Nach neuer Panne in Cattenom wächst Sorge über "Schrottreaktor"

Nach neuer Panne in Cattenom wächst Sorge über "Schrottreaktor"

Die französische Atombehörde hat den neuerlichen Zwischenfall im Atomkraftwerk Cattenom als Störfall der Stufe 1 eingestuft. Atomexperten bewerten die Panne, zu der es am Donnerstag gekommen ist, als ernstzunehmend.

13.25 Uhr am Donnerstag. Reaktorblock 1 des französischen Kernkraftwerks Cattenom schaltet sich automatisch ab. Ein Ventil im nicht nuklearen Kreislauf soll fehlerhaft offen gewesen sein. Dampf, der normalerweise zu den Turbinen geführt wird, ist ausgeströmt. Es ist zu einem Druckabfall gekommen, der Reaktor schaltet sich automatisch aus. Die Verbindung mit dem Kühlkreislauf des Reaktors wird gekappt. Der interne Notfallplan wird ausgerufen, die Präfektur (Regionalverwaltung) in Metz wird informiert und die für den Katastrophenschutz zuständigen Behörden.

Die Verantwortlichen der Anlage informieren um 14.25 Uhr die französische Atomaufsicht ASN und fünf Minuten später das Institut für Strahlenschutz. Das Institut alarmiert sein Krisenzentrum. Die ASN schickt von Straßburg aus Experten in die Metzer Präfektur und in das Kernkraftwerk. Um 17 Uhr am Donnerstag vermeldet die Atombehörde, dass keine Radioaktivität ausgetreten ist, stuft - ungewöhnlich schnell - den Zwischenfall auf der internationalen Störfallskala von 0 bis 7 als Störfall der Stufe 1 ein. Das gilt als Anomalie, also als eine Abweichung vom Normalbetrieb, die, wenn nicht rechtzeitig behoben, zu einem schweren Unfall führen kann. Normalerweise dauert es Wochen, bis die ASN einen Zwischenfall als Störfall einstuft.

Das rheinland-pfälzische Energieministerium ist nach 16 Uhr über den Zwischenfall informiert worden, zunächst telefonisch, später auch schriftlich, wie eine Sprecherin am Freitag bestätigte. Auch das Bundesumweltministerium ist informiert worden und hat die Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit um eine Stellungnahme gebeten.

Der Atomexperte Dieter Majer, der auch im Auftrag des Landes den Stresstest des Kernkraftwerks Cattenom nach der Fukushima-Katastrophe beobachtet und ausgewertet hat, weist gegenüber unserer Zeitung daraufhin, dass es immer wieder kleine Lecks in dem Dampferzeuger gibt, "so dass hier kritisch nachgefragt werden könnte, ob der betreffende Dampferzeuger wirklich 100-prozentig dicht war". Majer geht von einem technischen Defekt aus. Eine automatische Abschaltung des Reaktors sei immer mit besonderen Sicherheitsrisiken verbunden und beanspruche die Anlage besonders.Sicherheitssysteme funktionieren

Laut des Atomexperten und Trägers des alternativen Nobelpreises, Mycle Schneider, ist es gut gewesen, dass alle Sicherheitssysteme funktioniert haben. Schlimmstenfalls hätte es zu einem Austritt von Radioaktivität kommen können, sagt der in Kanada lebende Schneider unserer Zeitung.

Die Saarburger Grünen-Landtagsabgeordnete Stephanie Nabinger bezeichnet den Zwischenfall als "äußert besorgniserregend" und "ernstzunehmenden Störfall" und fordert, den "Pannenreaktor" sofort abzuschalten und nicht wie vom Betreiber, dem französischen Energiekonzern EDF geplant, noch bis mindestens 2050 am Netz zu lassen.
Auch der Konzer CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Henter fordert, "den Schrottmeiler endlich stillzulegen". Die Anlage sei eine ständige Gefahr für die in der Nähe wohnenden Menschen.Extra

Der erste von insgesamt vier Reaktorblöcken des Kernkraftwerks Cattenom war seit 14. Februar wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet. Bereits am 14. Mai haben Mitarbeiter bei der routinemäßigen Überprüfung des Kühlbeckens festgestellt, dass es Probleme mit Verbindungsventilen zum Primärkreislauf gibt. Das berichtet der Betreiber des Kraftwerks Cattenom, der Stromkonzern EDF, auf seiner Internetseite. Demnach öffneten sich die Ventile nicht. Die französische Atombehörde ASN hat die Panne am 18. Mai nachträglich als Störfall der Stufe 1 eingestuft. wie

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