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Noch drei Monate bis zur Biotüte

Noch drei Monate bis zur Biotüte

Regionale Verbraucher sollen Küchenabfälle künftig freiwillig sammeln und wegbringen.

Gut zwei Jahre nach Beilegung des Biotonnenstreits zwischen dem regionalen Abfallzweckverband (ART) und der Aufsichtsbehörde gibt es jetzt einen Starttermin für das alternative Entsorgungssystem: In der Region Trier wird zum 1. Januar nächsten Jahres die Biotüte eingeführt. Das bestätigte am Mittwoch ART-Geschäftsführer Max Monzel auf Anfrage unserer Zeitung.

Nach dem sogenannten Trierer Modell plus sollen die Bürger künftig Küchenabfälle und Speisereste in kompostierbaren Tüten sammeln und diese dann bei einer der 86 regionalen Grüngutsammelstellen abgeben - freiwillig und ohne dafür etwas zu bezahlen. Im Gegenzug wird in der Region Trier auf absehbare Zeit keine Biotonne eingeführt. Zunächst ausgenommen von der Neuregelung ist der Vulkaneifelkreis, in dem es die Biotonne seit über 20 Jahren gibt. In zwei Jahren laufen aber dort die Verträge aus.

Um die Einführung einer Biotonne hatte es vor drei Jahren einen erbitterten Streit zwischen der für Abfallfragen zuständigen Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) und den Kommunen der Region gegeben. Hintergrund ist die vom Gesetzgeber seit 1. Januar 2015 vorgeschriebene getrennte Erfassung von Bioabfällen. Im Kreislaufwirtschaftsgesetz steht allerdings auch, dass bei einem gleichwertigen anderen Entsorgungsverfahren eine Befreiung von der Biotonne möglich ist.

Auf diese Ausnahmeregelung setzten - letztlich erfolgreich - die regionalen Kommunalpolitiker. Vor zwei Jahren einigten sich die SGD Nord und der Bernkastel-Wittlicher Landrat Gregor Eibes (CDU) als Chef des regionalen Abfallzweckverbands auf den Biotüten-Kompromiss. Das Besondere daran: Niemand wird zum Sammeln der Küchenabfälle in Biotüten gezwungen, und Zusatzkosten fallen laut ART-Geschäftsführer Monzel auch nicht an.

Die Biotüten werden kostenfrei abgegeben und sollen von den Bürgern später an einer der 86 Grüngutsammelstellen in der Region wieder abgegeben werden (siehe Infokasten). Ein ähnliches sogenanntes Bringsystem gibt es auch in mehreren anderen Kommunen, etwa im Kreis Birkenfeld. Dort können die Bürger ihre aus Maisstärke hergestellten Tüten in Bioabfallcontainer werfen, die flächendeckend aufgestellt wurden. So stehen etwa allein in Birkenfeld über 60 Container, in Baumholder immerhin noch über 30.

Ähnliche Regelungen haben Regensburg und Landshut eingeführt. Auch dort wurden flächendeckend Sammelstellen eingerichtet, wo die Bürger ihre Küchenabfälle abgeben können. Die gesammelten Abfälle werden dann in Vergärungsanlagen zu Energie und Kompost verarbeitet. Das ist auch in der Region Trier geplant.

Doch die Pläne gehen hier noch weiter: Bis 2020 soll die Abfallentsorgung in den vier Kreisen Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Vulkaneifel, Trier-Saarburg und der Stadt Trier weitgehend vereinheitlicht werden (der Volksfreund berichtete). Noch gibt es bei Abfuhrzeiten, Leistungsumfang und Entsorgungskosten teils erhebliche Unterschiede.

Die größten Veränderungen dürften nach den zuletzt bekanntgewordenen Plänen auf die Verbraucher in Trier und dem Kreis Trier-Saarburg zukommen: So sollen nach den bislang vorliegenden Plänen beispielsweise Grünschnitt und Elektroschrott nicht mehr bei den Bürgern abgeholt werden. In den Kreisen Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und im Vulkaneifelkreis ist das schon heute nicht der Fall. Konkrete Pläne sollen dem Zweckverband Abfallwirtschaft bis Ende des Jahres vorliegen.

