Nach Dürrejahr: Private und kommunale Waldbesitzer bekommen Hilfen

Dürreschäden in Wäldern : Land wehrt sich gegen gefräßige Borkenkäfer

Private und kommunale Waldbesitzer bekommen Hilfen. Den Erfolg heftet sich ein Eifeler CDU-Mann an den „politischen Colt“.

Für Waldbesitzer war der Borkenkäfer der große Alptraum des vergangenen Jahres. Durch den Dürresommer vermehrte sich das gefräßige Insekt explosionsartig, futterte Löcher in die Rinden und richtete an Bäumen massiven Schaden an. Nachdem das Land im Doppelhaushalt 2019/20 bereits insgesamt 14 Millionen Euro draufgesattelt hat, um wirtschaftliche Schäden im Staatswald zu beheben, legt es nun auch bei kommunalen und privaten Waldbesitzern nach. Je 3,5 Millionen Euro zusätzlich stellt das Land ihnen in den kommenden beiden Jahren zur Verfügung, teilte Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne) mit.

„Die extremen Wetterereignisse des vergangenen Jahres haben dem Wald in Rheinland-Pfalz stark zugesetzt“, sagt die Eifelerin. 84 Prozent der rheinland-pfälzischen Waldbäume seien krank, bis April rund 1,6 Millionen Festmeter Schadholz durch Schäden und Borkenkäfer-Befall angelaufen. „In den kommenden Jahren wird es erforderlich sein, durch Wiederaufforstungen und Vorausverjüngungen in gefährdeten Beständen einen klimastabileren Wald aufzubauen“, begründet Höfken die Hilfen. Um Waldbesitzern zu helfen, schichtet das Land Mittel aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) um.

Der Eifeler CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen lobt die Hilfen. Der Oppositionspolitiker spricht aber auch davon, das Land in Ausschüssen und im Parlament überhaupt erst zu der Unterstützung getrieben zu haben. „Das hefte ich mir an meinen politischen Colt“, sagt der Kaschenbacher, der von einem sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz spricht. Und doch warnt Billen: Der Zuschlag von 3,5 Millionen Euro genüge nicht. In einem Antrag im Mainzer Landtag hatte die CDU-Fraktion eine Summe von 20 Millionen Euro genannt, die der gesamte rheinland-pfälzische Wald benötige.

Wolfgang Schuh, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Waldbesitzerverbandes, spricht von einem „positiven Signal“, vermutet hinter der guten Nachricht wenige Tage vor der Wahl aber auch Taktik. „Wenn wir nochmal einen Dürresommer wie 2018 erleben, werden die Hilfen nicht reichen“, fürchtet er. Beim Verfahren warnt er wiederum vor zu viel Bürokratie, die Waldbesitzer abschrecken könnte, Fördermittel überhaupt zu beantragen. „Einen ersten Anfang“ nennt Karl-Heinz Frieden die Hilfen aus Mainz.

Der Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Gemeinde- und Städtebundes setzt zugleich weitere Hoffnungen in einen Waldgipfel am 11. Juni, zu dem Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Ulrike Höfken eingeladen haben. Die Forstministerin erwartet wiederum mehr Unterstützung vom Bund, um kommunalen und privaten Waldbesitzern zu helfen.

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