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Nach 20 Jahren endlich im Traumberuf: Der Fall eines 41-jährigen Maurerazubis zeigt, dass man seinen Talenten folgen sollte

Nach 20 Jahren endlich im Traumberuf: Der Fall eines 41-jährigen Maurerazubis zeigt, dass man seinen Talenten folgen sollte

Volljurist, Versicherungsfachmann, Garten- und Landschaftsbauer – und Maurerazubi: Der Lebenslauf von Jürgen Stark ist schillernd und ungewöhnlich zugleich. Die Laufbahn des 41-Jährigen zeigt aber auch, dass der erstbeste Weg nicht immer der erfüllende ist.

Ja, jetzt arbeitet er endlich in seinem Traumberuf als Maurer. Dass es für den 41-jährigen Jürgen Stark aus Trier mehr als 20 Jahre dauert, bis er das sagen kann, ist auch am Arbeitsmarkt selten. Und doch zeigt sein Lebenslauf, dass unentdeckte Talente doch eines Tages gehoben werden wollen.

Dass er der Erste in der Familie mit Abitur und Hochschulabschluss war, hat ihm zunächst Selbstbestätigung gegeben. "Ich wollte wissen, wie weit ich komme, und meinen Eltern zeigen, dass ich es schaffe", sagt er. Dabei sei er "nie glücklich, nie erfüllt" gewesen. Was hat ihm gefehlt? "Der Spaß an der Arbeit, die Abwechslung, dass ich am Ende des Tages etwas mit meinen Händen geschaffen habe", sagt Stark. Nebenjobs als Umzugshelfer dagegen bescheren ihm die Zufriedenheit, die er sucht.

Dabei hat er zunächst scheinbar alles richtig gemacht, hat Schnuppertage an Unis besucht und die Berufsberatung aufgesucht. Und wird bestärkt in seinem Wunsch zu studieren. Nach seinem zweiten Staatsexamen in Jura wird er Versicherungsfachmann - und landet schließlich im Garten- und Landschaftsbau. Dadurch lernt er Michael Stolz aus Trier mit seinem Bauunternehmen kennen. Der ist froh über einen neuen motivierten und vielseitig begabten Maurer-azubi. Denn am Bau werden Fachkräfte gesucht. "Ich musste mich irgendwann entscheiden, ob ich einen Neuanfang wage oder bis zur Rente wie bisher weitermache", sagt Jürgen Stark. In der Berufsschule ist er nun der "Renni", der Rentner: "Ich bin durch mein Vorleben ruhiger als 16-Jährige. So kann ich auch mal Tipps geben", sagt der Alt-Azubi. Und er schätzt an den Handwerkern, "dass die Arbeit nie starr ist und man vieles abschauen kann. Im Handwerk braucht man schon Köpfchen."

Nun hat er seinen Traumberuf gefunden, vor Weihnachten wird er seine Lehre beenden. Wie geht's weiter? "Ich weiß, dass ich bei Michael Stolz bleiben könnte, aber ich möchte in Luxemburg Geld verdienen." Auch der Meisterbrief ist ein Ziel: "Ich werde definitiv in diesem Beruf bleiben!"