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Nicht auf weiter sinkende Preise setzen: Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu den niedrigen Öl- und Spritpreisen

Nicht auf weiter sinkende Preise setzen: Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu den niedrigen Öl- und Spritpreisen

Normalerweise gehen die Ölpreise in der kalten Jahreszeit nach oben. In diesem Jahr ist es umgekehrt: Der Preis für Heizöl sinkt seit Tagen. Auch Autofahrer können derzeit beim Tanken kräftig sparen.

"Sprit- und Heizölpreise erreichen Höchststände" lautete vor drei Jahren eine Schlagzeile unserer Zeitung. 100 Liter Heizöl kosteten Anfang Dezember 2011 in der Region rund 96 Euro. Für den Liter Super wurden 1,57 Euro verlangt. Damals gingen alle Experten davon aus, dass die Preise für Öl und Sprit noch weiter steigen werden. Doch stattdessen sind die Preise derzeit so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr. Wir erklären, warum.

Heizöl und Sprit in der Region so billig wie seit Jahren nicht mehr

Was kosteten gestern Heizöl und Sprit in der Region?
Für 100 Liter Heizöl wurden gestern in der Region im Schnitt 65 Euro (bei einer Abnahme von 3000 Litern) verlangt. Vor einem Jahr waren es noch fast 85 Euro. Auch der Spritpreis ist so niedrig wie seit langem nicht mehr. Der Liter Super kostete gestern in der Region zwischen 1,349 und 1,429 Euro; Diesel zwischen 1,179 und 1,279 Euro.

Wie machen sich die niedrigen Preise bemerkbar?
Die Lebenshaltungskosten sinken. Laut dem Statistischen Landesamt lagen die Verbraucherpreise in Rheinland-Pfalz um 0,7 Prozent unter denen vor einem Jahr. Hauptgrund dafür seien die niedrigen Preise für Heizöl und Sprit. Superbenzin war um 3,3 Prozent, Diesel um 5,8 Prozent und Heizöl um 9,4 Prozent günstiger als im November 2013. Gegenüber 2010 liegen die Preise jedoch deutlich höher, Heizöl war im November um zwölf Prozent teurer als vor vier Jahren.

Warum sind die Preise derzeit so niedrig?
Schuld daran seien ein Überangebot an Rohöl und eine niedrigere Nachfrage vor allen in China, heißt es bei Branchenkennern. Einen solchen Preissturz habe niemand der Analysten vorhergesehen, sagt Hans-Jürgen Funke, Geschäftsführer des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH). Das Überangebot ist auch entstanden durch eine deutliche Steigerung von Öl aus Schiefer, dem sogenannten Fracking. Die USA haben ihre Förderung in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet, zuletzt um 13,5 Prozent auf mehr als zehn Millionen Barrel pro Tag. In diesem oder dem nächsten Jahr könnten die USA Saudi-Arabien und Russland überholen und zum weltweit größten Ölproduzenten aufsteigen. Somit benötigen die USA weniger Importe; bei einem Verbrauch von 19 Millionen Barrel pro Tag sind sie allerdings auch noch weit davon entfernt, sich selbst mit Öl zu versorgen.

Warum sind die Preise für Rohöl stärker gefallen als für Benzin?
Ein Liter Super verbilligte sich laut ADAC im Vergleich zum Frühjahr 2011 bis heute um knapp zwölf Prozent, ein Liter Diesel um knapp 14 Prozent - und damit deutlich weniger als die gut 45 Prozent des Ölpreises. Dafür sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Öl wird international in Dollar gehandelt. Weil der Euro in den vergangenen Jahren aber gegenüber der Weltleitwährung an Wert einbüßt hat, ist der Ölpreis in Euro im gleichen Zeitraum nur um rund 37 Prozent gesunken. Der Benzinpreis besteht aus einem festen und einem variablen Teil. Bei einem Verkaufspreis von 1,42 Euro je Liter entfallen weniger als 50 Cent auf den Einkauf des Produkts - nur dieser Teil schwankt. Das meiste, mehr als 88 Cent, sind Steuern und Abgaben. Dieser Teil schwankt nicht. Wenn sich nun der Einkauf um zehn Prozent verbilligt, sind das fünf Cent. Sinkt der Endpreis für den Kunden ebenfalls um fünf Cent von 1,42 auf 1,37 Euro, so sind das aber nur 3,5 Prozent. Nicht zehn. Zudem ist der Euro in den vergangenen Monaten schwächer geworden. Dadurch ist die Preissenkung beim Rohöl im Euro-Raum nicht voll angekommen.

Werden die Preise weiter fallen?
Die Händler rechnen derzeit nicht mit einem stärkeren Preisanstieg. "Es spricht viel dafür, dass der Heizölmarkt auch noch in der ersten Jahreshälfte 2015 weiter schwach bleiben wird", sagt Thomas Etteldorf, Inhaber eines Brennstoffhandels in Metterich (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Es sei allerdings nur eine Frage der Zeit, bis sich der Preis wieder drehe. Prognosen seien gerade bei den Heizölpreisen sehr schwierig, sagt auch VEH-Geschäftsführer Funke. "Unabhängig von der internationalen Entwicklung sollte man nicht auf weiter fallende Preise spekulieren. Ein schneller Wintereinbruch führt unserer Erfahrung nach zu einer schnell ansteigenden Nachfrage. Das treibt nicht nur den Preis fürs Heizöl wieder nach oben, sondern kann auch die Lieferfristen verlängern." Deswegen sei es sinnvoll jetzt zu tanken. Heizöl koste derzeit in Rheinland-Pfalz etwa 24 Prozent weniger als im Vorjahr.
Der ADAC rechnet damit, dass die Preise an den Tankstellen kurzfristig zumindest auf dem jetzigen niedrigen Niveau stabil bleiben.

Wie lange muss man derzeit auf eine Öllieferung warten?
Zwischen drei Tagen und maximal drei Wochen beträgt die Wartezeit, wie eine TV-Nachfrage ergeben hat. Die Tanks vieler Hausbesitzer seien gut gefüllt, sagt Funke. "Das liegt auch am vergangenen milden Winter sowie einem überdurchschnittlich warmen Herbst, der den Beginn der Heizperiode verzögerte."