Neue Arbeit bringt das Lachen zurück

Trier · 55 schwerbehinderte Menschen haben mit Hilfe der Agentur für Arbeit innerhalb eines Jahres eine neue Stelle gefunden. Sie profitieren alle von der Inklusionsinitiative Trier. Diese ermöglicht eine intensive und individuelle Betreuung der Arbeitsuchenden.

Trier. Josefine Lender hat bei einem Unfall drei Finger und einen Teil des Daumens verloren. Die gelernte Einzelhandelskauffrau arbeitete zunächst dennoch in ihrem Beruf weiter. Dann erforderte der schwerkranke Vater ihre ganze Aufmerksamkeit. Als sie im Jahr 2011 in die Eifel zog, um auch beruflich neu zu starten, erlebte die als schwerbehindert eingestufte Frau nicht nur eine böse Überraschung. "Ich habe mich vier Jahre lang beworben und nur Absagen bekommen." Besonders deprimierend sei gewesen, wie auch bei Bewerbungsgesprächen auf sie reagiert wurde. "Es ist einfach eine Unverschämtheit, wie manche Arbeitgeber mit Behinderten umgehen, wenn ich etwa gesagt bekomme, dass man mich den Kunden nicht zumuten kann."
Das war vor einem Jahr. Inzwischen kann die 50-Jährige wieder lachen. Denn sie ist eine von 55 schwerbehinderten Frauen und Männern, die dank der Inklusionsinitiative der Agentur für Arbeit in der Region Trier wieder eine Stelle gefunden haben. Seit August arbeitet Josefine Lender in der Küche der St. Martin Gastronomie in Ulmen (Kreis Vulkaneifel). Die neue Arbeit mache viel Spaß, sagt sie und lacht herzlich. Das täuscht allerdings nicht dar-über hinweg, dass der Weg in das neue Berufsfeld nicht einfach war. "Zu Beginn der einjährigen Projektzeit steht in der Regel ein Persönlichkeitscoaching", sagt Cornelia Müller-Saxler vom SKM, einem katholischen Verein für soziale Dienste, in Daun. Dabei werde individuell und sehr intensiv über die Situation und die Erwartungen der Teilnehmer gesprochen. "Fast immer geht es auch um psychische Probleme."
Das bestätigt auch Joachim Wagner, Teamleiter bei der Arbeitsagentur für das innovative Inklusionsprogramm: "Neben der rein körperlichen Behinderung haben sich im Laufe der Jahre oft weitere Probleme ergeben, die eine Arbeitsaufnahme erschweren." Diese könnten dank der Fördersumme von 1,5 Millionen Euro für die Inklusionsinitiative nun durch die Betreuer von SKM, Caritas und Bürgerservice Trier Schritt für Schritt abgebaut werden.

Ein Plan und 1000 Euro


Jeder Projektteilnehmer erhält einen Förder- und Integrationsplan. Der enthält auch 1000 Euro für individuelle Hilfen - ein Bewerbercoaching etwa, eine besondere Weiterbildung oder der Erwerb des Führerscheins. Bei Josefine Lender wurde die Anschaffung eines Autos unterstützt. In einem anderen Fall war es ein Fahrrad.
55 besonders schwer vermittelbare behinderte Menschen haben im ersten Jahr der Initiative den Sprung zurück ins Arbeitsleben geschafft. Arbeitsagenturchef Herbert Wilhelmi ist mit der Zwischenbilanz zufrieden und rechnet fest damit, dass in den kommenden beiden Jahren noch viel mehr möglich ist. "Wir freuen uns über die Möglichkeit, diese neuen Wege in der Betreuung und Vermittlung von Menschen mit Behinderung zu gehen."
Josefine Lender strahlt. Sie hat aber auch einen Wunsch: "Es wäre schön, wenn die Begleitung im neuen Job länger als das vorgesehene halbe Jahr möglich wäre."Extra

Die Inklusionsinitiative Trier ist Teil eines 80-Millionen- Euro-Bundesprogramms zur Integration schwerbehinderter Menschen in den Arbeitsmarkt. Der Arbeitsagentur Trier und ihre Partner erhalten davon für drei Jahre insgesamt 1,5 Millionen Euro. 150 Plätze stehen jährlich zur Verfügung. Die Teilnehmer werden durch Jobcenter und Mitarbeiter von Caritas, Bürgerservice Trier oder SKM individuell begleitet und geschult. Teilnehmen können schwerbehinderte Menschen auf der Suche nach Arbeit oder Ausbildungsplätzen. In der Region Trier beschäftigen 791 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern 3288 schwerbehinderte Arbeitnehmer. Die Beschäftigungsquote liegt mit 4,1 Prozent unter dem Landesschnitt (4,2) und dem Bundesschnitt (4,7). Per Gesetz müssen Arbeitgeber mit mindestens 20 Mitarbeitern fünf Prozent ihrer Stellen mit schwerbehinderten Menschen besetzen oder eine Ausgleichsabgabe zahlen. 831 schwerbehinderte Menschen waren im Oktober in der Region arbeitslos. Das entspricht einem Anteil von 8,1 Prozent aller Arbeitslosen. 66 Prozent der schwerbehinderten Arbeitslosen sind über 50 Jahre alt. r.n.