"Nieles" größter Coup

KYLLBURG. Seit Wochen gibt es in der Verbandsgemeinde Kyllburg (Kreis Bitburg-Prüm) kein anderes Gesprächsthema: Helmut Heinz. Der 49-jährige Kyllburger kandidiert als Bürgermeister für die Verbandsgemeinde - obwohl er unter Betreuung steht und durch zahlreiche Eskapaden aufgefallen ist.

In Kyllburg und Umgebung kennen ihn alle nur als "Nieles". Und von "Nieles" sind sie einiges gewohnt in der Waldeifel. Schon bevor der 49-Jährige als Bürgermeisterkandidat für die Wahl am 12. Oktober ins Rennen ging, hat er so manches Mal für Aufsehen gesorgt. Zum Beispiel, als er nach der Aufforderung der Stadt nach einer Begrünung Kyllburgs den Bürgersteig grün anstreicht. Oder als er die Feuerwehr ruft, um sich nach Bitburg chauffieren zu lassen. Aus Spaß kandidiert und für Aufsehen gesorgt

Mit seinem jüngsten Coup jedoch gelang es ihm, für permanenten Gesprächsstoff zu sorgen. Helmut Heinz ließ sich auf die Kandidaten-Liste für die Bürgermeisterwahl setzen. Das Ungewöhnliche daran ist, dass er seit vergangenem Jahr zum zweiten Mal unter Betreuung steht. Das heißt, dass er nicht in allen Angelegenheiten, beispielsweise nicht in finanziellen, frei entscheiden darf (siehe Hintergrund). Zugute kamen Heinz bei seiner Idee, zu kandidieren, zwei Umstände: Zum einen steht er nicht in allen Angelegenheiten unter Betreuung und darf deshalb nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen werden. Zum anderen ist es ihm gelungen, die notwendige Zahl an Unterstützungsunterschriften beizubringen. Entstanden ist seine Kandidatur aus einer Laune heraus. "Ich hab' aus Spaß gesagt, ich würde kandidieren", sagt Heinz. Etliche Kyllburger hätten ihm daraufhin gesagt: "Wenn du antrittst, geh' ich nach 20 Jahren wieder wählen." Seit er Kandidat ist, sorgt Helmut Heinz permanent für Gesprächsstoff. Aber nicht mit Wahlplakaten und nicht mit Kundgebungen. In etlichen Fällen ermittelt nämlich die Polizei gegen Heinz, hauptsächlich wegen Sachbeschädigung und Beleidigung. So hat unter anderem der amtierende und ebenfalls kandidierende Bürgermeister Bernd Spindler (SPD) Anzeige gegen Heinz erstattet, weil er von diesem als "Oberarschloch" und "Nazi" vernannt worden sei. Auch beim Amtsgericht in Bitburg füllen sich die Aktenordner rasch, verhandelt wird voraussichtlich jedoch erst nach dem Wahltermin. Zuletzt sorgte Heinz vergangenen Woche für Aufsehen, als er einen Regional-Express am Kyllburger Bahnhof stoppte, indem er sich auf die Gleise stellte. Heinz selbst, der bis zu seiner Pensionierung mit 35 als Beamter in der Justiz arbeitete, Abitur hat und Diplom-Verwaltungswirt ist, sieht seine "Aktionen" gelassener als das Umfeld. "Das wird doch eh' alles eingestellt", kommentiert Heinz seine bevorstehenden Auftritte vor Gericht. Am Mittwoch steht Heinz ebenfalls vor Gericht. Allerdings findet dann vor dem Landgericht Trier eine Anhörung statt, bei der es um seine Betreuung geht. Denn obgleich ihm ansonsten ziemlich viel egal ist, stört ihn die wirklich. Heinz hofft, danach wieder vollkommen frei über seine Geschäfte bestimmen zu können, "denn man muss sich ja schämen, wenn man überall anschreiben lassen muss, nur weil die Betreuerin die Hand auf dem Geld hat". Seiner Betreuerin zufolge, die sich ansonsten zu Heinz in der Öffentlichkeit nicht weiter äußern will, ist jedoch völlig offen, was nach der Anhörung heraus kommt. KOMMENTAR SEITE 2