. Diese wolle mit Mord, Totschlag und Kriegsverbrechen einen fundamentalistisch-islamistischen Staat errichten.

Oberstaatsanwalt Christopher do Paço Quesado rückte in seinem Plädoyer am Dienstag laut der Sprecherin Zimmermann allerdings von seinen ursprünglichen Vorwürfen ab, der Angeklagte habe sich zum Scharfschützen ausbilden lassen, sich an Gefechten mit der Waffe beteiligt und als ein Emir eine 40-köpfige Einheit von Ahrar al-Scham befehligt. Er habe jedoch bewusst „Versorgungsleistungen“ für die terroristische Gruppierung Ahrar al-Scham erbracht.

Verteidiger Klaus Adam zufolge hatte der Angeklagte dagegen in Ahrar al-Scham keine Terrororganisation, sondern nur eine Widerstandsgruppe gegen das syrische Regime gesehen, wie OLG-Sprecherin Zimmermann weiter berichtete. Das Urteil soll am 21. März verkündet werden.

Der Syrer war als Flüchtling nach Deutschland gekommen und im April 2018 mit zwei Landsleuten im Saarland festgenommen worden. Auch gegen die beiden anderen Syrer begannen Terrorprozesse vor dem OLG Koblenz. Die Vorwürfe gegen sie hängen aber nicht direkt zusammen.