1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Nationalpark: Was Forscher Hunsrück und Hochwald zur Steigerung der Attraktivität empfehlen

Nationalpark: Was Forscher Hunsrück und Hochwald zur Steigerung der Attraktivität empfehlen

Ein besseres Angebot für Gäste, speziell kulinarisch und bei der Unterkunft: Das empfiehlt eine Tourismusstudie zur Entwicklung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald. Langfristig könne das mehr Touristen anlocken.

Vielleicht werden sich heute viele Menschen im Hochwald und im Hunsrück ärgern, wenn sie erfahren, wie eine neue Studie der Hochschule München ihre Verhältnisse vor Ort bewertet. Die Wissenschaftler aus Bayern um Professor Thomas Bausch, allesamt Tourismus-Experten, zeigen schonungslos offen Defizite auf.
Das war ihr Auftrag. "Der Blick von außen ist gut und hilfreich", sagt die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke.

Ihre grüne Kollegin, Umweltministerin Ulrike Höfken, unterstreicht das Positive: "31 Projekte zeigen den Weg nach vorne." Das Gutachten ist in drei Teile gegliedert.

Teil 1, Bestandsaufnahme: Wenig einladende, teils sogar verwahrlost wirkende Ortsbilder, schlechte Unterkünfte, kein gutes regionales Gastronomieangebot, keine spektakulären Höhepunkte für Touristen, schlechter ÖPNV: Das sind aus dem Blickwinkel von Professor Bausch, der nach eigenem Bekunden zuvor nie dort war, die Schwachpunkte der Nationalpark-Region. All das sei verbesserungswürdig, die Ausgangslage schwierig.
Der Forscher hat jedoch auch Stärken herausgearbeitet: alte Buchenwaldbestände, das Aufkommen an Wildkatzen, die Wandermöglichkeiten insbesondere des Saar-Hunsrück-Steigs, kulturelle Anziehungspunkte der Kelten- und Römerzeit. "Attraktiv inszeniert" könnten diese Dinge "Bausteine für ein Naturparkerlebnis bilden".

Teil 2, Nachfragepotenziale: Die Forscher sehen zwei touristische Hauptzielgruppen für den neuen Nationalpark: zum einen naturorientierte Besucher, die besondere Naturerlebnisse suchen, zum anderen naturbasierte Besucher, die ihr Augenmerk auf Aktivitäten wie Wandern oder Radfahren in der Natur legen.
In der Studie heißt es, die Nationalparkregion befinde sich "in einem hart umkämpften Markt". Im Bereich des Wanderns sei dies erkannt worden. Allerdings sei die Zahl der Beherbergungsbetriebe, die sich speziell auf Wandern ausrichten, "sehr gering".

Teil 3, Tourismuskonzept: Die Forscher empfehlen eine Positionierung auf den Säulen des Naturerlebnisses und des Kulturerbes. Sie schlagen vor, thematische Eingangsportale zu schaffen: im Hunsrückhaus soll die Natur herausgestellt werden, in Wildenburg der Aspekt Wildkatze, in Otzenhausen im Saarland die Kelten- und Römerkultur, in Idar-Oberstein der Bereich Geologie/Edelsteine und in Birkenfeld das Thema Heimat Hunsrück.
Die Studie empfiehlt 31 Projekte. Diese müssen laut Professor Bausch "vor Ort initiiert werden". Man dürfe keine halben Sachen machen, aber auch nicht zu viel in Angriff nehmen. Besser seien Schlüsselprojekte nach dem Motto "weniger ist mehr".

Die Forscher raten auch, den Nationalpark aus einer Hand zu managen und alle Projekte aufeinander abzustimmen. Wörtlich heißt es: "Hierzu bedarf es des Aufbaus eines Partnernetzwerks, dessen Mitglieder sich den Nationalpark zu eigen machen und den Prozess regional von innen mit vorantreiben."

Die Tourismus-Experten sowie Umweltministerin Ulrike Höfken und Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (beide Grüne) betonen: Der Nationalpark kann Impulsgeber für Tourismus sein - aber nicht von heute auf morgen. "Die Entwicklung braucht Zeit", verdeutlicht Höfken. Die prognostizierten Zuwächse bei den Gästezahlen sowie den Umsätzen und die höhere Wertschöpfung (Gehälter, Löhne, Steuern) seien erst nach zehn Jahren realisierbar.
Die Landesregierung will die Kommunen und die lokalen Tourismusakteure "im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen und beraten", sagen Höfken und Lemke. Man werde zum Beispiel bei der Entwicklung regionaler Speisekarten (Lemke: "Es macht Sinn, den Kartoffelklos überall zu etablieren"), einer Mobilitätsstudie und der Veränderung von Dorfbildern helfen.

Laut Höfken steht dafür auch Geld zur Verfügung. So gebe es für 15 Starterprojekte in den Dörfern sechs Millionen Euro sowie als Investitionshilfen für kleine Gastronomiebetriebe drei bis fünf Millionen Euro.

Ferdinand Ledwig, Vereinsvize der Bürgerinitiative "Ja zur Natur - Nein zum Nationalpark", sagt zur Studie, der rheinland-pfälzische Nationalpark sei nur "einer unter vielen", da es allein in Deutschland 16 solcher Schutzgebiete gebe. Außerdem habe die touristische Entwicklung in anderen Regionen, etwa im Nationalpark Bayerischer Wald, gezeigt, dass dort wieder rückläufige Übernachtungs- und Gästezahlen zu verzeichnen seien. Michael Hülpes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, sieht durch den Nationalpark zwar Chancen für den Tourismus. "Man kann aber nicht erwarten, dass es dadurch einen großen Hype geben wird. Dafür fehlt die herausragende Attraktion." Der CDU-Politiker hält den Nationalpark primär deshalb für wichtig, "weil wir durch dieses Vehikel unsere Region weiterentwickeln können und weil wir bei der Verbesserung unserer Infrastruktur besonders vom Land gefördert werden". ax