Nahverkehr: Steigende Kosten + weniger Einnahmen = höhere Preise

Nahverkehr: Steigende Kosten + weniger Einnahmen = höhere Preise

In der heutigen Sitzung des Zweckverbandes des Verkehrsverbundes Region Trier (VRT) droht eine heftige Debatte über die geplante Erhöhung der Fahrkartenpreise für Bus und Bahn. Die Grünen wollen dagegen stimmen. Sollte die Preiserhöhung scheitern, können die Busunternehmen diese einklagen.

26,7 Millionen Fahrgäste fuhren im vorigen Jahr in der Region mit Bussen und der Bahn. Klingt viel. Zieht man aber die rund 16 Millionen Busfahrer in der Stadt Trier ab und berücksichtigt, dass ein Großteil der restlichen Bus- und Bahnnutzer in der Region Schüler sind, wird schnell klar: Um den öffentlichen Nahverkehr zwischen Eifel und Mosel ist es nicht wirklich gut bestellt. Immer weniger Menschen nutzen das auf dem Land ohnehin schon spärliche Angebot. Und weil die Zahl der Schüler Jahr für Jahr zurückgeht, verlieren die Busunternehmen zunehmend ihre sichere Einnahmebank. Mit den von den Kommunen und Eltern sowie dem Land bezahlten Schülertickets konnten die Unternehmen in der Vergangenheit ihre Strecken mitfinanzieren, auf denen sie weniger Fahrgäste transportieren und damit nicht kostendeckend fahren können. Doch seit einiger Zeit fällt diese Quersubventionierung durch die Schülerfahrkarten von Jahr zu Jahr geringer aus. Und genau daraus resultieren die aktuellen, seit einem Jahr bekannten Probleme im VRT: weniger Einnahmen bei gleichzeitig steigenden Kosten etwa durch die höheren Dieselpreise.

Diese Konstellation führt nach dem sogenannten Indexmodell des VRT - darin werden Ausgaben und Einnahmen der Unternehmen gegenübergestellt - automatisch zu einer Preiserhöhung, weil laut den Unternehmen eine deutliche Lücke zwischen Kosten und Erlösen klafft.

Doch genau gegen dieses Indexmodell wehren sich die Grünen. Sie wollen in der heutigen VRT-Sitzung in Daun gegen eine Preiserhöhung für 2013 und die darauffolgenden Jahre stimmen. Das Modell sei nicht transparent, außerdem hätten die Mitglieder des VRT-Zweckverbandes keinen Einblick in die tatsächlichen Zahlen der Unternehmen, so die Trier-Saarburger Grünen-Politikerin Sabina Quijano, Mitglied im VRT-Zweckverband. <EA>Sollte sich das Gremium in seiner heutigen Sitzung mehrheitlich gegen eine Preissteigerung aussprechen, könnten die Unternehmen notfalls gerichtlich eine Tariferhöhung durchsetzen. Denn sie haben einen rechtlichen Anspruch darauf, dass ihre Verluste durch die Tarife ausgeglichen werden.

Auch der ehemalige Trierer Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim warnt davor, die Fahrpreise zu erhöhen, ohne das Angebot zu verbessern. Das führe nur dazu, dass noch weniger Menschen in der Region mit Bus und Bahn fahren würden, wodurch die Erlöse der Unternehmen trotz höherer Preise noch weiter zurückgehen würden, sagt der in Bonn lebende Experte. Verbesserungsbedarf sieht er auch beim VRT. "Die Arbeit muss effektiver werden, die müssen mehr Werbung für den Nahverkehr machen."

Die Grünen fordern wie zuvor schon das für den Verkehr zuständige rheinland-pfälzische Innenministerium strukturelle Veränderungen innerhalb des VRT. Sie wollen, dass Strecken, auf denen die Unternehmen angeblich Minus machen, untersucht werden. Und dass dort neue Kunden gewonnen werden: "Sei es durch andere Streckenführungen, Fahrplangestaltung oder Steigerung des Komforts in den Bussen", sagt Quijano.

Verkehrswissenschaftler Monheim hält nichts von einer Auflösung des VRT, die immer mal wieder im Gespräch ist. Doch genau die droht nach Ansicht des Trie-rer CDU-Stadtrats Thomas Al-brecht, ebenfalls Mitglied im VRT-Zweckverband. Es müssten Alternativen zum Verbund gefunden werden, etwa durch Kooperationen zwischen den Kommunen und Busunternehmen. Auch er sieht höhere Preise als kritisch an. Bereits jetzt habe die Region den teuersten Nahverkehr "weit und breit". "Eine weitere Erhöhung ist sozial nicht verantwortbar", sagt Albrecht.