Katholische Kirche Bischöfe haben neuen Missbrauchsbeauftragten: Das ungeliebte Amt bleibt in Trierer Hand

Fulda/Trier · Der kirchliche Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann gibt sein Amt nach zwölf Jahren auf. Jetzt steht fest, wer ihm folgt: ein alter Bekannter.

Neuer Missbrauchsbeauftragter: Ehemaliger Trierer Weihbischof Dieser wird Ackermann-Nachfolger​
Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Etwas zugespitzt könnte man sagen: Das nicht gerade vergnügungssteuerpflichtige Amt des kirchlichen Missbrauchsbeauftragten bleibt in Trierer Hand. Der ehemalige Trierer Weihbischof und jetzige Bischof von Aachen, Helmut Dieser, ist  Nachfolger des langjährigen Beauftragten Stephan Ackermann. Das gab der Trierer Bischof am Mittwochmittag in Fulda bekannt. Ackermann (59) hatte bereits im Mai erklärt, das Amt des Missbrauchsbeauftragten auf der Bischofsvollversammlung in Fulda abzugeben. „Nach zwölf Jahren ist das ein richtiger Schritt“, sagte Ackermann.

Der 60-jährige Helmut Dieser ist seit November 2016 Bischof von Aachen. Zuvor war er unter Stephan Ackermann seit 2011 Weihbischof in Trier. Sein Stellvertreter als Missbrauchsbeauftragter wird der Freiburger Bischof Stephan Burger (69). Neben dem personellen Wechsel gibt es in der Bischofskonferenz auch neue Strukturen zur Aufarbeitung von Missbrauch. Kernelement soll die Schaffung eines unabhängigen Expertenrates sein, dem neben externen Fachleuten verschiedener Disziplinen und Professionen auch Vertreter des Betroffenenbeirats angehören.

Mit Blick auf die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals hatte der neue Missbrauchsbeauftragte Helmut Dieser in der Vergangenheit immer wieder die öffentliche Übernahme von Verantwortung gefordert. „Es kann nicht dabei bleiben, dass Verantwortliche sich flüchten in Hinweise auf ihr Nichtwissen oder auf damalige andere Verhältnisse.“

Die Kirche müsse lernen, „dass das bischöfliche Amt nicht vor Fehleinschätzungen und vor irrtümlichem Handeln gefeit ist“. Dies zu bekennen, sei keine Schande. Mit Blick auf seine neue Aufgabe sagte der ehemalige Trierer Weihbischof: „Wir müssen das himmelschreiende Unrecht beim Namen nennen. Das ist nicht einfach, und wir leiden entsetzlich.“

Er sagte aber auch, dass der Fokus nun nicht mehr nur „bei uns liegen“ dürfe, sondern auch andere Institutionen in den Blick genommen werden müssten. Laut einer erst am Dienstag veröffentlichten Studie werden im Sport nur die wenigsten Fälle von sexueller Gewalt und Missbrauch von Kindern und Jugendlichen aufgedeckt und aufgearbeitet. Stattdessen erlebten Betroffene häufig, dass ihre Erfahrungen negiert, bagatellisiert und verschleiert werden, wie aus der Untersuchung im Auftrag der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hervorgeht.

Der scheidende Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann sagte in Fulda, dass andere die Arbeit der zurückliegenden zwölf Jahre beurteilen müssten. Es seien aber wichtige Schritte beim Thema Aufarbeitung und Prävention gegangen worden, etwa die sogenannte MHG-Studie, die Vereinbarung von Anerkennungszahlungen für die Opfer oder die Schaffung von Aufarbeitungskommissionen in den einzelnen Bistümern. Ackermann bat um Entschuldigung, wenn sich Betroffene  durch ihn zurückgesetzt oder verletzt gefühlt hätten. „Das tut mir von Herzen leid und dafür möchte ich um Verzeihung bitten“, so Ackermann. Abschließend sagte er, dass die Arbeit als Missbrauchsbeauftragten ihn verändert habe – „auch mit Blick auf die Kirche und die innerkirchliche Unkultur des Wegschauens“.

Auf die Frage eines Journalisten an den scheidenden Missbrauchsbeauftragten, was er mit dem Wissen von heute denn anders machen würde, sagte Ackermann: Wenn er etwas gelernt habe, dann sei dies, eine solche Aufgabe auf unabsehbare Zeit zuzusagen. Er plädiere deshalb für eine Amtszeitbegrenzung. Die gibt es nun auch: Die Amtszeit des Duos Dieser/Burger ist auf zunächst drei Jahre begrenzt.

Ein Sprecher der Trierer Opfervereinigung Missbit bezeichnete den Abschiedsauftritt des Missbrauchsbeauftragten als „Eingeständnis der eigenen Überforderung“. Stephan Ackermann habe die Dimension des Themas Missbrauch in der Kirche völlig unterschätzt.

Zu Ackermanns Nachfolger sagte Missbit-Sprecher Hermann Schell, Helmut Dieser habe klare Worte gewählt. Ob er aber die Macht habe, auf seine Mitbrüder entsprechend einzuwirken, müsse sich erst noch zeigen.

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