Neuer Volksfreund-Chefredakteur Thomas Roth im Gespräch mit den Lesern (Video/Foto)

Neuer Volksfreund-Chefredakteur Thomas Roth im Gespräch mit den Lesern (Video/Foto)

Der direkte Kontakt zu den Lesern ist dem neuen TV-Chefredakteur Thomas Roth sehr wichtig. Gleich an seinem ersten Arbeitstag hat er einigen daher persönlich erläutert, was sich ändert und was bleibt, wie es ist.

Die einen sind einfach neugierig auf den Neuen. Sie wollen wissen, wie Thomas Roth tickt. Der 43-Jährige, der seit Dienstag Chefredakteur des Trierischen Volksfreunds ist, hat den Lesern gleich an seinem ersten Arbeitstag die Möglichkeit gegeben, ihn kennenzulernen, Fragen zu stellen, Kritik oder Wünsche zu äußern. Das ist neu. Das hat noch kein anderer TV-Chefredakteur vor ihm getan. Und das Interesse daran ist groß. Schließlich ist die Tageszeitung - die Erfahrung hat Roth in seiner 20-jährigen Laufbahn als Journalist gemacht - vielen Lesern so vertraut wie das eigene Wohnzimmer. Natürlich will man da wissen, welche Veränderungen ein Neuer mit sich bringen könnte.

Die anderen sind gekommen, weil ihnen bestimmte Themen am Herzen liegen: Kultur, Sport, Arbeit oder Bildung.
Neun Leser haben sich mit Roth am Dienstagabend ausgetauscht: Marita Massoth aus Schöndorf, Paul Tribull aus Aach, Siegbert Pinger aus Koblenz, Reiner Schladweiler aus Nittel, Karl-Heinz Keiser aus Thomm, Klaus Reeh, Peter Scheck, Vinzenz Anton und Ludger Körholz (alle aus Trier). Viele von ihnen lesen den TV schon "seit sie lesen können" (Paul Tribull) oder gar "seit der Geburt", wie Peter Scheck sagt, dessen Eltern und Großeltern bereits Abonnenten waren.

Wer ist der Neue?
Als sich ihm die Frage stellte, ob er als Kaufmann im Gesundheitswesen weiterhin Arztpraxen beraten will oder ob er in den Journalismus zurückkehrt, musste Thomas Roth nur eine Nacht darüber schlafen. Dann war ihm klar: Der Journalismus ist sein Weg. "Die Entscheidung habe ich keinen Tag bereut", sagt der 43-Jährige. Es werde einem nie langweilig und jeder Tag bringe eine neue Herausforderung. Fast immer gehe er mit einem Lächeln zur Arbeit. Und dieser Arbeitsweg führt ihn seit kurzem ins Medienhaus nach Trier-Zewen.
Auch seine Frau und seine beiden Kinder sind bereits mit ihm umgezogen, Kindergarten und Schule sind gefunden - das Leben in der neuen Heimat, in der Roth mit seiner Familie viele Jahre bleiben möchte, kann beginnen.

Warum Trier?
Bevor er an die Mosel zog, war der gebürtige Bayer bereits zwei Mal stellvertretender Chefredakteur: Bei der Braunschweiger Zeitung und bei der Mediengruppe Oberfranken. Damit war er bereit für den nächsten Karriereschritt. Er habe mehrere Angebote bekommen - "und wir haben uns relativ spontan für Trier entschieden". Nicht nur, weil er das Gefühl hatte, mit dem TV auf einer Wellenlänge zu sein, sondern auch, weil die Region liebenswert sei. "Sie zeigt ihre schönen Seiten ganz offen", sagt er. Die Menschen seien auf sehr ehrliche Art freundlich. Hier konnten er und seine Frau sich direkt vorstellen, mit ihren Kindern zu leben.

Was ist dem neuen Chefredakteur wichtig?
Für viele Leser ist der Trierische Volksfreund die Informationsquelle Nummer 1. Von Trump bis zur Diskussion um eine Trierer Tankstelle. Für Junge ebenso wie für Ältere. "Das ist für uns ein täglicher Spagat", sagt Roth. Daher ist ihm der Dialog mit den Lesern extrem wichtig. Auch, um herauszufinden, welche Themen wirklich interessieren. Dieser Austausch soll verstärkt werden. "Haben Sie Themenanregungen, Fragen Wünsche, Kritik? Immer her damit!", sagt Roth.
Da dieser Kontakt weiterhin schnell von Angesicht zu Angesicht möglich sein muss, ist für Roth völlig klar, was genau so bleibt, wie es jetzt ist: "Die Verwurzelung vor Ort. Unsere Reporter bleiben vor Ort". Die Lokalredaktionen in Prüm, Bitburg, Daun, Wittlich, Bernkastel-Kues, Trier und Hermeskeil sind für die Leser da. "Wir werden versuchen, noch lokaler und regionaler zu werden", betont Roth. "Und wir werden Geschichten noch vielfältiger erzählen - personalisiert, einladend und dennoch stets journalistisch sauber."

