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Niedrigwasser im Rhein: Leere Lager, halbvolle Schiffe und kaum Heizöl

Infrastruktur : Lager leer: Über den Rhein kommt kaum noch Heizöl an die Mosel

Mitten in der Energiekrise bricht nun wegen Niedrigwassers die Schifffahrt auf dem Rhein zusammen. Das ist im Trierer Hafen zu spüren. Auch beim Transport von Baustoffen hakt es.

Mit großer Sorge blicken Industrie und Verbraucher auf das, was sich am Rhein abspielt, wo der Flusspegel ungewöhnlich früh im Jahr sinkt und sinkt und sinkt. Schon seit Wochen können Schiffe wegen des Niedrigwassers nur einen Bruchteil der Kohle oder des Heizöls transportieren, die sie üblicherweise an Bord haben. Droht nun mitten in der Energiekrise, dass der Rhein ganz unschiffbar – und Energie noch knapper und teurer wird?

Wegen Niedrigwasser: Noch kein Fahrverbot auf dem Rhein

Ein Fahrverbot gibt es zwar nicht, betont Claudia Thoma von der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Allerdings geht sie davon aus, dass die Zahl „kleinerer Schiffe mit geringeren Tiefgängen“ zunimmt.

In Luxemburg und in der Region Trier machen sich die Folgen bereits bemerkbar. „Wir kriegen gar kein Material mehr geliefert“, sagt Jürgen Helten, Geschäftsführer der Luxport-Gruppe, die im Hafen Mertert Baustoff, Dünger oder Metall umschlägt. Das liege am Rhein und auch daran, dass sich die Frachtpreise für Schiffe wegen der hohen Nachfrage verdreifacht hätten. Er fürchtet um die Versorgungssicherheit, wenn die Situation bis in den September oder Oktober hinein anhält. Denn anders als 2018 gebe es nun nicht genug LKW, um einen Ausfall der Binnenschifffahrt zu kompensieren.

Auch wer trotz der Hitze Heizöl bestellt, erfährt von den Folgen des Niedrigwassers. Das Trierer Tanklager sei nicht mehr permanent gefüllt, berichtet die Konzer Heizölhändlerin Heike Bast, die sich die Ware nun von einer Spedition bringen lässt. „Die Versorgungslage ist aktuell schwierig“, sagt auch Tobias Ollinger von der Saarburger Adam Rauls GmbH, die ihr Tankfahrzeug nun bis nach Duisburg schickt.

Allerdings wird wegen der Hitze und der hohen Preise nicht viel bestellt. Menschen warten ab. Zu Engpässen kommt es derzeit nicht.

Doch viele Heizöltanks seien leer. Und Volker Klassen, Chef der Trierer Hafengesellschaft, fürchtet, dass sich bis Anfang Oktober wenig am Niedrigwasser ändert.

Im Rhein steht das Wasser laut Thoma noch 40 Zentimeter höher im Vergleich zum niedrigsten Wasserstand 2018. Damals waren die Heizölpreise im Oktober und November infolge der Lieferschwierigkeiten deutlich gestiegen.

Lieferschwierigkeiten für Baustoffe und Heizöl

Angesichts der Probleme fordert Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Chefin der SPD-Landtagsfraktion, das Bundesverkehrsministerium auf, die geplanten Bauarbeiten im Rhein mit hohem Tempo voranzutreiben. Die Vertiefung der Fahrrinne zwischen Mainz und St. Goar müsse in Berlin absolute Priorität haben. „Wir haben 2018 erlebt, welch milliardenschwere Folgen es haben kann, wenn Lademengen massiv reduziert werden oder der Schiffverkehr zum Erliegen kommt.“

Ein Kleine Anfrage von Stephan Wefelscheid (Freie Wähler) im Landtag zeigt, dass die tiefere Fahrtrinne erst 2033 fertig sein soll. Ursprünglich habe man dies für 2030 geplant.

Auch Klassen fordert Investitionen in die Wasserstraßen und mehr Tempo am Rhein. „Wenn die da mehr als zehn Jahre dran rumkaspern, dann ist das einfach zu lang.“

Allen, die erwägen, bald Brennstoff zu kaufen, rät der Wittlicher Heizölhändler Thomas Barzen „nicht in Panik zu verfallen und intensiv die Preise zu vergleichen“. Geht er doch davon aus, dass mancher seiner Konkurrenten die aktuelle Situation nutze, „um den Verdienst zu verbessern“.

Nicht nur ökonomisch, auch ökologisch hat das Niedrigwasser massive Folgen.