Nagelprobe kommt in acht Wochen

Der Berliner Milchgipfel hat bei den Bauern Hoffnungen geweckt. Einen Tag nach der Runde, die Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin einberufen hatte, ist die Einschätzung bei Landwirten in der Region optimistisch. Doch die Nagelprobe kommt erst in acht Wochen.

Trier. Horst Seehofer hat es geschafft, mit seinem großen Milchgipfel die Erwartungshaltung bei Milcherzeugern, Verbänden und Molkereien zu steigern. "Handel und Molkereien sind sicher durch den Gipfel und die Entwicklung der vergangenen Monate weiter sensibilisiert worden", sagt Rainer Sievers, Chef der Milch-Union Hocheifel (Muh) in Pronsfeld. So nimmt er positiv auf, "dass der Handel zukünftig auf aggressive Werbung mit Milchprodukten" verzichten wolle. "In etwa acht Wochen stehen neue Verhandlungen zwischen dem Lebensmittel-Einzelhandel und den Molkereien an, dann werden wir sehen, wo es hingeht", sagte der Vorstandsvorsitzende der sechstgrößten deutschen Molkerei. Die Forderungen nach Finanzhilfen und Mengensteuerung würden nun geprüft, inwieweit sie mit EU-Recht vereinbar seien. "Der Wille der Politik, der Landwirtschaft zu helfen, ist da", sagt der Muh-Chef.

Auch der Präsident des Bauernverbands Rheinland-Nassau, Leo Blum aus Niederbettingen (Vulkaneifelskreis Daun), ist als Teilnehmer des Berliner Milchgipfels mit dem Ausgang zufrieden.

Hohe Erwartungen an Handel und Molkereien



"Der Druck auf die Molkereien und den Lebensmittel-Einzelhandel ist groß." Die Bauern brauchten höhere Preise für die Milch, doch eine bundesweite Mengenregulierung, wie der Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter (BDM) sie fordert, lehnt Blum ab. "Das funktioniert nur, wenn wir zu europaweiten Lösungen kommen. Ansonsten verzichten wir Deutschen auf Milchmengen, und Franzosen und Holländer überschwemmen unseren Markt." Blum forderte die Milchindustrie auf, "sich besser aufzustellen". Während sich der Bauernverband mit dem BDM nicht auf eine Strategie einigen kann, steht aber zumindest dasselbe Ziel auf der Agenda: "Wir brauchen unbedingt einen höheren Milchpreis."

BDM-Landeschef Oliver Grommes aus Auw (Eifelkreis Bitburg-Prüm) sieht im Milchgipfel für die Milchviehhalter einen "Teilerfolg". "Der Gipfel hat die richtigen Weichen gestellt. Nun muss es auch zu einer flexiblen Mengensteuerung kommen, die Molkereien dürfen in Zukunft nicht mehr Mengen verrechnen." Wie sehr Bauernverband und BDM in ihrer Strategie voneinander weg sind, zeigt auch die Reaktion von Grommes. "Der Verband ist nur Sprachrohr der Molkereien. Ich bin jetzt aus dem Bauernverband ausgetreten."

Meinung

Rechnung ohne Wirt gemacht

Der Milchgipfel hat bei den Beteiligten Hoffnungen geweckt. Doch machen die Akteure nicht die Rechnung ohne den Wirt? Preise lassen sich nicht durch Regulierung steuern. Das widerspricht der freien Marktwirtschaft und endet wie jede Planwirtschaft über kurz oder lang im Chaos. Wollen die Milchbauern diesen Weg hartnäckig weitergehen, werden auch sie diese Erfahrung machen. Dabei haben sie im Kampf um höhere Milchpreise durchaus "Trumpfkarten" im Ärmel. Gute Qualität aus deutschen Landen bekommen die Verbraucher nur, wenn sie bereit sind, einen höheren Preis für Milchprodukte zu zahlen. An der Ladentheke entscheidet sich die Zukunft der deutschen Milchbauern. Molkereien und Handel können ihres zum Erfolg der Bauern beitragen, doch am Ende müssen die Landwirte "marktfähig" sein. h.waschbuesch@volksfreund.de

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