Was passiert online?
"Wird die Online-Bezahlschranke bleiben?", möchte Siegbert Pinger wissen. "Journalistische Arbeit muss bezahlt werden", sagt Roth. Schließlich habe der TV eine Redaktion mit rund 65 Journalisten. Wäre für die kein Geld mehr da, gäbe es weniger Themen, weniger Qualität - eine Abwärtsspirale. "Die Inhalte, die wir bieten, finden Sie nicht überall", sagt Roth. Die Bezahlschranke werde bleiben.
Die Onlineberichterstattung soll nicht nur noch aktueller und umfassender werden, für die Zukunft seien auch ganz neue Formate denkbar, zum Beispiel verschiedene Varianten des E-Papers für verschiedene Zielgruppen.

Was soll Kulturberichterstattung bieten?
Künstlerin Marita Massoth, Tufa-Vorstand Klaus Reeh und Pianist Ludger Körholz sind interessierte Leser des Kulturteils. Reeh ärgert sich, wenn er im TV über eine Ausstellung in New York liest, oder über das soundsovielte Konzert von André Rieu. Auch die Qualität manchen Nachberichts missfällt ihm. Körholz hingegen ist sehr zufrieden, da der TV seine Konzerte regelmäßig ankündigt. Das sei ihm viel lieber als ein Nachbericht.
Klassik, Theater, Malerei - Roth räumt ein, dass Kultur ein schwieriges Thema sei. Selbst Experten seien nicht für alles einsetzbar und die Zahl der Mitarbeiter sei begrenzt. Auch bei der Kultur ist ihm das Regionale wichtig. Texte über Ausstellungen in New York werde Reeh dort nicht allzu häufig lesen, verspricht er. "Wir werden weiter den Blick nach vorne richten - wollen unseren Lesern erklären, wohin sie wirklich müssen, aber auch Probleme im Blick haben."

Welche Verantwortung übernimmt der TV?
Klaus Reeh möchte zudem wissen, welche Verantwortung der TV als "politischer Laden" in der Region übernimmt. "Pressefreiheit ist im Grundgesetz festgeschrieben. Daraus ergibt sich auch eine Verantwortung für uns", sagt Roth. Ob rechts, links oder in der Mitte - jeder könne seine Meinung schreiben, solange sie der freiheitlich demokratischen Grundordnung entspreche. Natürlich sei es wichtig, alle Seiten zu Wort kommen zu lassen.
Auch zu erklären, wie Demokratie funktioniert, was vor Ort geschieht und was mit dem Steuergeld passiert, gehöre zu den Aufgaben der Zeitung. "Wir tragen als Regionalzeitung eine Verantwortung für die Region und sind ihr Sprachrohr", betont er. Oft berichte man über diejenigen, die Kritik üben. Roth will jene stärker in den Fokus rücken, die etwas auf die Beine stellen und die Region voranbringen.Extra: DISKUSSIONSTEILNEHMER

Karl-Heinz Keiser und Reiner Schladweiler. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Ludger Körholz. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Siegbert Pinger, Peter Scheck und Vinzenz Anton. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)

Vinzenz Anton aus Trier, der den TV im E-Paper liest und sich vor allem für Sport und Wirtschaftsthemen interessiert, ist mit 23 Jahren jüngster Teilnehmer der Gesprächsrunde. Thomas Roth sei authentisch und offen für Verbesserungsvorschläge, sagt Anton. Das Gespräch habe ihm gut gefallen, "weil man so ganz nah dran ist". Auch Paul Tribull aus Aach, der sich um Obdachlose kümmert und für soziale Themen interessiert, findet es gut, so "neue Ideen reinzubringen".
Marita Massoth (69) ist freischaffende Künstlerin und lebt in Schöndorf. Sie hat aus Neugierde auf den Neuen und wegen ihres Interesses für Kultur-Themen an der Runde teilgenommen. Auch Tufa-Vorstand Klaus Reeh ist gekommen, weil er über Kultur sprechen wollte.
Reiner Schladweiler aus Nittel interessiert sich als Regionalelternsprecher und Vorstandsmitglied des Landeselternbeirats für alles, was mit Bildung zu tun hat. Ein Thema, das Thomas Roth auch persönlich am Herzen liegt, da er zwei Kinder hat.
Siegbert Pinger ist aus Koblenz angereist. Da sein Arbeitgeberverband vem auch Mitglieder in der Region hat, liest er regelmäßig den TV. "Ich würde mir wünschen, dass die Dialogbereitschaft mit der Leserschaft weitergeht", sagt er. Peter Scheck aus Trier interessiert sich für Sportthemen und würde sich wünschen, jeden Champions-League-Nachbericht aktuell lesen zu können.
Karl-Heinz Keiser aus Thomm (83) hatte ein Busunternehmen und interessiert sich daher auch für die Anzeigen im Trierischen Volksfreund. Insbesondere für die Leserreisen.
Ludger Körholz ist Pianist und Klavierlehrer. Er verfolgt mit großer Aufmerksamkeit die Berichterstattung über Triers Plätze. Aktuell ist er sehr gespannt, wie es mit der umstrittenen "blauen Lagune" in der Ostallee weitergeht.