Nach Einigung: Chancen für Formel 1 am Nürburgring gestiegen

Nach Einigung: Chancen für Formel 1 am Nürburgring gestiegen

Sanierer und Pächter des insolventen Nürburgrings sehen sich am Ziel. Ein jahrelanger Rechtsstreit über die Zukunft der traditionellen Rennstrecke ist abgewendet. Die Formel 1 kann möglicherweise doch 2013 rollen.

Einigung am Ring: Die Chancen für die Formel 1 am insolventen Nürburgring im nächsten Jahr steigen. Sanierer und Pächter haben sich nach monatelangem Streit über die Zukunft der weltbekannten Eifel-Rennstrecke geeinigt. Beide Seiten hätten einen Vertrag unterschrieben, teilten Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt und Sachwalter Jens Lieser sowie die private Nürburgring Automotive GmbH (NAG) am Dienstag mit.

Die NAG wird nach der Vereinbarung die Formel 1 im nächsten Jahr ausrichten, falls die Verhandlungen mit Bernie Ecclestone erfolgreich sind. Alle Veranstaltungen seien gesichert, heißt es bei den Sanierern. Dazu zählten auch die Spektakel „Rock am Ring“ oder „Truck Grand Prix“.

„Der gordische Knoten ist durchschlagen“, erklärte Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt per Mitteilung. Eigentum und Besitz des Rings seien wieder in einer Hand. Alle Mitarbeiter der NAG bekämen ein Angebot. Das operative Geschäft liegt nach Angaben des Sprechers der Sanierer nur bei Schmidt.

Die NAG-Gesellschafter Jörg Lindner und Kai Richter erklärten, der Bestand des Rings werde gesichert. Beide Seiten beurteilten die Einigung positiv. Damit wurde ein jahrelanger Rechtsstreit vor Gericht um eine Räumungs- und eine Zahlungsklage vermieden. Der ausgehandelte Vertrag regelt den Betrieb, der nach der Insolvenz rückwirkend zum 31. Oktober auf die neue Nürburgring Betriebsgesellschaft übergehen soll. Forderungen und Schulden wurden gegengerechnet. Der bisherige Pächter NAG muss demnach lediglich noch 270.000 Euro zahlen. Richter und Lindner führen weiter ein Hotel und das Gastronomiedorf „Grüne Hölle“. Das Land Rheinland-Pfalz hatte der Betreiberfirma im Februar wegen ausstehender Pacht gekündigt.

Im Februar oder März soll die Investorensuche für den Ring starten. Richter und Lindner wollen sich bewerben. „Spiegel Online“ schrieb, die Pächter übernähmen möglicherweise bis Ende 2015 diverse Führungsaufgaben am Ring und kassierten dafür ein Millionenhonorar. Dies wies der Sprecher der Sanierer zurück.

Die frühere SPD-Alleinregierung unter Ministerpräsident Kurt Beck hatte am Ring einen Freizeitpark für rund 330 Millionen Euro gebaut, der als zu groß gilt. Nach dem Scheitern der Suche privater Geldgeber übernahm die NAG den Betrieb, weniger Besucher kamen als erwartet. In diesem Sommer musste die staatliche Besitzfirma Insolvenz anmelden. Vor dem Landgericht Koblenz ging derweil der Prozess um die damals gescheiterte Nürburgring-Finanzierung weiter. Erstmals waren zwei frühere rheinland-pfälzische Kabinettsmitglieder im Zeugenstand: Ex-Innenminister Karl Peter Bruch und der damalige Justizminister Heinz Georg Bambergernahmen den angeklagten ehemaligen Finanzminister Ingolf Deubel (alle SPD) bei ihren Aussagen in Schutz.

Es habe „überhaupt kein Zweifel“ bestanden, dass Deubel weder dem Land noch der Nürburgring GmbH Schaden zufügen wollte. „Herr Deubel hat uns nach meinem Eindruck ausführlich mündlich darüber unterrichtet“, sagte Bamberger mit Blick auf damalige Kabinettsrunden. Es sei in der Regel aber nicht möglich, alle komplizierten ökonomischen und juristischen Details nachzuvollziehen. Das Vertrauen in die Kompetenz des Ministerkollegen spiele eine große Rolle.

Auch Bruch bezeichnete die damaligen Vorträge Deubels unter Kabinettkollegen als schlüssig. Zugleich betonte er, das Finanzministerium habe das Projekt innerhalb der Landesregierung in den Händen gehabt. Beide Politiker sagten, das Nürburgring-Projekt sei für die damalige Regierung von zentraler Bedeutung gewesen. „Es war politisch gewollt“, betonte Bamberger.

Angeklagt sind neben Deubel der ehemalige Ringchef Walter Kafitz, sein Ex-Finanzchef Hans-Jürgen Lippelt und drei weitere Manager. Den Hauptangeklagten wird vorgeworfen, auf dem Weg zur geplatzten Privatfinanzierung des Ringausbaus beträchtliche finanzielle Schäden mitverursacht zu haben.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit dem Ausbau mittlerweile noch wegen eines weiteren Untreue-Verdachts gegen Kafitz und Lippelt: Anlass sind Äußerungen des in dem laufenden Verfahren ebenfalls angeklagten damaligen Controllers der Nürburgring GmbH zu angeblichen Luxusreisen und Bordellbesuchen von Finanzvermittlern in Zürich im Frühjahr 2009. Die Kosten soll die Nürburgring GmbH getragen haben.

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