Wo gibt es das Biotüten-Starterset?

Biotüten, Eimer, Infobroschüre - dieses Starterset stellt der regionale Abfallzweckverband jedem Haushalt kostenlos zur Verfügung. Die Coupons dafür sind in den am Jahresende erscheinenden Abfallfibeln. Startersets und zusätzliche, kostenlose Biotüten gibt es in allen Rathäusern und an den ART-Standorten. Die gefüllten Biotüten können bei den 86 regionalen Grüngut-Sammelstellen und den ART-Wertstoffhöfen abgegeben werden. Wo die nächstgelegene Sammelstelle ist, erfahren Sie unter
https://www.art-trier.de/cms/gruenschnitt_sammelstellen-1002.html

Meinung


Wenn die Tüte reißt, kommt die Tonne
Der Erfolg des Trierer Modells ist noch offen.

Rumms! Jetzt bekommen also auch die Verbraucher in der Region Trier endlich ihre Bio-Entsorgung - ob sie's wollten oder nicht. Immerhin: Satte drei Jahre hat das Hickhack zwischen den Verantwortlichen des regionalen Abfallzweckverbands und der Koblenzer Aufsichtsbehörde die Einführung verzögert. Und: Es gibt zwischen Prüm, Morbach, Trier und Saarburg eben weiterhin keine verpflichtende Biotonne, die der Eifeler CDU-Politiker Michael Billen stets wenig freundlich als Madentonne brandmarkte, sondern eine Biotüte auf freiwilliger Basis. Wer Speisereste und Küchenabfälle auch in Zukunft partout nicht sammeln will, der muss es nicht.

Die anderen werden sich künftig an den Ausgabestellen regelmäßig neben Gelben Säcken auch braunfarbene Papierbeutel einstecken, so denn ausreichend Tüten da sind. Richtig interessant wird es aber erst danach: Wer seine Tüte daheim mit Speiseabfällen, Kaffeefiltern, Teebeuteln und verdorbenen Lebensmitteln gefüllt hat, will diese in der Regel schnell wieder loswerden. Kein Problem, wenn eine der rund 90 Sammelstellen um die Ecke liegt. Und wenn nicht? Und was soll Lieschen Müller machen, die womöglich nicht nur weit weg von einer Sammelstelle wohnt, sondern auch noch schlecht zu Fuß ist und kein Auto hat? Klarer Fall: Sie wird, um sich das Leben nicht zu erschweren, aufs Biosammeln verzichten.

Ein, zwei Lieschen Müller wird der für die Abfallentsorgung von gut einer halbe Million Einwohner zuständige Zweckverband verkraften können. Und wenn's deutlich mehr sind? Wenn sich die Bereitschaft der Bürger, neben Restmüll, Papier und Verpackungsmaterialien auch noch Küchenabfälle zu sammeln, arg in Grenzen hält? Dann könnten sich bei dem so wohlklingend als "Trierer Modell Plus" bezeichneten Entsorgungssystem rasch die Vorzeichen ändern. Ob dann ein Nachsteuern - beispielsweise mit vielen zusätzlichen Grüngut-Sammelcontainern - noch helfen würde, ist fraglich.

Ist die Rücklaufquote bei den Küchenabfällen nach einer gewissen Frist nicht hoch genug, wird die Koblenzer Aufsichtsbehörde den Biosack zumachen und der Region Trier mit dann etlichen Jahren Verspätung doch noch die verpflichtende Biotonne aufs Auge drücken. Dass dies auch den ART-Verantwortlichen bewusst ist, zeigt die Aussage von Geschäftsführer Max Monzel: "Über die Tonne entscheidet die Tüte!"

r.seydewitz@volksfreund.de