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Neuer Bit-Chef will kein Billig-Bier - "Die Verramschung unseres Produkts ist nicht akzeptabel"

Neuer Bit-Chef will kein Billig-Bier - "Die Verramschung unseres Produkts ist nicht akzeptabel"

Axel Dahm ist bei der Eifeler Braugruppe noch nicht lange im Amt, lässt aber mit seinen Entscheidungen und Äußerungen immer wieder aufhorchen.

Axel Dahm steht erst seit einem halben Jahr auf der Kommandobrücke der Bitburger Braugruppe. Doch in der kurzen Zeit hat der ehemalige Gerolsteiner-Chef schon für mehr Schlagzeilen gesorgt als mancher seiner Vorgänger. Der jüngste Coup des 54-Jährigen: In einem Interview mit dem Handelsblatt kündigt Dahm regelmäßige Preiserhöhungen beim Flaschenbier an. "Die Verramschung unseres Produkts ist nicht akzeptabel", so der neue Bit-Chef. Derzeit liege der Preis für eine Kiste Bitburger bei zehn Euro. "Im Prinzip wären 18,90 Euro ein vernünftiger Preis", sagte Dahm dem Handelsblatt, es wäre aber auch schon gut, "wenn wir in Zukunft regelmäßig für 14,90 Euro im Regal stünden".

Ist Bier tatsächlich zu billig? Nach Angaben des Münchner Branchenexperten Jürgen-Michael Gottinger ist Bier heute nicht teurer als vor zehn Jahren. In den Supermärkten würden rund 80 Prozent aller Biere als Sonderangebote verkauft. Davon sind laut Gottinger vor allem die Großen der Branche wie Bitburger, Warsteiner oder Veltins betroffen.
"Wie soll der Kunde verstehen, wie hochwertig unser Bier ist, wenn es im Handel nur dazu dient, Männer in den Supermarkt zu locken?!", sagt Bit-Chef Dahm, der auch in dem Punkt bereits Nägel mit Köpfen gemacht hat.

Nach einem Bericht der Getränkefachzeitschrift Inside hat der gebürtige Düsseldorfer die Geschäftsbeziehung zur Kauflandgruppe beendet, die den Halbliterkasten Bitburger schon mal für 8,80 Euro angeboten haben soll. Dabei geht es um insgesamt 500.000 Hektoliter Bitburger, König, Licher, Köstritzer und Wernesgrüner. Kein Pappenstil bei einem Gesamtabsatz der Braugruppe von 7,2 Millionen Hektolitern im vergangenen Jahr.

Auch bei einem anderen Thema stellte Dahm unter Beweis, dass er vor schlagzeilenträchtigen Entscheidungen keine Angst hat. Nach über zwei Jahrzehnten kündigte er die Partnerschaft von Bitburger und Deutschem Fußballbund. 15 Millionen Euro soll das Sponsoring die Eifeler jährlich gekostet haben. "Wir dürfen nicht nur der Sparringpartner eines Sportverbands sein", begründete der 54-Jährige den Schritt.

Weil Dahm keine Angst vor radikalen Veränderungen hat und zudem bei Gerolsteiner schon bewiesen hat, dass er ein Unternehmen erfolgreich höherwertig positionieren kann, schauen inzwischen viele aus der Branche neugierig nach Bitburg. "Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um zu einem neuen Selbstbewusstsein zu gelangen", hat der Bit-Chef seinen Kollegen über das Handelsblatt-Interview schon mal mit auf den Weg gegeben. Wohlklingende Worte. Jetzt müssen in den nächsten Jahren nur noch die entsprechenden Umsatz- und Ertragszahlen folgen.ROBERT MäHLER STEIGT BEI GEROLSTEINER EIN

Robert Mähler Foto: privat

Der 47-jährige Robert Mähler tritt ab 1. April als Vorsitzender der Geschäftsführung beim Gerolsteiner Brunnen die Nachfolge von Axel Dahm an, der 2016 zur Bitburger Braugruppe gewechselt ist. Zunächst sollte er Mitte des Jahres einsteigen. Zuvor war er als Manager bei der Haribo-Gruppe zuständig für die internationale Geschäftsfeld-Entwicklung.