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Nach Sprung von Brücke: Drei Trierer Polizisten wegen Verfolgung eines Unschuldigen vor Gericht

Nach Sprung von Brücke: Drei Trierer Polizisten wegen Verfolgung eines Unschuldigen vor Gericht

Drei Polizisten sollen einen Mann wegen Widerstands angezeigt haben, obwohl er sich gar nicht gewehrt hat. Die drei Beamten bestreiten vor Gericht jede böse Absicht.

Wegen der Verfolgung eines Unschuldigen stehen seit Montag drei Polizisten vor dem Amtsgericht Trier. Sie sollen einen Mann, der im Juni 2013 von der Römerbrücke in Trier in die Mosel gesprungen war, absichtlich falsch beschuldigt haben, Widerstand geleistet zu haben. Der Mann hatte sich nach dem Sprung selbst ans Ufer gerettet, wurde dann von der Polizei gefesselt und in Gewahrsam genommen. Vor Gericht bestritten die drei Polizisten - zwei Männer und eine Frau - im Alter von 32 bis 36 Jahren die Vorwürfe.

Einer der Polizisten sagte, er habe den angetrunkenen Mann fesseln wollen, um zu verhindern, dass er noch mal springt. Als er ihm die Handschellen anlegen wollte, habe dieser sich gewehrt. Es habe ein Gerangel gegeben: „Nur mit großer Kraftanstrengung“ habe er ihn bäuchlings auf der Motorhaube eines Polizeiwagens fixieren können. Die anderen zwei Beamten bestätigten dies grundsätzlich in ihren Aussagen.Nach Ansicht von Staatsanwalt Christian Schmidt hat sich der 37 Jahre alte Brückenspringer aber nicht gewehrt. Er sei sogar freiwillig zu den Beamten gegangen. Ein zweiminütiges Handy-Video, das von einem Begleiter des 37-Jährigen aufgenommen wurde, zeigt Teile des Einsatzes: Heftige Gegenwehr ist darin nicht zu erkennen.

Ein Ermittlungsverfahren gegen den Brückenspringer wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte wurde eingestellt. Stattdessen klagte die Staatsanwaltschaft die drei Polizisten an. „Ihnen war bekannt, dass sich der Sachverhalt tatsächlich nicht so wie von ihnen beschrieben zugetragen und eine Widerstandsleistung des Zeugen in Wahrheit nicht stattgefunden hatte“, sagte Schmidt.

„Wir werden uns massiv dagegen wehren“, sagte der Anwalt der Polizistin, Andreas Ammer. Hier werde „mit Kanonen auf Spatzen geschossen“. Der Vorwurf sei ein Verbrechenstatbestand, der bei einer Verurteilung eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr vorsehe - und dann den Beamten den Job kosten könnte. Seine Mandatin habe ihren Vermerk über den Einsatz „nach bestem Wissen und Gewissen“ gefertigt.

Wenige Tage vor dem Vorfall war ein 16-Jähriger von einer Brücke in Konz (Kreis Trier-Saarburg) in die Mosel gesprungen. Seine Leiche wurde ein Woche später aus dem Fluss geborgen. „Wir waren alle sehr angespannt“, sagte einer der Polizisten. „Es war eine dumme Aktion. Ich werde es nie wieder machen“, sagte der Brückenspringer am Montag.

Die drei Polizisten der Polizeiinspektion Trier seien derzeit normal im Dienst eingesetzt, sagte ein Sprecher der Polizei. Es werde erst der Ausgang des Prozesses abgewartet, bevor über die Einleitung von disziplinarrechtlichen Schritten entschieden werde.